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Erst die größte Kogge der Welt, jetzt ein Kriegsschiff aus der Seeschlacht zwischen dem britischen Admiral Nelson und der dänischen Flotte im Jahr 1801: Bei Ausgrabungsarbeiten vor Kopenhagen haben Archäologen das Wrack des 1801 gesunkenen Kriegsschiffs „Dannebroge“ entdeckt. Dieses diente als Flaggschiff bei der Verteidigung Kopenhagens, wurde aber in der Schlacht getroffen und sank. 19 Mann Besatzung blieben vermisst. Erste Relikte dieser Toten haben die Archäologen nun gefunden.
In der Zeit um 1800 bekämpften sich zwei Machtblöcke im Zweiten Koalitionskrieg: Auf der einen Seite standen Großbritannien und seine Verbündeten, darunter das Habsburgerreich und zunächst auch Russland. Auf der anderen Seite standen Spanien und die Französische Republik unter ihrem General Napoleon Bonaparte. Als sich auch Dänemark, Norwegen und Russland dieser antibritischen Koalition anzuschließen drohten, beschlossen die Briten einen Präventivschlag: eine Flotte aus zwölf Linienschiffen, sechs Fregatten und weitere Schiffen der Royal Navy unter dem Befehl von Admiral Horatio Nelson nahm Kurs auf den Skagerrak und die Ostsee. Am 23. März 1801 ankerte die britische Flotte zunächst am Eingang des Øresunds.

Die Schlacht um Kopenhagen
Nachdem letzte Verhandlungen scheiterten, ging Lord Nelsons Flotte in einem flachen Meeresarm direkt vor Kopenhagen, dem Königstief, in Stellung. Die dänische Flotte hatte in dieser Zeit bereits eine Verteidigungslinie aus miteinander verbundenen, verankerten Blockadeschiffen aufgebaut: Alten Kriegsschiffen, deren Takelage und Masten teilweise entfernt wurden und die zu schwimmenden Festungen umgerüstet worden waren. Im Zentrum dieser Linie lag das Flaggschiff der dänischen Verteidiger unter ihrem Befehlshaber Olfert Fischer: die Dannebroge. Dieses 48 Meter lange, mit 60 Kanonen bestückte ehemalige Linienschiff war 1774 in den Dienst der dänischen Marine gestellt und nun ebenfalls zu einer schwimmenden Batterie umgerüstet worden.
Am Morgen des 2. April 1801 stehen sich die beiden Linien von Kriegsschiffen gegenüber. Die britische Übermacht ist mit insgesamt 1270 Kanonen ausgerüstet, die dänischen Verteidiger und ihre in aller Eile zusammengestellten Blockadeschiffe mit insgesamt 833 Kanonen. Mit den ersten Kanonenschüssen bricht ein Inferno aus, die nur wenige hundert Meter auseinander liegenden Schiffe feuern eine Breitseite nach der anderen auf ihre Gegenüber. Das Flaggschiff der Dänen, die Dannebroge, wird dabei von gleich zwei britischen Linienschiffen ins Visier genommen. Gegen 16:00 Uhr am Nachmittag des 2. April fängt die Dannebroge Feuer, explodiert kurz darauf und sinkt. Von den 357 Mann Besatzung werden 48 verwundet, 53 sterben und 19 bleiben bis heute vermisst.
Das Wrack der Dannebroge
Jetzt haben Archäologen unter Leitung von Otto Uldum vom dänischen Wikingerschiffsmuseum das Wrack der Dannebroge gefunden. Es liegt in 15 Meter Wassertiefe am Grund des schlammigen Königstiefs. Wegen der schlechten Sichtverhältnisse musste das Team den Schlick Meter für Meter untersuchen, bevor sie die Überreste des Kriegsschiffs fanden. „Wir haben keine Zweifel, dass dies die Überreste eines großen Kriegsschiffs sind. Die Maße der Planken entsprechen exakt denen der Dannebroge und die dendrologischen Datierungen passen zum Bau des Schiffes im Jahr 1772“, berichtet Uldum. „Daher können wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass wir hier die Überreste der explodierten Dannebroge gefunden haben.“

Die Unterwasserarchäologen haben das Schiffswrack bereits kartiert und einzelne Funde an die Oberfläche gebracht, darunter Kanonenkugeln, Ballast und zahlreiche Alltagsobjekte der Seeleute und Freiwilligen, die damals bei der Verteidigung Kopenhagens halfen. „Wir haben persönliche Gegenstände gefunden: Schuhe, Kleidungsreste und verschiedenen kleine Objekte, die die Seeleute damals mit sich trugen – Tonpfeifen, Uniformabzeichen und Waffen“, berichtet Uldum. Diese Funde seien ein wertvolles Zeugnis der einfachen Soldaten und Seeleute, die in dieser Schlacht kämpften. Denn in Museumssammlungen finde man weit häufiger Gegenstände von Offizieren und anderen hochrangigen Personen. „Aber was wir finden, ist, zumindest sozial gesehen, weit repräsentativer für die Mehrheit der Seeleute“, so Uldum.
Erste sterbliche Überreste der vermissten Seeleute
Wie die Archäologen betonen, ist dies das erste Mal, dass handfeste Zeugnisse der berühmten Schlacht um Kopenhagen zutage gefördert werden und untersucht werden können. „Obwohl diese Seeschlacht ein zentrales Ereignis der dänischen Geschichte war, hat es bisher niemand archäologisch erforscht“, so Uldum. Das mache den Wrackfund so besonders. Unter den Funden aus der Dannebrog ist auch ein erster Überrest eines der 19 nach der Schlacht als vermisst gemeldeten Seeleute. „Wir haben einen unzweifelhaft menschlichen Unterkiefer gefunden sowie mehrere weitere Knochen, darunter Rippen“, berichtet Uldum. „Noch sind wir lange nicht damit fertig, das Material aus dem Wrack zu sichten und zu analysieren, aber wir werden alles hinaufbringen.“
Quelle: Vikingeskibs Museet Roskilde
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