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Bisher landen noch immer viele recycelbare Wertstoffe im Restmüll. Woran das liegt und wie man dies ändern könnte, haben Forscherinnen bei Stuttgarter Haushalten untersucht. Der Feldversuch ergab: Wenn Müll in der falschen Tonne landet, liegt dies oft an mangelnder Motivation. Klärt man die Menschen darüber auf, wozu das Ganze dient und welche konkreten Vorteile es für die Umwelt bringt, klappt es auch besser mit der Mülltrennung. Im Feldversuch verringerte sich durch solche Infos die Fehlerquote um 70 Prozent.
Ob Plastik, Metalle oder Elektroschrott: Jedes Jahr entstehen laut UN-Umweltprogramm UNEP mehr als zwei Milliarden Tonnen Müll weltweit – Tendenz steigend. Die Menschheit setzt inzwischen sogar so viele synthetische Substanzen frei, dass dies die Stabilität des Erdsystems gefährdet – die planetare Belastungsgrenze ist überschritten, wie eine Studie im Jahr 2022 ermittelte. „Die Abfallsysteme haben jetzt schon mit Ineffizienz, begrenzten Kapazitäten und Umweltschäden zu kämpfen“, erklären Eva Pawelczyk und ihre Kolleginnen von der Universität Hohenheim. „Ohne schnelles Handeln werden sich diese Probleme weiter intensivieren.“
Umso wichtiger ist es, unsere Abfallprodukte so gut und vollständig wie möglich zu recyclen. Eine Schlüsselrolle dafür spielen die Haushaltsabfälle. Allein Deutschland fallen rund 450 Kilogramm Müll pro Jahr und Haushalt an. Um diese Abfälle besser recyceln zu können, gibt es bei uns die Mülltrennung: organische Abfälle, Glas, Papier und Verpackungen werden jeweils getrennt gesammelt und entsorgt – eigentlich. In der Praxis landet aber ein großer Teil des Mülls dort, wo er nicht hingehört. Beim Biomüll sind es Schätzungen zufolge rund 40 Prozent der Abfälle, die statt in der braunen Tonne im Restmüll landen. Aber auch Plastik, Glas und andere Wertstoffe werden oft falsch entsorgt.
Gut 100 Haushalte im Mülltest
Das Problem: Die oft belächelte Mülltrennung kann nur dann gut funktionieren und die Umwelt entlasten, wenn die Wertstoffe auch in der richtigen Tonne landen. Aber warum passiert das so oft nicht? Das haben nun Pawelczyk und ihre Kolleginnen genauer untersucht. Dafür begleiteten die Forscherinnen 102 Stuttgarter Haushalte zweimal jeweils eine Woche lang in einem Feldexperiment. Alle Teilnehmenden sammelten ihre Abfälle in drei getrennten Kategorien: Restmüll, Bioabfall und Plastik. Nach jeder Müllabfuhr analysierten die Forschenden diese Abfälle im Labor und erfassten dabei systematisch falsch getrennten Müll.
Die Hälfte der Testhaushalte erhielt nach einer Woche einen Informationsflyer. Diese Broschüre enthielt aber keine der gängigen Anleitungen zur Mülltrennung. Stattdessen erklärte sie in einfachen Bildern und Texten, warum Abfalltrennung wichtig ist: Beispielsweise, weil das Recycling von Plastikprodukten Energie spart und den CO2-Ausstoß reduziert. Oder dass korrekt getrennte Bioabfälle zu wertvollem Kompost werden, der den Boden nährt und zur Reduzierung von Treibhausgasen beiträgt.
Rückgang falsch entsorgter Abfälle um 70 Prozent
Es zeigte sich: „Im ersten Erhebungszeitraum haben wir insgesamt 3.791 Sortierfehler dokumentiert“, berichtet Pawelczyk. „Besonders häufig traten Fehlwürfe im Restmüll auf. Das zeigt, dass selbst in Regionen mit gut funktionierenden Recyclingstrukturen in vielen Haushalten Probleme mit der korrekten Mülltrennung gibt.“ Anders als landläufig angenommen gab es dabei keine signifikanten Unterschiede zwischen Haushalten in wohlhabenderen Gegenden oder in Stadtvierteln mit einkommensschwächerer Bevölkerung. „Das sozioökonomische Umfeld ist demnach nicht ausschlaggebend für fehlerhafte Mülltrennung“, schreibt das Team.
Wie sich die Fehlerquote senken lässt, demonstrierten die Ergebnisse der zweiten Woche – der Zeit nach der der Flyer verteilt worden war. Bei den Haushalten ohne diese Informationsbroschüre hatte sich die Zahl der falsch getrennten Abfälle kaum verändert. Bei den Haushalten, die einen Informationsflyer erhielten, sank die Fehlerquote dagegen deutlich: von durchschnittlich 45,5 auf 13,8 falsch entsorgte Abfallteile pro Haushalt. „Das ist ein Rückgang von rund 70 Prozent“, sagt Pawelczyk. „Unsere Ergebnisse zeigen damit, dass bereits einfache und kostengünstige Informationsmaßnahmen einen spürbaren Unterschied machen können. Schlüssel für eine bessere Mülltrennung ist, der Bevölkerung die direkten Vorteile für Gesellschaft und Umwelt vor Augen zu führen.“
Quelle: Universität Hohenheim; Fachartikel: Journal of Environmental Management, doi: 10.1016/j.jenvman.2026.129111
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