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Eichhörnchen begegnen in der Stadt verschiedenen Herausforderungen – darunter uns Menschen, aber auch Fressfeinden wie Katzen, Hunden, Mardern oder Greifvögeln. Wie die Eichhörnchen ihr Verhalten an diese Umstände anpassen, haben Biologen in einem Citizen-Science-Projekt in Berlin genauer untersucht. Es zeigte sich, dass die städtischen Eichhörnchen gut einschätzen können, wann von wem eine Gefahr droht.
Bei uns in Europa ist das Eurasische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) der häufigste Vertreter der Eichhörnchen. Ursprünglich an das Leben im Wald und anderen natürlichen Umgebungen angepasst, hat der kletterfreudige Nager mit rötlichem Fell längst auch unsere Städte als Lebensraum erobert. Kleingärten, Hinterhöfe und Parkanlagen bieten ihm Futter und Wohnraum. Doch in dieser vom Menschen geprägten Umgebung begegnen den Eichhörnchen nicht nur andere Wildtiere, sondern auch Haustiere wie Hund und Katze und natürlich der Mensch. Wie sehr beeinflusst dies das Verhalten der Nagetiere?
Flexible Anpassung an verschiedenen Fressfeinde
Um die Anpassung der städtischen Eichhörnchen an ihre Umgebung und deren Tücken zu untersuchen, starteten Sinah Drenske vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung und ihre Kollegen in Berlin ein Citizen-Science-Projekt. Dafür stellten freiwillige Helfer im Frühling und Herbst der Jahre 2019 und 2020 Wildtierkameras in ihren Gärten auf. Die Forschenden werteten dann die Bilder der Kameras aus, im Fokus standen dabei die saisonalen und tageszeitlichen Aktivitätsmuster der Eichhörnchen in den verschiedenen urbanen Kontexten sowie die Reaktionen der Tiere auf die Anwesenheit von Menschen, Katzen, Hunden und Beutegreifern wie Steinmardern. Insgesamt 1335 Bilder von Eichhörnchen, 14087 von Katzen und 715 von Mardern knipsten die Wildtierkameras in den Beobachtungszeiträumen.
Die Ergebnisse bestätigten, dass sich die Eichhörnchen sehr flexibel an die Anwesenheit potenzieller Fressfeinde anpassen: „Unsere Untersuchung zeigt, dass Eichhörnchen in erster Linie ihr Verhalten ändern, um Beutegreifern auszuweichen und nicht den Menschen“, sagt Co-Autorin Stephanie Kramer-Schadt vom Leibniz-IZW. Die Eichhörnchen mieden demnach Orte und Zeiten, in denen Marder, Katzen, Greifvögel und Co präsent waren. Sobald die Gefahr vorüber war, tauchten die Eichhörnchen aber schnell wieder auf. „Wenn keine Beutegreifer auf den Bildern zu sehen waren, sahen wir einen Anstieg ihrer Aktivität, und die Eichhörnchen nutzten die Zeit, um sich auf dem Boden nach Nahrung umzusehen.“
Katzen schlimmer als Marder oder Hunde
Wen die Eichhörnchen besonders fürchten zu scheinen, sind Katzen, wie die Forschenden herausfanden. „Die ständige Präsenz von Katzen zwingt Eichhörnchen dazu, permanent wachsam zu sein und sich laufend anzupassen“, erklärt Drenske. „Im Gegensatz dazu können Eichhörnchen bei Steinmardern – deren Anwesenheit tagsüber selten und vor allem auf die Nacht beschränkt ist – wieder zu ihrem normalen Verhalten zurückkehren, wenn diese nicht mehr präsent sind.” Ein vielleicht überraschendes Ergebnis der Studie: Hunde scheinen die Eichhörnchen dagegen nicht allzu sehr aus der Ruhe zu bringen. „In unseren stündlichen und saisonalen Analysen zeigte sich kein signifikanter Einfluss von Hunden auf das Verhalten von Eichhörnchen“, berichtet Drenske.
Auch der Coronalockdown während des Beobachtungszeitraums 2020 beeinflusste die Aktivität der flinken Tiere. „Wir konnten belegen, dass während der Covid-Lockdowns die Aktivität der Eichhörnchen in Gärten zunahm“, erklärt Drenske. Die Forschenden erklären das damit, dass die Menschen durch die mehr zuhause verbrachte Zeit mehr Futterstellen für Eichhörnchen und Vögel aufstellten. „Die zusätzlichen Nahrungsquellen könnten Eichhörnchen dazu ermutigt haben, eher Gärten mit Futterstellen aufzusuchen“, so Drenske weiter. Ein wildtierfreundlicher Garten trägt so demnach zum Wohlergehen von Wildtieren in der Stadt bei.
Quelle: Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW); Fachartikel: Frontiers in Ecology and Evolution, doi: 10.3389/fevo.2024.1455142
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