#Wieder protestieren Zehntausende gegen Corona-Regeln

Wieder protestieren Zehntausende gegen Corona-Regeln

In Frankreich sind wieder mehr als 200.000 Menschen gegen strengere Corona-Regeln und die Impfpflicht für Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegeheimen auf die Straßen gegangen. Das Innenministerium berichtete am Samstagabend von etwa 237.000 Teilnehmern – die bislang größte Kundgebung seit Beginn der neuen Massenproteste im vergangenen Monat. Kundgebungen gab es wieder in der Hauptstadt Paris, aber auch in zahlreichen anderen Städten.

In Paris waren nach offiziellen Angaben 17.000 Demonstranten unterwegs. Ein Schwerpunkt der Proteste lag dieses Mal im Süden. Nach Informationen des Radiosenders France Info nahmen in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur bis zu 37.000 Menschen teil. Die Demonstrationen verliefen nach ersten Berichten weitgehend friedlich. Zu Spannungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten kam es in Lyon, der drittgrößten Stadt des Landes. Am vergangenen Wochenende waren es nach offiziellen Angaben landesweit insgesamt mehr als 200.000 Teilnehmer in rund 150 Städten gewesen.

Am Donnerstag hatte der französische Verfassungsrat die umstrittene Impfpflicht für das Personal im Gesundheitswesen sowie den so genannten Gesundheitspass gebilligt, der Aufschluss über einen Negativ-Test oder eine Impfung gibt. Ab Montag muss nun beim Betreten von Restaurants und Cafés, Gesundheitseinrichtungen, manchen Einkaufszentren, Messen und Jahrmärkten sowie für Fernreisen in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Impfung, eine Genesung oder ein negativer Test nachgewiesen werden. Dies galt seit Juli schon für Kultur- und Freizeiteinrichtungen.

Kritiker sprechen von einer „Impfpflicht durch die Hintertür“. „Ich bin nicht unbedingt Impfgegner“, sagte der Informatiker Stéphane. Der 50 Jahre alte Demonstrant war mit seiner Frau und seinen zwei jugendlichen Kindern zum Protestmarsch nach Paris gekommen. „Es stört mich, dass man mir diese Impfung aufzwingt, und es macht mir Angst wegen meiner Kinder.“

Für Alexandre Fourez ist die Demonstration in Paris nach eigenen Angaben die erste. „Das Problem mit dem Gesundheitspass ist, dass er uns aufgezwungen wird“, sagte auch der 34 Jahre alte Mann. Zudem falle es ihm schwer zu glauben, dass die Regelung am Ende tatsächlich zeitlich begrenzt bleiben werde.

Oppositionspolitiker hatten das umstrittene Gesetz dem Verfassungsrat zur Prüfung vorgelegt. Sie sahen das Prinzip der Gleichheit aller Bürger in Gefahr und verwiesen auf den niedrigeren Anteil Geimpfter in ärmeren Bevölkerungsschichten.

Frankreich steckt derzeit in der vierten Corona-Welle. Innerhalb einer Woche gab es landesweit zuletzt etwa 225 neue Fälle auf 100.000 Einwohner. Die Bundesregierung stuft größere Teile Südfrankreichs nun als Corona-Hochrisikogebiet ein. Dies gilt von Sonntag an unter anderem für die Provence, die Côte d’Azur, und die Insel Insel Korsika. Betroffen sind auch französische Überseegebiete wie Guadeloupe, Martinique, Réunion, St. Martin und St. Barthélemy.

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