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Aufgrund des Klimawandels werden Dürren häufiger und länger. Jetzt haben Forschende erstmals eine Prognose gewagt, welche Orte künftig von extremer Wasserknappheit betroffen sein werden, sogenannten „Day-Zero-Dürren“. Demnach werden bis zum Jahr 2100 fast drei Viertel aller heute schon dürregefährdeten Regionen unter akutem Wassermangel leiden. Erste Hotspots mit Wasserengpässen werden jedoch wahrscheinlich schon in den 2020er Jahren auftreten. Besonders gefährdet sind städtische Gebiete im Mittelmeerraum, im südlichen Afrika und in Teilen Nordamerikas.
Als „Day-Zero-Dürren“ werden Phasen extremen Wassermangels bezeichnet, in denen lokal mehr Wasser benötigt wird als verfügbar ist. Die städtische Wasserversorgung kann dann nicht mehr gewährleistet werden. Verursacht werden solche Ereignisse, wenn es anhaltend zu wenig regnet, zu viel verdunstet, aus Flüssen und Stauseen zu wenig Wasserreserven nachfließen und zugleich viel Wasser verbraucht wird. Bislang sind solche Dürren nicht eingetreten, die Metropolen Kapstadt und Chennai waren jedoch bereits sehr nahe dran.
Mit dem Klimawandel werden niederschlagsarme Trockenperioden und Dürren häufiger und dauern länger an, teils mehrere Jahre. Das erhöht das Risiko für „Day-Zero-Dürren“. Unklar ist jedoch bislang, wann und wo es genau zu einer solchen starken Wasserknappheit kommen wird. Das wiederum erschwert es den Menschen, ihre Wasserreserven einzuteilen und für Phasen der Wasserknappheit vorzusorgen.
Wasserknappheit betrifft insbesondere Städte
Jetzt haben Vecchia Ravinandrasana und Christian Franzke von der Universität Busan in Südkorea erstmals eine Prognose für künftige „Day-Zero-Dürren“ erstellt. Basierend auf einem großen Ensemble der neuesten Klimamodelle berechneten sie die Wahrscheinlichkeit für extreme Wasserknappheit auf lokaler Ebene bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. Ihre Annahme dabei: Die Menschheit wird entweder weiterhin hohe Emissionen freisetzen (SSP3-7.0) oder zumindest moderate Klimaschutzmaßnahmen ergreifen (SSP2-4.5). In beiden Fällen wird es jedoch nicht gelingen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau einzudämmen.
Die Auswertung ergab: Unter dem SSP3-7.0-Szenario werden bis zum Jahr 2100 weltweit 74 Prozent der heute schon dürregefährdeten Regionen einem hohen Risiko schwerer und anhaltender Dürren ausgesetzt sein und mindestens einmal einen „Tag Null“ erlebt haben. Unter dem SSP2-4.5-Szenario wären es 51 Prozent. Durch „Day-Zero-Dürren“ gefährdet wären bis zum Ende des Jahrhunderts weltweit bis zu 753 Millionen Menschen, darunter 467 Millionen in städtischen Gebieten und 286 Millionen in ländlichen Gebieten. Unter dem Wasserengpass würde demnach nicht nur die Landwirtschaft und Landbevölkerung leiden, sondern auch und vor allem die Stadtbevölkerung, wie die beiden Klimawissenschaftler berichten.

„Tag Null“ der Wasserversorgung kommt früher als gedacht
Manche Regionen könnte es auch schon viel früher treffen als gedacht: Je nach Klimaszenario könnten 22 oder gar 35 Prozent der dürregefährdeten Regionen bereits in diesem Jahrzehnt, zwischen 2020 und 2030, erstmals mit starker Wasserknappheit konfrontiert sein. Zu diesen Hotspots zählen Gebiete im Mittelmeerraum, im südlichen Afrika und in Teilen Nordamerikas. „Day-Zero-Dürren sind kein fernes Szenario mehr: Sie passieren bereits“, schließt Ravinandrasana.
Das gilt auch für Regionen mit derzeit noch großen Stauseen. „Nach unseren Berechnungen könnten bereits bei den ersten DZD-Ereignissen 14 Prozent der großen Wasserreservoire austrocknen, was schwerwiegende Auswirkungen auf die Lebensgrundlagen der Menschen hätte“, sagt Franzke. Darüber hinaus ergaben die Berechnungen, dass die Lücke zwischen aufeinanderfolgenden „Day-Zero-Dürren“ kürzer sein könnte als die Dauer der einzelnen Ereignisse. Die betroffenen Regionen hätten dann kaum Zeit, sich von der Wasserknappheit zu erholen und Wasserspeicher wieder zu füllen, was die Lage auf Dauer zusätzlich verschärft.
Pläne zum Wassersparen auch für Mitteleuropa nötig
„Unsere Studie zeigt, dass die globale Erwärmung weltweit Day-Zero-Dürren verursacht und beschleunigt. Selbst wenn wir das 1,5-Grad-Ziel erreichen, werden Hunderte von Millionen Menschen immer noch mit einer beispiellosen Wasserknappheit konfrontiert sein“, sagt Ravinandrasana. Zwar haben sie und Franzke die Rolle des Grundwassers und von Gletschern als Puffer bei Dürren nicht in den Prognosen berücksichtigt. Daher könnte die reale Wasserentwicklung im Einzelfall etwas anders verlaufen als in dem Modell basierend auf dem Oberflächenwasser berechnet.
Dennoch zeigen die Ergebnisse nach Ansicht der Forschenden insgesamt, dass die Menschen dringend und proaktiv Strategien zum Wassermanagement entwickeln müssen, um sich vor kommenden „Day-Zero-Dürren“ zu wappnen. Bei drohenden Engpässen könnten beispielsweise regionale Grenzwerte für den Wasserverbrauch und andere strikte Maßnahmen zum Wassersparen festgelegt werden. „Solche Entscheidungsmodelle für Anpassungen brauchen wir vor allem für Mitteleuropa. Andere Regionen sind zwar trockener, aber wir haben uns an eine hohe Wasserverfügbarkeit angepasst und sind daher oft empfindlicher für zukünftige Dürren“, kommentiert der Experte für Wassersysteme Thorsten Wagener von der Universität Potsdam.
Quelle: Vecchia Ravinandrasana und Christian Franzke (Universität Busan); Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-025-63784-6
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