Wie Padel den Freizeitsportmarkt erobert

Wie Padel den Freizeitsportmarkt erobert

Das „plopp, plopp“ von Tennisbällen hat jedermann im Ohr. Das „patsch, patsch“ von Padel-Bällen ist hierzulande noch nicht verbreitet. Einst war im Sportpark Frankfurt das „plopp, plopp“ tonangebend – lange vorbei. Man setzt auf Kleinfeldfußball, Beachvolleyball und seit Neuestem im großen Stil auf „Padel“.

„Patsch, patsch“ klingt es im Hintergrund, als Christoph Trüe seine staubige Hand zum Gruß ausstreckt. Es ist immer etwas zu tun auf der 10.000 Quadratmeter großen Anlage im Stadtteil Preungesheim. Der geschäftsführende Gesellschafter des Sportparks versucht so viel wie möglich in Handarbeit zu erledigten. Er pflastert, verlegt Kunstrasen und übernimmt Instandhaltungsarbeiten aller Art. Ein sehr gutes Händchen bewies er bei der Entscheidung, auf Padel zu setzen. Der in einem Glaskasten gespielte Rückschlagsport, eine Mischung aus Tennis und Squash, wächst – global betrachtet – rasant.

Deutschland ist bei dieser Sportart noch so etwas wie ein Entwicklungsland, aber die Begeisterung dafür steigt. Trendsport? Der Begriff suggeriert, in einen Topf geworfen zu werden mit so vielen anderen Disziplinen, die nach kurzem Hoch schon bald der Vergessenheit anheimgefallen sind. Nein, darüber ist Padel schon weit hinaus. Laut dem „Global Padel Report“ von 2024 gab es 2016 weltweit rund 10.000 Plätze, aktuell sind es knapp 50.000, 2026 sollen es 85.000 sein. Die Anzahl der aktiven Spieler steigt ebenso rasant.

Ein Investment von rund 250.000 Euro

Anbieter wie Trüe profitieren davon, dass die Nachfrage größer als das Angebot ist. Unlängst hat der Vierundfünfzigjährige die Öffnungszeiten ausgeweitet, Padel-Spielbetrieb ist an Wochenenden nun schon von neun Uhr an möglich. Trüe war „regelrecht erschrocken“, wie er schmunzelnd erzählt, wie die Buchungen dann auch für die Morgenstunden auf den sieben Courts nur so hereingeprasselt sind. Auch deshalb soll das Angebot bald schon um zwei weitere Courts erweitert werden.

Hat die Trendsportart Padel früh für sich entdeckt und in deren Infrastruktur investiert: Gesellschafter des Preungesheimer Sportparks, Christoph Trüe.
Hat die Trendsportart Padel früh für sich entdeckt und in deren Infrastruktur investiert: Gesellschafter des Preungesheimer Sportparks, Christoph Trüe.Lando Hass

Trüe ist ins finanzielle Risiko gegangen, als er Anfang 2023 die ersten vier Preungesheimer Padel-Plätze gebaut hat. Ein Investment von rund 250.000 Euro. Und das zu einer Zeit, als er die Nachricht erhielt, dass er einen erheblichen Teil der für den Erhalt des Sportparks erhaltenen Corona-Hilfen zurückzahlen muss. Für den Familienvater bedeutete das schlaflose Nächte. „Padel hat mir den Hintern gerettet“, sagt Trüe. Einstige und aktuelle Tennisspieler, generell Menschen, die ballsportaffin sind, aber auch Anfänger und einfach Neugierige buchen sich seither Courts, leihen sich Schläger und Bälle, legen los – und viele bleiben dabei. Weil Padel ein niederschwelliges Sportangebot ist, das keine großen Anforderungen hat und schnelle Erfolgserlebnisse verspricht. Die Nettospielzeit je Stunde ist viel höher als beispielsweise im

Tennis. Während im koordinativ anspruchsvollen Tennis für Anfänger der Weg zu einem richtigen Ballwechsel über das Netz weit ist und nicht selten diverse Trainerstunden teuer sind, stellt sich beim Padel meist schon beim ersten Mal enormer Spielspaß ein. Weil es bis zu einem spaßigen Schlagabtausch im Kunstrasen-Rechteck meist nicht lange dauert. Zumal auch der Aufschlag von unten und nicht kompliziert über Kopf ausgeführt wird. Auch athletisch stellt Padel zunächst keine übermäßigen Anforderungen dar, weil im Doppel gespielt wird. Es stehen sich also vier Spieler gegenüber.

