Zeugnistag: VOX verwaltet seinen Erfolg

Zeugnistag: VOX verwaltet seinen Erfolg

Bewährte Marken wie «Das perfekte Dinner», «First Dates» oder «Kitchen Impossible» sorgen weiterhin für solide Quoten. Doch abseits der etablierten Formate fehlt VOX seit Jahren der Mut zu neuen Erfolgen. Der Sender setzt zunehmend auf Verwaltung statt Weiterentwicklung.

Der Fernsehsender VOX ist immer noch die kleinere Schwester von RTL. Maßgeblich haben die spätere RTL-Chefin Anke Schäferkordt und Bernd Reichart die Geschicke des Senders geprägt. Seit über sieben Jahren versuchen sich Kreative ebenso wie BWLer wie Sascha Schwingel als Manager des Unternehmens. Für die Unterhaltungssparte des Senders ist Markus Küttner verantwortlich, der wieder für mehr Kontinuität sorgen soll.

Bei VOX gehören zwei Formate längst zum alten Eisen: «Das perfekte Dinner» und «First Dates – Ein Tisch für Zwei». Das Kennenlern-Format mit Roland Trettl stand vor einem Jahr kurz vor dem Aus, weil die VOX-Mutterfirma RTL sparen wollte – außerdem ist der Episodenvorlauf bei der täglichen Show gigantisch. Die Empörung in der Presse war groß, schließlich hätte Sat.1 die Sendung wohl sofort übernommen. Zusammen mit dem «Dinner» liefert «First Dates – Ein Tisch für Zwei» respektable Zuschauerzahlen beim Gesamtpublikum, wenngleich die Reichweite bei den unter 50-Jährigen geschrumpft ist. Ein kleines Sorgenkind ist inzwischen «Shopping Queen», dessen Zuschauerinnen der Sendung schlicht entwachsen sind. Der Sender sollte die Show um zwei Stunden nach hinten legen, um berufstätige Frauen besser zu erreichen.

Zu den erfolgreichsten Formaten am Montag gehört weiterhin «Die Höhle der Löwen». Doch in all den Jahren haben die VOX-Programmmacher kein passendes Lead-out finden können. Inzwischen haben sie aufgegeben und setzen stattdessen auf längere Episoden der Show. Der Löwen-Investorenklub lief zwar immer noch erfolgreich, aber die Rückkehr von Frank Thelen hat der Show bessere Quoten beschert. Viele der Löwen bringen inzwischen keine Schärfe mehr in die Verkaufsshow, sodass selbst fragwürdige Produkte noch in den Himmel gelobt werden.

Mit «Lege kommt auf den Geschmack» wurde die ZDF-«besseresser»-Show erfolgreich kopiert, allerdings sind die Einschaltquoten weiterhin ausbaufähig. Mit Sebastian Lege erhofft man sich große Primetime-Shows, vielleicht wird es besser, wenn die Konkurrenz beim öffentlich-rechtlichen Sender verschwunden ist. Enttäuschend laufen zum Teil Episoden von «Goodbye Deutschland! Die Auswanderer» und «First Dates Hotel». Die Kennenlern-Show verfehlte im Frühjahr die Marke von einer halben Million Zuschauern, die Auswanderer haben zuletzt kein prominentes Gesicht mehr hervorgebracht. Die Quoten sind mau.

Das groß angelegte Experiment «Mälzers Meisterklasse» lief enttäuschend. Nur zwischen 0,51 und 0,74 Millionen Menschen sahen wöchentlich die Show, da lief der dreiwöchige Ausflug von «Die Welpen kommen» mit Martin Rütter schon besser. Die Sendung erreichte fast eine Million Menschen und ist bei VOX gut aufgehoben. Während die Schlagzahl von «Hot oder Schrott – Die Allestester» bei Neuheiten stark zurückgefahren wurde, hat VOX das Geld in «Sing meinen Song – Das Tauschkonzert» gesteckt. Wobei nicht alle Teilnehmer wirklich funktionieren und die Ausgaben mit Tream und Deine Cousine am Ende die Millionenmarke ebenfalls nicht übertrafen. Das Spin-off «Sing meinen Schlager» lief unter Senderschnitt und wird hoffentlich nicht so ambitionslos fortgesetzt.

Einen guten Erfolg hatte VOX mit den vier «Stern TV – Reportage»-Ausgaben im Oktober 2025. Sowohl «Doc» als auch die dritte «CSI: Vegas»-Staffel liefen am Mittwochabend sehr schlecht, wobei das Ausgangsmaterial schon in den Vereinigten Staaten nicht überzeugen konnte. Weiterhin gut schneiden die Formate von «Doc Caro» und die etwas günstigeren «Feuer, Wasser, Erde, Luft – Retter in ihrem Element»-Folgen ab. Das Format ist vergleichsweise preiswert herzustellen, weshalb eine Absetzung wohl nicht gefährdet ist.

Ob «Daniela Katzenberger» noch mehr als eine Staffel bei VOX zu sehen sein wird, ist fraglich. Die Dezember-Folgen waren inhaltlich doch recht schwach und das zeigten auch die Quoten. Das Langzeitprojekt ist bereits gefilmt, eine Fortsetzung für den Herbst 2027 noch offen. Inzwischen hat sich VOX am Freitag von «Volle Kraft voraus» und «Wo die Liebe hinfällt – Jedes Paar ist anders» verabschiedet, der Sender setzt nur noch auf einen Mix aus frischen und älteren «Goodbye Deutschland! Die Auswanderer»-Folgen.

Der Sonntag ist mit alten wie auch neuen Geschichten von «Kitchen Impossible» und «Grill den Henssler» besetzt. Zwischendurch bekam Steffen Henssler auch andere Shows, die im Grunde aber nach dem gleichen Prinzip funktionieren. Der Sonntag zeigt recht gut, wie der Sender gemanagt wird: Er wird verwaltet. Beim Gesamtpublikum wurde der Marktanteil mit 4,3 Prozent gehalten, innerhalb von zwei Jahren musste man sich aber von 0,2 Prozentpunkten verabschieden. Bei den 14- bis 49-Jährigen verbesserte sich der Sender um 0,2 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent. Allerdings darf man nicht vergessen, dass VOX vor drei Jahren noch bei knapp sieben Prozent lag.

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