#„Wir waren weit weg von unserem besten Spiel“

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Dieter Nickles stand symbolisch für den Zustand des FC Bayern, der in Mainz 1:3 verlor. Der Pressesprecher des deutschen Rekordmeisters bewegte sich an Krücken durch die Mixed Zone der Arena am Europakreisel – womit er aber schneller unterwegs war als etliche Münchner Profis, die mit versteinerten Mienen aus ihrer Kabine in Richtung Bus schlichen. Jamal Musiala just in jenem Moment, als Leandro Barreiro ihn im Gespräch mit den am FSV Mainz 05 interessierten Journalisten als „überragenden Spieler, der sich aus allen Situationen gut rauslösen kann“, hervorhob.

An diesem Tag aber war von den individuellen und mannschaftlichen Qualitäten der Bayern nichts mehr übrig geblieben. Zum dritten Mal hintereinander hatten sie ein Bundesligaspiel in Mainz verloren, das erste unter Hansi Flick, das zweite unter Julian Nagelsmann, das dritte unter Thomas Tuchel – das sich von den beiden vorherigen unter anderem dadurch unterschied, dass die Münchener in Führung gegangen, aber nicht in der Lage waren, diese ins Ziel zu bringen oder auszubauen.

Dabei hatten die 05er es ihnen lange Zeit nicht allzu schwer gemacht. „Ich fand uns sehr ängstlich, wir sahen eher aus wie eine verunsicherte Mannschaft“, kommentierte Bo Svensson die Leistung seiner Leute in der ersten Halbzeit. In den Anfangsminuten liefen sie noch früh an, attackierten die Bayern an deren Strafraum. „Wir haben auch später versucht zu attackieren, haben es aber nicht mehr geschafft“, sagte der Trainer.

Tuchel wirkt ratlos

Das hausgemachte Problem der Mainzer bestand im Wesentlichen aus zwei Komponenten: Zum einen verhielt sich die Abwehrkette zu ängstlich, „sie hat sich nicht getraut, nach vorne zu verteidigen“, monierte Svensson. Die Räume, die sich den Bayern dadurch öffneten, vermochten das defensive Mittelfeld nicht allein zu schließen – auch wenn dort in Leandro Barreiro der beste Mann des Spiels rannte, kämpfte und Bälle eroberte. Zum anderen gelang es den 05ern nicht, aus Ballgewinnen Kapital zu schlagen, eine Fülle potentieller Konterchancen versandete frühzeitig.

„Unsere Qualität mit Ball war nicht gut, deshalb hatten wir keine Entlastungsphasen“, hielt Svensson fest – in Zahlen ausgedrückt waren es lediglich 25 Prozent Ballbesitzanteil vor der Pause. „Und wenn du nur im Verteidigungsmodus bist, musst du froh sein, dass es nur 0:1 steht.“ Wohl wahr, die Bayern versäumten es, Sadio Manés Kopfballtor aus der 29. Minute zwei, drei weitere Treffer hinzuzufügen – „sonst hätten wir jetzt eine ganz andere Pressekonferenz“, sagte der ob des Zustands seines Teams ratlos wirkende Bayern-Trainer Thomas Tuchel.

Der Mainzer Leandro Barreiro jubelt nach dem 2:1.


Der Mainzer Leandro Barreiro jubelt nach dem 2:1.
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Bild: dpa

Trotzdem hätten weder er noch Svensson noch wahrscheinlich irgendjemand anderes im Stadion es bis Mitte der zweiten Halbzeit für möglich gehalten, wie sich das Spiel entwickeln sollte. „Wir waren einen Tick besser als vor der Pause, aber bis zum 1:1 waren wir die zweitbeste Mannschaft“, räumte der 05-Trainer ein. Dann köpfte Ludovic Ajorque den Ball in den Winkel, Barreiro legte nach Piken-Zuspiel das 2:1 nach, und Aarón setzte einen fulminanten Linksschuss in die lange Ecke. Binnen 14 Minuten hatten die Mainzer den Meister zerlegt.

„Das fühlt sich überragend an“, sagte Leandro Barreiro am Ende seines Interviewmarathons. „Ein Spiel zu drehen ist eine Sache, gegen die Bayern eine zweite. Die Art und Weise kommt heute noch hinzu.“ Obendrein war es die zehnte nicht verlorene Ligabegegnung nacheinander, hinter dem BVB sind die Mainzer die zweitbeste Rückrundenmannschaft. Und nach mehreren Wochen der Annäherung haben sie sich fürs Erste vor die Frankfurter Eintracht geschoben.

Nach drei freien Tagen dürfte Bo Svensson seinen Kickern dennoch eine sehr kritische Analyse präsentieren. „Heute hört es sich komisch an“, sagte er, „aber wir waren weit weg von unserem besten Spiel.“

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