Padel bei Olympia 2032 in Brisbane?

Diverse Prominente, etwa David Beckham, Jürgen Klopp, Shakira und Eva Longoria, haben längst öffentlich über ihre Padel-Passion berichtet, was freilich auch zur Verbreitung beiträgt. Nicht unwahrscheinlich, dass das boomende Spiel 2032 bei den Spielen in Brisbane olympisch werden könnte. Gespielt wird in einem 20 mal zehn Meter großen Glaskasten, der nach oben offen ist. Die Wände werden mit ins Spiel einbezogen. Die Bälle sind leichter als beim Tennis, die Schläger kürzer. Sie haben einen kurzen Griff und einen Schaumstoffkern mit einer beispielsweise aus Glas- oder Kohlefaser bestehenden Außenhülle.


Dieser Text entstammt der aktuellen Ausgabe des F.A.Z.-Wirtschaftsmagazins „Metropol“.

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Christoph Trüe hat jedenfalls kaum werben müssen, um sein Padel-Angebot zu vermarkten. Nur ein bisschen trommeln in den sozialen Medien – und schon lief es. Werktags von 16 Uhr an bis spätabends und an Wochenenden den ganzen Tag über gibt es nur wenige Lücken im Onlinebuchungssystem. Ähnlich sieht es auch bei anderen Anbietern in Rhein-Main aus. Wie zum Beispiel dem etablierten Multisports in Wallau (sechs Plätze), The Padellers in Dreieich (neun Courts) und Padel City Wiesbaden (vier Plätze). „Ich hoffe, dass allein in Frankfurt bald 40 weitere Courts dazukommen. Eine echte Community wird es erst, wenn es ausreichend Plätze gibt“, sagt Trüe im Bistro des Sportparks. Durch ein Fenster fällt der Blick in die Halle, die, unschwer zu erkennen, einst für Tennis gebaut worden ist. Als Trüe übernahm, waren dort schon vier Kleinfeld-Fußballfelder. Im Außenbereich baute er einen Parcours für Tretautos, um unter anderem ein Ziel für Kindergeburtstage zu werden.

Am 14. März 2020 eröffnete er – nur um sechs Tage später coronabedingt direkt wieder schließen zu müssen. Trüe, ein kräftiger Mann, gelernter Schreiner und einst im Messebau tätig, sattelte um. Er investierte in das trotz Industriegebietlage von reichlich Grün umgebene Außengelände. Drei Beachvolleyballfelder entstanden, die im Winterhalbjahr aber nur wenig gebucht werden. Dazu kamen weitere Fußballfelder im Außenbereich.

In Frankfurt entstehen immer mehr Padel-Plätze

Dass er, der selbst ein begeisterter und noch aktiver Kicker ist, den Raum von König Fußball mal zugunsten von Padel reduzieren würde, habe er sich bis 2022 auch nicht träumen lassen, wie er erzählt. Trüe war aufmerksam geworden auf das erste Padel-Experiment in Deutschland überhaupt. Auf der Tennisanlage des TC Niddapark in Frankfurt war der erste Court hierzulande gebaut worden. Drei weitere kamen hinzu, und Trüe beobachtete als Zaungast, wie die Spieler vor den neuartigen Glaskästen Schlange standen, während nebenan viele Tennisplätze leer blieben. Ohne zu zögern, brachte er sich wenig später in Preungesheim selbst ins Spiel – mit Erfolg.

Kurze Schläger und kleinere Bälle: Padel unterscheidet sich in vielen Punkten von Tennis.
Kurze Schläger und kleinere Bälle: Padel unterscheidet sich in vielen Punkten von Tennis.Lando Hass

Aktuell sind im Sportpark zwei weitere Padel-Courts im Bau, was Trües Investitionssumme allein in Padel-Infrastruktur auf über eine halbe Million Euro hebt. Es entstehen zwei Single-Courts, auf denen man nicht zu viert, sondern zu zweit spielt. Dies entspricht zwar nicht der Grundidee von Padel, lockt aber viele, die diesen Sport mal ausprobieren wollen. Erfahrungswerte, auf die sich Trüe verlassen kann, vermietet er schon jetzt einen „kleinen“ Platz (20 mal sechs Meter). Die Nachfrage sei enorm, erzählt er. Und was, wenn man keinen Spielpartner hat? Auch darauf weiß der Unternehmer eine Antwort. Die App Playtomic helfe, als einzelner Spieler oder als Duo Partner in ähnlicher Spielstärke zu finden. All diese Entwicklungen bestärken Trüe in seinem Entschluss, auf Padel zu setzen. Sein Mut scheint belohnt zu werden. Im Jahr 2024 hat der Sportpark Frankfurt beim Umsatz die Schwelle von einer Million Euro überschritten – getrieben durch Padel.

