Nach dem Angriff auf den Berliner Christopher Street Day fragt eine zweiteilige Dokumentation nach Ursachen des Hasses und zeigt queeres Leben in Deutschland.
Der Angriff auf den Berliner Christopher Street Day am 25. Juli 2026 bildet den aktuellen Ausgangspunkt für die neue ZDF-Dokumentation «Feindbild Queer». In zwei Teilen beschäftigen sich die Filmautoren Manuel Gogos, Timm Giesbers und Susanne Gerecke mit der Frage, wie sicher queere Menschen heute in Deutschland leben können. Beide Filme stehen ab Montag, 21. September, um 05.00 Uhr im Streamingangebot des ZDF bereit. ZDFinfo zeigt sie am Montag, 28. September, ab 20.15 Uhr.
Der erste Teil trägt den Titel Kampf für die Vielfalt und richtet den Blick auf den Alltag queerer Menschen. Dabei geht es um Sichtbarkeit, gesellschaftliche Akzeptanz und den Umgang mit Anfeindungen. Zu Wort kommt unter anderem Handball-Bundesligaspieler Lucas Krzikalla, der sich 2022 als erster aktiver deutscher Profisportler öffentlich als homosexuell outete. Ebenfalls begleitet wird die Berliner Drag Queen Barbie Breakout.
Darüber hinaus porträtiert die Dokumentation unterschiedliche Lebensentwürfe. Stephan und Mathias sind durch eine Leihmutterschaft Eltern geworden, während die Pastorinnen Steffi und Ellen Radtke über ihr Leben als lesbisches Paar sprechen. Mit Tugay Saraç kommt außerdem ein queerer Muslim zu Wort, der nach eigenen Angaben als Jugendlicher Islamist war. Heute besucht er Schulen und bietet Workshops an, in denen er sich mit Queerness und Islam auseinandersetzt.
Im zweiten Film Woher kommt der Hass? verschiebt sich der Schwerpunkt auf die Ursachen der Queerfeindlichkeit. Die Dokumentation untersucht unter anderem den Einfluss religiöser Milieus und rechtsextremer Strömungen sowie die Rolle sozialer Medien. Gleichzeitig geht es um gesellschaftliche Auseinandersetzungen über Identität und Geschlechterrollen und die Frage, warum diese zunehmend aggressiv geführt werden.
Passend zum Thema steht inzwischen auch die komplette britische Miniserie «Tip Toe» bei HBO Max zur Verfügung. Der von «Queer as Folk»- und «Its a Sin»-Schöpfer Russell T Davies geschriebene Fünfteiler verhandelt Queerfeindlichkeit in fiktionaler Form und kehrt dafür nach Manchester zurück. Im Mittelpunkt stehen der schwule Barbesitzer Leo (Alan Cumming) und sein langjähriger Nachbar Clive (David Morrissey). Aus zunächst alltäglichen Spannungen entwickelt sich ein immer radikalerer Konflikt, in dem Worte zu Waffen werden und Vorurteile schließlich in Gewalt umschlagen. Damit greift «Tip Toe» viele jener gesellschaftlichen Entwicklungen auf, denen «Feindbild Queer» dokumentarisch nachgeht und zeigt, wie sich ein zunehmend feindseliges Klima unmittelbar auf das Leben queerer Menschen auswirken kann.
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