Wie sahen Weihnachtsgeschenke im Mittelalter aus?

Wie sahen Weihnachtsgeschenke im Mittelalter aus?

Wer zu Weihnachten seine Liebsten beschenken oder seine Festtafel mit Köstlichkeiten decken möchte, kann dafür heute auf Produkte aus aller Welt zugreifen. Seine Geschenke und Lebensmittel im großen Stil zu importieren, ist allerdings keine moderne Erfindung: Schon im Spätmittelalter ließen sich die Menschen rechtzeitig zum Weihnachtsfest festliche Waren, Spielzeug und Schmuck in großen Mengen aus dem Ausland liefern, wie Zollregister aus London aus den Jahren 1380 bis 1560 belegen.

Wer heute im Laden um die Ecke oder im Online-Shop nach Weihnachtsgeschenken oder Delikatessen für das Weihnachtsessen sucht, findet dort Waren aus aller Welt. Für uns ist es inzwischen selbstverständlich, aus der Fülle des internationalen Angebots schöpfen zu können. Aber seit wann besitzen Menschen in Europa diesen Luxus? Woher bekamen die Menschen ihre Waren, die schon vor Jahrhunderten das Weihnachtsfest in christlicher Tradition feierten?

Weihnachten: Nach London importierte Waren

Dieser Frage sind Geschichtswissenschaftler um Werner Scheltjens von der Universität Bamberg nachgegangen. Dafür digitalisierten und durchsuchten sie Zollaufzeichnungen aus London aus mehreren Jahrhunderten: von 1380 bis 1560. Anhand dieses Datensatzes rekonstruierten sie dann, wie Handel, Konsum und Alltagsleben im Mittelalter aussahen. „Indem wir diese Quellen nicht nur als Wirtschafts-, sondern als kulturhistorische Zeugnisse lesen, können wir nachvollziehen, wie sich Geschmäcker, Konsumgewohnheiten und Vorlieben über Grenzen hinweg verbreiteten“, erklärt Scheltjens. Die Einträge der Zollregister aus den Monaten November und Dezember geben den Forschenden dabei Aufschluss darüber, welche Waren speziell für die Weihnachtszeit importiert wurden.

Das Ergebnis: Die Menschen im mittelalterlichen London importierten für das christliche Fest oft religiöse Waren rund um die Feierzeremonien, beispielweise Rosenkränze, Jesusfiguren und Agnus-Dei-Schmuck, der Jesus Christus als Opferlamm symbolisiert. Aber auch Kinderspielzeug wurde zu Weihnachten vielfach beschafft, unter anderem Rasseln und Puppen, Bälle, Spielbretter und Würfel. In den Aufzeichnungen sind zudem Schmuck und feine Lederhandschuhe gelistet, ebenso wie große Mengen an Obst und Gewürzen. „Die Menge an Spielzeug, Schmuckstücken, Obst und festlichen Leckereien, die jeden Winter importiert wurden, zeigt, dass mittelalterliche Menschen eine lebendige Konsumkultur mit erschwinglichen Waren genossen“, sagt Justin Colson vom Centre for the History of People, Place and Community in London. „Diese Aufzeichnungen widerlegen alte Annahmen über ein karges oder trostloses mittelalterliches Leben.“

Viel Spielzeug im Mittelalter

Die Zollregister enthüllen auch, wie Kinder im Mittelalter außerhalb der Weihnachtszeit lebten. Demnach besaßen die Menschen damals grundsätzlich viel Spielzeug. „Die Zollaufzeichnungen bestätigen, dass Spielzeug in großen Mengen hergestellt und sowohl lokal als auch über den internationalen Handel weit verbreitet war“, sagt Hazel Forsyth vom London Museum. Als Beispiel nennen die Historiker Tonfiguren aus den heutigen Benelux-Ländern, filigrane Metallrasseln sowie Tennisbälle. Die Waren kamen vom europäischen Festland über die Nordsee nach Großbritannien, unter anderem aus Antwerpen, Venedig, Barcelona, Sevilla, Lissabon und dem Ostseeraum. Das bestätigt, dass London im Mittelalter ein bedeutendes europäisches Handelszentrum war.

Quelle: Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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