Wieso zieht es einen nach Ansbach?

Franken ist ja gerade in aller Munde. Das hat nicht nur, aber auch mit dem neuen Buch von Moritz von Uslar zu tun, „Meldungen aus dem Wald“. Uslar hat zwar schon seine Provinzhärte bewiesen („Deutschboden“), wird aber doch überwiegend als Großstadtmensch gelesen.

Umso erstaunlicher, dass er seine urbane Komfortzone verlassen und den Forstbetrieb seiner Familie in Oberfranken übernommen hat. Er scheint sich im Fichtelgebirge so wohlzufühlen, dass er sich sogar anschickt, dort eine Art San Casciano im Carl-Schmitt’schen Sinne zu etablieren, indem er Geistesmenschen wie Rainald Goetz oder DJ Hell im Wald um sich schart.

Der Umzug findet gar nicht mehr richtig statt

Daran könnten sich die Damen und Herren Verwaltungsrichter in München mal ein Beispiel nehmen. Und zwar deshalb: 2020 verkündete der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, dass im Zuge der Strukturförderung („Heimatstrategie“) der komplette Bayerische Verwaltungsgerichtshof von München nach Ansbach umziehen solle. Der richterliche Aufschrei damals war groß – und nicht frei von Hauptstadtdünkel.

Zeit, mal nachzuhorchen, was daraus geworden ist. Zuständig für den Umzug ist CSU-Innenminister Joachim Herrmann, der selbst aus der fränkischen Provinz stammt, genauer: aus Erlangen, über das die Band Foyer des Arts nicht ganz unironisch gesungen hat, es gebe ja so viel „Wissenswertes über Erlangen“ zu erlangen.

Antwort des Ministeriums: Die Zahl der Senate in Ansbach sei von vier auf sechs erhöht worden. Allerdings gibt es insgesamt 24 Senate. Was also passiert mit dem Rest? Aus dem Ministerium heißt es: Eine vollständige Verlagerung sei „nicht mehr geplant“. Grund: Es seien „derzeit keine geeigneten Flächen für eine Anmietung in Aussicht“. Für einen Neubau stünden „weder ein geeignetes Grundstück noch Haushaltsmittel“ zur Verfügung.

Beste Wurst- und Bierwaren – reicht das den Richtern?

In der Stadt Ansbach hat man nach eigenen Angaben „keine Erkenntnisse zum aktuellen Planungsstand beim Freistaat Bayern“. Im Stadtgebiet stünden für den Fall der Verlagerung weiterer Senate „grundsätzlich ausreichende und geeignete Flächen bzw. Räumlichkeiten zur Verfügung“. Diese lösten jedoch „alle einen weiteren baulichen und damit finanziellen Mittelbedarf“ aus. Mit Blick auf „die haushalterische Situation der öffentlichen Hand“ habe man „aber Verständnis dafür, wenn aktuell noch keine weitere Verlagerung erfolgt“. Ansbach jedenfalls begrüße die Verlagerung weiterhin, sehe dem Projekt positiv entgegen.

Zur Wahrheit über Uslar gehört natürlich schon auch, dass er über den oberfränkischen Wald schreibt, „es ist schon sehr wenig, sehr, sehr wenig hier“. Er scheint auch recht viel anderswo zu sein, in Zürich, Berlin oder in München im „Schumann’s“ (wo übrigens auch dieser Text entsteht). Zugleich aber erweist sich Uslar als intensiver Leser der „Frankenpost“ sowie intimer Kenner der oberfränkischen Metzgerei- und Gasthoflandschaft. Allen Münchner Verwaltungsrichtern, denen beste fränkische Wurst- und Bierwaren nicht ausreichen, sei darüber hinaus gesagt, dass es – siehe Seite 59 – dort oben offenbar auch einen Media-Markt gibt. Umso mehr sollte das für Ansbach gelten.

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