
Die Natur ist unveränderlich. Die Anzahl der Spezies ist auf etwa 23.000 begrenzt. Offen ist nur, wie man sie am besten ordnet. So oder so ähnlich muss der 1707 in Schweden geborene Botaniker Carl von Linné gedacht haben, als er sich daransetzte, die gewünschte Ordnung künstlich zu erschaffen. Ihm verdanken wir die binäre Nomenklatur zur Benennung von Tier- und Pflanzenarten sowie die Begriffe Reich, Klasse, Ordnung, Gattung und Art. Aber auch die längst überholte Einteilung der Menschen in unterschiedliche Rassen.
Schon zu Lebzeiten stießen seine Ideen auf Widerstand, insbesondere beim französischen Universalgelehrten Georges-Louis de Buffon, der ebenfalls 1707 geboren wurde und seiner Zeit weit voraus war. De Buffon war davon überzeugt, dass sich Arten über einen langen Zeitraum hinweg entwickelt haben. Er stellte eine vordarwinistische Theorie der Evolution auf. Stets achtete er darauf, nicht als Ketzer abgestempelt zu werden. Eine Ordnung, die der Natur künstlich aufgezwungen wurde, lehnte er ab. Stattdessen strebte er zeitlebens eine natürliche Klassifizierung an.
Der Journalist Jason Roberts zeigt auf unterhaltsame und lehrreiche Weise die parallelen Leben und Ideen dieser beiden einflussreichen Persönlichkeiten, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Ein fesselndes Buch, das die Leser in die Welt der Naturforschung im 18. Jahrhundert entführt und zum Nachdenken über die Ordnung und Entwicklung des Lebens anregt. Eszter Bolla
Jason Roberts
Die Entdeckung allen Lebens
Carl von Linné, Georges-Louis de Buffon und der abenteuerliche Wettstreit zur Erforschung der Natur im 18. Jahrhundert
Heyne, 448 Seiten, € 26,–
ISBN 978-3-453-21857-4
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