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Flugsaurier waren die ersten Wirbeltiere, die den Luftraum eroberten, zur Zeit der Dinosaurier dominierten sie den Himmel. Jetzt haben Paläontologen in Bayern das Fossil eines der größten bisher bekannten Pterosaurier des Jura-Zeitalters entdeckt. Das im Solnhofener Plattenkalk fast perfekt konservierte Tier besaß eine Flügelspannweite von 2,10 Meter, war aber noch nicht ganz ausgewachsen. Voll entwickelt könnte es alle bisher bekannten Flugsaurier aus dieser Zeit an Größe übertroffen haben. Das Petrodactyle wellnhoferi getaufte Fossil besaß zudem einen ungewöhnlich großen knöchernen Kopfkamm, wie das Team berichtet. Zähne und Anatomie des Flugsauriers deuten darauf hin, dass es im Wasser waten konnte und kleine Fische und Wassertiere fraß.
Schon vor 228 Millionen Jahren flogen die ersten Flugsaurier über die urzeitlichen Landschaften. Während des Jura und der Kreidezeit brachten sie dabei eine beeindruckende Formenvielfalt hervor. Einige von ihnen erreichten mit Flügelspannweiten von mehr als zwölf Metern geradezu riesenhafte Ausmaße, andere, frühe Formen waren nur so groß wie eine Möwe. Besonders viele Pterosaurier aus dem Jurazeitalter wurden im feinkörnigen Solnhofener Plattenkalk der Fränkischen Alb entdeckt, der Gesteinsformation, in der auch die ersten Archaeopteryx-Fossilien gefunden wurden. Zu den deutschen Funden zählen ein Pterosaurier, der seine mehr als 450 dünnen, reusenartige Zähne zum Filtern des Wassers nutzte, aber auch mehrere Exemplare des Pterodactylus. Er war im Jahr 1784 der erste Pterosaurier, dessen Fossil jemals beschrieben und benannt wurde.
„Elvis“-Fossil aus dem Steinbruch
Jetzt hat ein Forscherteam um David Hone von der Queen Mary University of London einen weiteren Pterosaurier im Plattenkalk der Solnhofener Formation identifiziert. Es handelt sich um ein Fossil, das bereits im Jahr 2010 im Schaudberg-Steinbruch bei Mülheim in Bayern entdeckt wurde. „Das Exemplar wurde in einem Steinbruch gefunden, der wissenschaftlich bedeutsame Fossilien hervorbringt und weitere Einblicke bezüglich der spätjurassischen Pterosaurier ermöglicht“, erklärt Hone. Wegen seines schon damals erkennbaren großen, pompadour-artigen Knochenkamms auf dem Kopf erhielt es zunächst den Spitznamen „Elvis“. Hone und sein Team haben das 145 Millionen Jahre alte, gut erhaltene Fossil seither eingehend untersucht und phylogenetisch eingeordnet. Viele Details des Pterosaurier-Skeletts traten erst bei Analysen unter ultraviolettem Licht zutrage. „Der Einsatz der digitalen UV-induzierten Fluoreszenzfotografie ermöglichte es, feine Strukturen kleiner Knochen zu erkennen, und lieferte zusätzliche Informationen über die Strukturen des Knochenkamms, die bei der Interpretation und den Schlussfolgerungen zu dieser einzigartigen neuen Art hilfreich waren“, erläutert Co-Autorin René Lauer von der Lauer Foundation.
Die Untersuchungen ergaben, dass das Flugsaurier-Fossil zu einer neuen Spezies innerhalb der Ctenochasmatoidea gehört, einer Untergruppe der Kurzschwanzflugsaurier, für die lange, zahnbewehrte Kiefer typisch waren. Auch die in der Solnhofener Formation schon früher entdeckten Filterfresser und Pterodactylus anticuus gehören zu dieser Gruppe. Das neue Fossil erhielt den Namen Petrodactyle wellnhoferi, übersetzt „Wellnhofers Steinfinger“, zu Ehren des deutschen Paläontologen Peter Wellnhofer, der seine Karriere der Erforschung von Flugsauriern widmete. Die neue Art ist mit einer Flügelspannweite von 2,10 Meter ungewöhnlich groß. „Es ist beträchtlich größer als die meisten aus Solnhofen und ähnlichen Formationen bekannten Taxa“, berichten die Paläontologen. Einige noch nicht vollständig verknöcherte Skelettteile sprechen zudem dafür, dass es sich bei dem Fossil um ein noch nicht vollständig ausgewachsenes Exemplar handelte. „Es ist daher wahrscheinlich, dass dieses Tier noch immer wuchs und potenziell eine noch größere Größe erreicht hätte“, so die Forscher. Damit sei Petrodactyle wellnhoferi einer der größten bisher bekannten Flugsaurier des späten Jura-Zeitalters.

Watender Fischfresser mit Knochenkamm
Ebenfalls ungewöhnlich groß ist der Knochenkamm, den das Tier auf der Oberseite seiner langen Schnauze trug. Dieser nach hinten niedriger werdende prämaxilläre Kamm ist bei diesem Fossil 3,20 Zentimeter hoch und 10,4 Zentimeter lang. Damit besaß Petrodactyle wellnhoferi den mit Abstand größten bekannten Knochenkamm aller Ctenochasmatiden, wie die Paläontologen berichten. Zu Lebzeiten dieser Flugsaurier dienten diese Knochenkämme wahrscheinlich als Geschlechtsmerkmal, möglicherweise spielten sie eine Rolle bei der Partnerwahl. „So groß dieser Kamm auch ist, wir wissen, dass diese Pterosaurier hautähnliche Fortsätze hatten, die an ihm befestigt waren, sodass Pterodactyle zu Lebzeiten einen noch größeren Kamm gehabt haben muss“, sagt Hone.
Der neu entdeckte Pterosaurier lebte vor 145 Millionen Jahren wahrscheinlich am Ufer flacher Gewässer, wo er im Wasser watend nach kleinen Fischen oder Garnelen schnappte. Dafür sprechen die kurzen, aber scharfen Zähne von Petrodactyle und eine verbreiterte Muskelansatzstelle am Hinterkopf. Aus ihr schließen die Paläontologen, dass das Tier relativ kräftige Kiefermuskeln und einen entsprechend starken Biss gehabt haben muss. „Dieser Biss war für Petrodactyle vermutlich wichtig, um kleine Fische, aber auch Kopffüßer, kleine Krebse und sogar frisch geschlüpfte Landwirbeltiere zu fangen“, erklären Hone und seine Kollegen. „Damit zeigt sich ein immer größeres Spektrum von Anpassungen bei diesen Flugsauriern“, ergänzt Seniorautor Frederik Spindler vom Dinosaurier Museum Altmühltal. Der junge, im Solnhofer Plattenkalk konservierte Petrodactyle wellnhoferi zeugt damit einmal mehr von der reichen Vielfalt dieser ersten fliegenden Wirbeltiere unseres Planeten.
Quelle: David Hone (Queen Mary University of London) et al., Paleontologia Electronica, doi: 10.26879/1251
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