#Wo wohnen die reichsten Senioren in Deutschland?

Wo wohnen die reichsten Senioren in Deutschland?

Der Starnberger See scheint eine besondere Anziehungskraft auf vermögende Senioren auszuüben. Wasser, Berge, dazu noch die Nähe der Kulturmetropole München: Das alles scheint den Landkreis Starnberg zu einem bevorzugten Wohnsitz von Menschen im fortgeschrittenen Alter mit nicht zu wenig Geld zu machen. Das jedenfalls geht aus einer umfangreichen Erhebung hervor, die am Mittwoch vom Immobilien-Institut Empirica und dem Unternehmen Deutsche Teilkauf vorgestellt wurde. Für den Vergleich wurden für alle deutschen Landkreise und kreisfreien Städten unterschiedliche Daten und Schätzungen über das Vermögen von Senioren ausgewertet. Hinsichtlich des durchschnittlichen gesamten Netto-Haushaltsvermögens der über 60-jährigen einschließlich Immobilien landete Starnberg mit 785.000 Euro auf dem ersten Platz.

Hochtaunuskreis auf Platz zehn

Es folgten acht weitere Landkreise aus Bayern. Auf Platz zehn liegt der Hochtaunuskreis in Hessen mit Städten wie Kronberg und Königstein. Schon der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch pflegte gern zu sagen, das Rhein-Main-Gebiet habe es bisweilen etwas schwer, mit München zu konkurrieren – wenn dann der Langener Waldsee gegen den Starnberger See antreten müsse.

Insgesamt gebe es ein West-Ost-Gefälle, zudem wohnten im Umland der Großstädte mehr reiche Senioren als in den Stadtkernen selbst, sagte Reiner Braun, Vorstand von Empirica. Die Verteilung der älteren Wohlhabenden über Deutschland entspreche nicht eins zu eins der regionalen Einkommensverteilung. Zwar gebe es im Umfeld der Großstädte mit guten Verdienstmöglichkeiten oftmals auch überdurchschnittlich viele reiche Senioren. Es gebe aber auch einige Regionen, in die Menschen bewusst gegen Ende des Erwerbslebens oder im Ruhestand hinzögen.

„Neben dem Voralpenland gehört auch der Bodensee dazu“, sagte Braun. „Da zieht es ähnlich viele hin.“ Auch Ostsee- und Nordsee seien beliebt, obwohl das in den Zahlen zu den Landkreisen wegen deren Größe nicht immer so genau zu sehen sei. Auch das traditionsreiche Baden-Baden mit viel altem Geld sei bei „Best Agern“ beliebt. Im Osten hätten etwa auch Weimar und sein Umland Anziehungskraft. Nicht berücksichtigt wurden hingegen reiche Senioren aus Deutschland, die nach Mallorca übergesiedelt sind. Ganz am Ende der Liste mit Städten und Kreisen, in denen reiche Senioren wohnen, stehen ostdeutsche Städte wie Frankfurt an der Oder.

Immobilien spielen eine wichtige Rolle

Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass die Immobilien und ihr Wert eine wichtige Rolle für das Gesamtvermögen der Senioren in den verschiedenen Regionen spielten. Berücksichtigt wurden zwar auch andere Vermögensbestandteile, so gut sich Daten und Schätzungen dazu fanden. In der Regel aber seien die Senioren mit hohem Immobilienvermögen auch diejenigen gewesen, die insgesamt am meisten besitzen. Mieter mit sehr hohen Geldvermögen seien eher selten gewesen. Die Wohneigentumsquote in Deutschland insgesamt, also der Anteil der Menschen, die im eigenen Haus leben, liege bei etwa 44 Prozent, sagte Braun. Unter den Senioren sei dieser Anteil aber höher, er liege bei etwa 51 Prozent. Dabei gebe es aber Unterschiede je nach Alter und Region. Bei Senioren über 80 Jahren sei die Wohneigentumsquote niedriger. Und auch in Ostdeutschland sei sie aus historischen Gründen nicht so hoch.

Unterschiede je nach Region gebe es auch in der Frage, ob Immobilienbesitzer eher eine Wohnung oder ein Haus hätten. Auch das spiele für das Gesamtvermögen eine Rolle. In den Städten sei es oft eher eine Wohnung als ein Haus. Sehr hohe Anteile von Senioren mit eigenem Einfamilienhaus, zum Teil sogar fast 90 Prozent, gebe es beispielsweise in einigen norddeutschen Regionen, etwa in Aurich, im Landkreis Emsland oder in den Kreisen Cloppenburg und Vechta. Hohe Geldvermögen dagegen finde man oftmals eher in Süddeutschland, berichtete Braun. Insgesamt stünden am Ende die Senioren in Oberbayern, dem Rhein-Main-Gebiet, dem Neckartal und zum Teil auch im Rheintal besonders gut dar.

Umland von München beliebt

Als „reichste Seniorenregion Deutschlands“ hebt die Studie das Münchener Umland nochmal besonders hervor. Die Landkreise Starnberg (785.000 Euro), Miesbach (645.000 Euro), München (616.000 Euro), Ebersberg (535.000 Euro) und Bad-Tölz Wolfratshausen (507.000 Euro) wiesen mit Abstand die höchsten Gesamtvermögen auf. Die reichsten Landkreise Ostdeutschlands seien Potsdam-Mittelmark (146.000 Euro), Weimarer Land (135.000 Euro) und der Landkreis Leipzig (132.000 Euro).

Keineswegs alle Senioren seien aber natürlich reich, sagte Marian Kirchhoff von der Deutschen Teilkauf. Das Unternehmen ist unter anderem darauf spezialisiert, Senioren einen Teil ihres Hauses abzukaufen, wenn es denen an flüssigen Mitteln fehlt; das sei eine Alternative zu Leibrenten oder Hypotheken.

Im Durchschnitt kämen Deutschlands Senioren auf ein Vermögen einschließlich Immobilien von 211.000 Euro. Diese Vermögen seien aber sehr ungleich verteilt. 58 Prozent der Senioren hätten zudem kein auskömmliches Einkommen; hier hat das Unternehmen ein Einkommen von 1600 Euro pro Kopf veranschlagt. Die Besitzer von Immobilien unter den Senioren hätten häufig Schwierigkeiten, die Kosten für größere Reparaturarbeiten am Haus beispielsweise am Dach zu finanzieren. Kirchhoff meinte: „Viele der Senioren sind auf dem Papier zwar reich – aber ihr ganzes Geld steckt im Haus.“

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