Zum Tod des „Starparade“-Moderators Rainer Holbe

Zum Tod des „Starparade“-Moderators Rainer Holbe

Wer ihn zuletzt besuchte, der traf einen Mann, der mit sich im Reinen war. Rainer Holbe, 1940 im böhmischen Komotau geboren und mit seiner Familie als Kind nach Hessen vertrieben, blickte von seiner hoch gelegenen Wohnung mit schönem Frankfurt-Blick auf ein Leben als Medienmacher zurück, das sich ähnlich breit aufgefächert hatte wie das Panorama der Stadt vor seinem Alterssitz. Von der Schülerzeitung „Blitzlicht“ („der mein ganzes Herz gehörte“) zum Redakteur der „Frankfurter Rundschau“ im Alter von nur zwanzig Jahren und dann neben einer Beschäftigung als Bürochef des Burda-Konzerns zum Fernsehmoderator, dessen „Starparade“ eine der populärsten Sendungen des ZDF in den Siebziger­jahren war.

Aber die wirklich wichtige Rolle spielte er bei RTL. Im Hörfunkprogramm von Radio Luxemburg war Holbe von 1973 an zu hören, und als in der ersten Legislaturperiode der Regierung Kohl die Ära des Privatfernsehens anbrach, wurde Holbe zu einem ihrer prägenden Gesichter: im Frühstücksfernsehen (damals noch nur auf RTL zu finden), in Talkshows und vor allem als Macher der Magazinsendung „Unglaubliche Geschichten“, in denen Paranormales vorgestellt wurde. Das normale Publikum reagierte begeistert.

Ein Erinnerungsschatz, wie ihn kaum noch jemand besitzt

In den Neunzigern indes kam Holbe über seine Geisterstimmen ins Gerede, denn beim Wechsel seiner „Unglaub­lichen Geschichten“ zu Sat.1 wurde eine der begleitenden Buchveröffentlichungen als antisemitisch diskreditiert. Holbe wollte jedoch nur zitiert haben, was andere von Geistern gehört und dann ihm erzählt hatten – sehr geistvoll war es nicht. Inwieweit aber die Vorwürfe auch Ausdruck beruflicher Rivalität waren, wird wohl nicht mehr zu klären sein. Holbe legte den Schwerpunkt seines umfangreichen publizistischen Werks fortan vor allem aufs Familienglück: „Wir neuen Großväter – Der schönste Job der Welt“ hieß eines davon.

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Wenn Holbe erzählte, war es indes immer noch das Medienmetier, das die besten Anekdoten bereithielt: über Karl Gerold, den legendären Chefredakteur der „Rundschau“, der den jungen Volontär Holbe unter seinem Namen auf eine von der amerikanischen Regierung gesponserte wochenlange Pressereise durch die Vereinigten Staaten schickte, bei der dieser die Größten des damaligen Showgewerbes kennenlernte, über das Zusammenspiel von Hubert Burda und Helmut Markwort (der Holbe bei dessen Weggang zu RTL als „Verräter“ titulierte), über seinen (zwei Jahre jüngeren!) Mentor Frank Elstner natürlich, der ihn nach ­Luxemburg gelotst hatte, bis zum Sendeauftakt des Fernsehsenders RTL am 2. Januar 1984, den Holbe damit bestritt, dass er für die Kamera einen Frauenarzt mimte, der gerade ein Kind auf die Welt gebracht hat – als Allegorie auf den Programmstart.

Auch mit der F.A.Z. war Holbe kurzfristig verbandelt – bei deren kurz­lebigem Fernsehengagement in den Achtzigerjahren moderierte er auch hier eine Talkshow. Es war die Zeit, als man kurzfristig bei Stars wie Lilli Palmer anrief, wenn man am Folgetag noch schnell jemanden für seine Gesprächsrunde brauchte. Endgültig nach Frankfurt zurück kam Rainer Holbe aber erst im Ruhestand, 2003. In der Nacht auf den gestrigen Freitag ist er in seiner Wahlheimatstadt im Alter von 85 Jahren gestorben. 1997 hatte er einen Science-Fiction-Roman publiziert, „Niemand stirbt für immer“. Mit Holbe ist ein Erinnerungsschatz gestorben, wie ihn die deutsche Medienlandschaft sonst kaum mehr besitzt.

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