Wie Motorboote deutschen Seen schaden

Wie Motorboote deutschen Seen schaden

Der Sommer ist nicht nur Badesaison, auch Motorboote tummeln sich nun vermehrt auf deutschen Seen. Die zunehmende Freizeitschifffahrt hat jedoch negative Auswirkungen auf Natur und Lebenswelt der Seen. Eine neue Studie zeigt nun, wie die ans Ufer prallenden Schiffswellen Pflanzen und Tiere schädigen und sogar klimaschädliches Methan aus dem Seesediment freisetzen. Um das Ökosystem See zu entlasten, fordern die Forscher strengere Regeln für die Bootsfahrt in Deutschland.

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie sieht vor, dass alle europäischen Gewässer bis 2027 in einem guten ökologischen Zustand sein sollen, also zum Beispiel sauberes Wasser und intakte Lebensräume bieten. Davon sind viele Seen in Deutschland jedoch noch weit entfernt. Grund dafür sind unter anderem Düngereinträge aus der Landwirtschaft, Verschmutzungen durch Schadstoffe und Müll, aber auch der motorisierte Wassersport.

Uferzonen in Gefahr

Forscher um Frank Peeters von der Universität Konstanz haben nun erstmals den Einfluss von Motorbooten, Ausflugsschiffen, Jet-Skis und Co. auf deutsche Seen systematisch untersucht. Dazu führte das Team intensive Messungen an mehreren Seenlandschaften Deutschlands durch – unter anderem am Bodensee, am Starnbergersee in Bayern und am Röblinsee in Brandenburg. Dabei ermittelten Peeters und seine Kollegen den Einfluss von Schiffswellen, die ans Ufer prallen, und erfassten, wie sehr Boote und Häfen Ufergebiete verbauen. Auch die mögliche Freisetzung von Schadstoffen untersuchte das Team.

Das Ergebnis: „Der Verkehr von großen Fahrgastschiffen und Motorbooten belastet das Seeufer“, berichtet Peeters. „Die Schiffswellen wirken sich auf Tiere und Pflanzen in der Flachwasserzone aus und können zu Aufwirbelung und Verfrachtung der Sedimente führen.“ Dabei wiederum können sich methanhaltige Gasblasen aus dem Sediment lösen und als Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Besonders stark fallen diese Effekte bei hohen Wellen und bei häufigem Wellenschlag aus, wie das Team herausgefunden hat. Schilfgürtel und andere Wasserpflanzen in Ufernähe können durch den Wellenschlag beschädigt werden. Dasselbe gilt für Nester von Vögeln oder Kinderstuben von Wassertieren, die in diesen Pflanzengemeinschaften verborgen sind.

Auch Anlegestellen richten Schäden an

Selbst wenn die Sportboote und Fahrgastschiffe nur still im Hafen liegen, erzeugen sie weiterhin Umweltprobleme. Unter anderem gelangen dabei Schadstoffe aus den Beschichtungen der Schiffrümpfe ins Wasser. Ebenfalls problematisch: Die zahlreichen Boote und Häfen verbauen ökologisch wertvolle Lebensräume in der Uferzone, wie Peeters und seine Kollegen berichten. Mit 112 Wasserfahrzeugen je Quadratkilometer Seefläche ist der Bodensee dabei ein Extrembeispiel. Diese enorme Flotte entspricht einem Boot pro fünf Meter Uferlänge. Hinzu kommen Bojenfelder, Stege und Häfen, die eine Fläche von mehr als 4,4 Quadratkilometern einnehmen, wie die Forscher ermittelt haben.

Peeters und sein Team fordern deshalb verbindliche Regeln, um die Belastung der Seen durch motorisierten Wassersport zu reduzieren. Dazu gehören unter anderem ein zentrales digitales Bootsregister, das alle motorisierten Boote erfasst, sowie eine Bootssteuer, die sich nach Größe, Motorleistung und Schadstoffausstoß richtet und dem Umweltschutz zugutekommen soll. Helfen könnten auch strengere Vorgaben für das Verhalten der Motorboote und Jet-Skis auf dem Wasser. Da kleinere und langsam fahrende Boote weniger starke Wellen erzeugen, empfehlen Peeters und seine Kollegen, die zulässige Größe von Freizeitschiffen und deren erlaubte Geschwindigkeit zu begrenzen – zumindest in zuvor ausgewiesenen Schutzzonen. Nur so könne der Schutz der Seen und ihrer empfindlichen Ökosysteme langfristig sichergestellt werden.

Quelle: Universität Konstanz; Fachartikel: Konstanzer Online-Publikations-System, doi: 10.48787/kops/subolakes/352-2-7aspyt48wvdp7




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