
Die Faustformel ist einfach und ganz sicher nicht wissenschaftlich überprüft. Sie beruht, zugegeben, eher auf subjektiven Erfahrungen als auf Empirie und geht ungefähr so: Je Urlaubswoche, die man außerhalb der eigenen vier Wände, außerhalb des eigenen Alltags, verbringt, wird ein voller Tag benötigt, um wieder anzukommen. Bei zwei Wochen sind es zwei Tage, bei drei Wochen drei. Längere Abwesenheiten folgen wiederum einem ganz anderen Muster.
Kurzum: Zum Ende der Sommerferien stehen jenen Urlaubern, die erst auf den letzten Drücker zurückkehren, noch einige eher anstrengende Tage bevor. Denn manchmal braucht es eben seine Zeit, bis man die Schönheit seiner Heimatstadt wiederentdeckt. Da werden die schmuddeligen Ecken, die man sonst liebevoll als „urbane Begleiterscheinungen“ entschuldigt hat, plötzlich zum Aufreger. Da wird die Schnelllebigkeit, die vor dem Urlaub noch als belebend verteidigt wurde, mit einem Mal als hektisch, unerträglich laut und anstrengend empfunden.
Der Post-Urlaubs-Kater ereilt all jene, die vor dem großen Berg „Alltag“ stehen, während sich der Sand vom letzten Strandtag in den Schuhen festkrallt. Das Gehirn wiederholt mantramäßig eine Frage: War die Heimatstadt beim Verlassen auch schon so hässlich? Die Antwort lautet: Ja. Zumindest punktuell. Aber das Lebensgefühl war ein anderes.
Kleiner Trost: Der Kater geht vorüber. Ganz sicher. Nach einem, zwei oder eben drei Tagen. Dann erscheint die eigene Stadt plötzlich nicht mehr ganz so trostlos und grau. Fast so, als habe man am Farbfilter geschraubt. Der Müll in den Straßen wird auch nach Überwindung der kleinen Ankunftsdepression nicht schön anzusehen sein, die Hektik des Alltags kann auch weiterhin an den Nerven rütteln. Aber der Blick auf die Umgebung, in der man lebt, wird wieder weicher, das Hadern mit manch architektonischer Hässlichkeit lässt nach, es fällt leichter, sich dem Tempo des Alltags anzupassen.
Dass der Rückkehr-Kater kommt, besonders dann, wenn die Auszeit einen weit weg aus dem Alltag katapultiert hat, ist sicher. Wer sich ihm aber hingibt und vertraut, dass er vorübergeht, der wird es ein bisschen einfacher haben als jene, die sich aufbäumen und dagegen ankämpfen. Wer ihm entgehen will, darf die Heimat nicht verlassen. Aber das ist keine ernst zu nehmende Option. Denn nur dem, der andere Eindrücke aufgenommen, ein anderes Lebensgefühl eingeatmet und die Fremde erspürt hat, wird das Privileg zuteil, zu hadern. Und auf den Post-Urlaubs-Kater folgt bekanntermaßen die Prä-Urlaubs-Freude.
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