Wohl mehr als 300 Tote nach der Flut in Texas

Wohl mehr als 300 Tote nach der Flut in Texas

Aus dem Rettungseinsatz am Fluss Guadalupe in Texas ist eine Bergungsmission geworden. Wie die Einsatzkräfte am Mittwoch, sechs Tage nach einer der verheerendsten Sturzfluten in der ­jüngeren amerikanischen Geschichte, mitteilten, besteht kaum noch Hoffnung, einige der mindestens 170 Vermissten lebend zu finden. „In den ersten 72 Stunden waren wir im Katas­tro­phen­gebiet, um Leben zu retten. Unglücklicherweise geht es inzwischen um Bergung“, sagte Rajeev ­Fernando, der Chef der Hilfsorganisation Heal Corp, dem Sender NBC.

Am vergangenen Freitag, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, war der Guadalupe nach ungewöhnlich starken Regenfällen innerhalb von 45 Minuten auf fast acht Meter angeschwollen. Am frühen Morgen riss das Wasser Wohnmobile und Zelte mit, drang in Häuser ein und flutete mehrere Ferienlager. Im Camp Mystic im Bezirk Kerr, einer fast 100 Jahre alten christlichen Einrichtung, kamen mindestens 27 Mädchen und Betreuer ums Leben. Bis Donnerstag meldeten die Behörden 120 Todesopfer, fast 90 von ihnen im Bezirk Kerr. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. kündigte jetzt an, für die Überschwemmungsgebiete einen Notfall der öffentlichen Gesundheit zu erklären, um auch Ärzte und Psychologen aus anderen Bundesstaaten in das Texas Hill Country schicken zu können.

Gefallene Bäume und Unrat nahe dem Guadalupe in Texas
Gefallene Bäume und Unrat nahe dem Guadalupe in TexasReuters

Nach Vorwürfen, die Verwaltung des Bezirks Kerr habe nicht rechtzeitig gewarnt, verwiesen Meteorologen nun auf die Kombination von Wetterphänomenen und Timing. Die Reste eines Tropensturms, der von Mexiko nach Norden gezogen sei, habe die Atmosphäre ungewöhnlich feucht werden lassen. Da Kerr im Vergleich zu benachbarten Bezirken wie Kendall und Comal eher hügelig ist, sei die feuchte Luft nach oben gedrückt worden und habe riesige Wolken gebildet.

Der Nationale Wetterdienst (NWS) registrierte in der Nacht zum 4. Juli in einigen Regionen am Guadalupe bis zu 25 Zentimeter Regen innerhalb weniger Stunden – etwa die Menge, die in durchschnittlichen Jahren in vier Monaten fällt. Der Regen ließ kleinere Flüsse anschwellen, die wiederum den Guadalupe fluteten. Der Fluss war zudem dramatisch angeschwollen, als die meisten Bewohner und Besucher schon im Bett lagen. Die erste Flutwarnung hatten die Behörden des Bezirks Kerr nach bisherigen Untersuchungen gegen ein Uhr heraus­gegeben. Auch der NWS wehrt sich gegen Vorwürfe der verspäteten Warnung. „Die Vorhersage war gut. Die Warnungen waren gut. Die Frage ist aber immer, wie sie die Menschen erreichen“, sagte der Meteorologe Chris Vagasky dem Sender NBC.

Präsident Donald Trump kündigte derweil an, das Katastrophengebiet an diesem Freitag zu besuchen. „Wir werden mit dem Gouverneur und den Menschen in Texas zusammenarbeiten“, sagte der Republikaner, der schon die nationale Katastrophenhilfe in den Lone Star State geschickt hatte.

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