Auch an anderen Standorten in Frankfurt tut sich etwas. Der Höchster THC bietet nunmehr Padel an; beim SC Frankfurt 1880 steht der Baubeginn von zwei Courts kurz bevor; beim SC Safo erkennt man das Entree auf die Anlage nicht mehr wieder, weil dort der Center-Court drei Padel-Courts weichen musste. Der Sachsenhäuser Klub kooperiert mit dem Anbieter Padel City, der Bau und Buchung der Courts übernimmt – und in den unter anderem der ehemalige Fußballbundestrainer Hansi Flick investiert hat.

US-Sport Pickleball hofft auf Sogwirkung

Mit der Platzmiete für Mitglieder und Gastspieler lässt sich mit Padel schon jetzt Geld verdienen. Und auch sonst scheint das Geschäft mit der Trendsportart lukrativ. Die Courts benötigen weniger Fläche, der Kunstrasen kein Wasser. Auch die Klubgastronomie wird vielerorts durch die neu gewonnenen Besucher belebt.

Auch außerhalb von Vereinsstrukturen wird gebaut: Auf dem Dach des Frankfurter Einkaufszentrums Skyline Plaza entstehen Courts, im Gibson Beach Club in der Innenstadt sind zwei Plätze gerade in Betrieb gegangen. Das kleine Hofheim macht sich zudem gerade auf, die heimliche Padel-Hauptstadt Deutschlands zu werden. Ende April hat das Racket Center eröffnet, das unter anderem sechs Padel-Plätze bietet. Bertrand Kaus und seine Mitstreiter haben ein Kleinod für Ballsportliebhaber geschaffen. Etwa 1,4 Millionen Euro haben sie investiert. Außentennisplätze, die zuvor dort neben den Hallencourts des etablierten Tenniscenters Sportpark Heide lagen, sind vor Jahren Vandalismus zum Opfer gefallen und seitdem nicht mehr bespielbar. In blendendem Blau sind dort nun 14 neue Courts entstanden: zwei für Tennis, sechs für Padel und sechs für Pickleball. Dabei handelt es sich um eine weitere Rückschlagsportart, die in den USA enorm beliebt ist.

Die an den Army-Stützpunkten in Wiesbaden beschäftigten Amerikaner hätten vor der Eröffnung beinahe täglich angerufen, um sich zu erkundigen, wann sie in der Region endlich Pickleball spielen könnten, erzählt der geschäftsführende Gesellschafter Kaus. Der 62 Jahre alte Tennislehrer und Betreiber einer Tennisschule ist überzeugt: „Zeitversetzt wird der Run auf Pickleball auch hierzulande einsetzen.“ Das Spiel ist ähnlich leicht zu erlernen wie Padel. Es wird auf einem 13 mal neun Meter großen Feld mit einem gelochten Kunststoffball und einem Schläger gespielt, der ein bisschen an ein Küchenschneidebrett erinnert. Aber auch die Padel-Courts in Hofheim in unmittelbarer Nachbarschaft des bekannten Restaurants Waldgeist werden gut gebucht. Am 14./15. Juni richten die Hofheimer gleich die Deutsche Padel-Meisterschaft im Mixed aus.

Padel-Spieler seien insgesamt weniger verbissen, dafür lockerer und kommunikativer, sagt Kaus. „Es wird ständig gelacht auf den Plätzen.“ Der langjährige Sportwart bei Hofheimer Tennisklubs hat ein regelrechtes Ball-Imperium geschaffen. Schon einmal hat er erfolgreich einen Trend gewittert und investiert: Als Hallenfußball auf Kunstrasenparzellen hip wurde, haben er und sein Bruder den Soccerpark Taunus-Hills eröffnet. Doch nun richtet sich sein Blick vor allem auf die Chancen, die Padel bietet. Und als nächstes Pickleball. Das klingt übrigens nicht wie „patsch, patsch“ und schon gar nicht nach „plopp, plopp“. Sondern ziemlich laut: „klack, klack“.

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