„Zverev nach Fünfsatz-Krimi mit Auftaktsieg“
Es war nicht so, als hätte Alexander Zverev nicht gewusst, wie tückisch diese Aufgabe werden könnte. So etwas sei „immer schwer“, hatte Deutschlands bester Tennisspieler vor dem Erstrundenmatch bei den French Open gegen seinen Landsmann Oscar Otte gesagt. Schließlich war dieser erst über die Qualifikation in das Hauptfeld des Grand-Slam-Turniers gelangt. Otte hatte also bereits drei Matches in Roland Garros gespielt – und alle drei gewonnen. „Er ist richtig eingespielt“, sagte Zverev.
Wie sehr er damit Recht haben sollte, hatte der 24-Jährige dann aber vermutlich doch nicht erwartet. Denn der krasse Außenseiter Otte spielte in den Abendstunden anfangs groß auf. Zverev, in diesem Jahr einer der Mitfavoriten musste über die volle Distanz gehen und einen 0:2-Satzrückstand umbiegen. Letztlich siegte er vor allem dank seiner überlegenen Physis doch noch mit 3:6, 3:6, 6:2, 6:2, 6:0.
Auf dem Court Suzanne Lenglen sah sich Zverev zu Beginn einem entfesselt aufspielenden Kontrahenten gegenüber. Otte, die Nummer 152 der Weltrangliste, nutzte den Vorteil der größeren Matchpraxis und zeigte keinerlei Anlaufschwierigkeiten. Erst zweimal hatte sich Otte bislang überhaupt für ein Grand-Slam-Turnier qualifiziert – beide Male allerdings bei den French Open. 2019 überstand er immerhin die erste Runde.

Mutiger Außenseiter: Oscar Otte bereite Alexander Zverev zwei Sätze lang große Probleme.
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Bild: AP
Otte spielte mutig. Er suchte die Offensive und regelmäßig den Gang ans Netz. Er streute Stopps ein, servierte gut. Zwei Sätze lang gelang ihm fast alles. Zverev hingegen spielte nicht einmal besonders schlecht, wurde aber dennoch überrollt. Er schaffte es kaum einmal, selbst die Initiative in den Ballwechseln zu übernehmen. Stattdessen gab der starke Aufschläger gleich viermal in den ersten beiden Durchgängen sein Service ab.
Erst im dritten Durchgang, die Dunkelheit brach langsam über Paris herein, änderte sich das Bild. Nun diktierte Zverev zunehmend die Punkte. Sein Blick wurde entschlossener, sein Spiel zielstrebiger. Den zweiten und dritten Satz sicherte sich der Weltranglistensechste souverän. Auch weil Otte nach zwei Stunden Spielzeit sichtbar müder wurde. Das Match war nun endgültig gekippt, Ottes Wille gebrochen. Nach 2:52 Stunden verwandelte Zverev seinen ersten Matchball und baute eine beeindruckende Bilanz aus: Im siebten Fünfsatzmatch bei den French Open war es sein siebter Sieg.
Anders als Zverev erging es einem anderen Mitfavoriten. Der Österreicher Dominic Thiem, US-Open-Champion und in Paris schon zweimal im Finale, unterlag diesmal gleich in seiner ersten Partie. Gegen den Spanier Pablo Andujar hatte Thiem nach 2:0-Satzführung mit 6:4, 7:5, 3:6, 4:6, 4:6 das Nachsehen. Thiem wäre ein möglicher Viertelfinal-Gegner für Zverev gewesen. Dessen Weg ins Halbfinale ist nun auf dem Papier ein einfacher. Das war Oscar Otte allerdings auch.
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