#Zur Sache, bitte!

Zur Sache, bitte!

Als die Kanzlerkandidatin der Grünen Mitte Juni auf der Dachterrasse des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin ihr Buch „Jetzt“ präsentierte, von Plagiat noch keine Rede war und alle, die inzwischen ziemlich angeschlagen sind, noch guter Laune in den ersten Reihen saßen: ihre Literaturagentin, ihre Lektorin, der Verleger und ihr Ghostwriter, der für dieses Buch mit ihr Interviews geführt hatte – eröffnete die Moderatorin das Gespräch mit der Frage: „Sitzen Sie gerne im Schatten?“. Da es sehr heiß war und im Publikum jeder, der gerade nicht in der Sonne saß, sich besser fühlte, war es eine angemessene, bei all der Bedeutung, die hier mitschwang, aber zugleich auch eine nervige Frage. Denn natürlich konnte Annalena Baerbock nicht einfach „ja“ sagen. Eine Kanzlerkandidatin darf symbolisch weder im Schatten stehen noch sitzen. Sie konnte aber auch nicht „nein“ sagen, da ein paar Meter weiter der Platz an der Sonne ja tatsächlich frei war, sie sich also einfach hätte umsetzen können, um sich wohler zu fühlen.

Julia Encke

Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

Schlagfertig umging Baerbock die Doppeldeutigkeit und sagte: „Ich bin ein Sommertyp.“ Und schlagfertig reagierte sie auch, als etwas später ein Journalist vom Bonner Generalanzeiger sich zu Wort meldete und fragte, ob der Veranstaltungsort in Sichtweite des Kanzleramts als Botschaft zu verstehen sei? Sie finde diesen Ort wunderschön, sagte Annalena Baerbock, schaute, das Kanzleramt im Rücken, auf die Fahnenmasten, die weiter vorne installiert waren: „Und ich blicke hier gerade auf eine Europafahne.“

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