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„„Abramowitsch hat eine Vorzugsbehandlung Putins erhalten““
Mit Roman Abramowitsch hat die britische Regierung nun auch den bekanntesten russischen Oligarchen mit Interessen im Vereinigten Königreich unter Sanktionen gestellt. Die Regierung teilte am Donnerstag mit, dass sein Vermögen in Großbritannien konfisziert und er keine Einreiseerlaubnis mehr erhalten werde. Gleiches gilt für sechs weitere Russen, darunter Oleg Deripaska und Igor Setschin. Die Regierung wies darauf hin, dass Abramowitsch bislang von keinem Verbündeten sanktioniert worden sei.
In der Erklärung wurde er als „Pro-Kreml-Oligarch“ identifiziert. Er unterhalte „seit Jahrzehnten ein enges Verhältnis“ mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, von dem er finanziell profitiert habe. Das Dokument erwähnt Steuervorteile von Unternehmen, die mit Abramowitsch verbunden sind, den Kauf und Verkauf russischer Staatspapiere zu vorteilhaften Bedingungen und Aufträge vor der Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland. „Abramowitsch hat eine Vorzugsbehandlung und Konzessionen von Putin und der russischen Regierung erhalten“, heißt es zusammenfassend.
Abramowitsch hat wiederholt bestritten, Beziehungen zu Putin zu haben. Sein Vermögen – London schätzt es auf mehr als elf Milliarden Euro – geht überwiegend auf günstige Aufkäufe von russischen Staatsunternehmen während der Präsidentschaft Boris Jelzins zurück. Im Jahr des Amtsantritts Putins wurde Abramowitsch als Abgeordneter in die Duma gewählt, bis 2008 war er Gouverneur in Tschukotka. Zu diesem Zeitpunkt war er schon Eigentümer des britischen Premier-League-Fußballclubs Chelsea sowie mehrerer britischer Immobilien. Er unterstützte zahlreiche Wohltätigkeitsinitiativen in Russland, Großbritannien, Israel und anderen Ländern, vornehmlich mit jüdischem Hintergrund.
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London hatte schon 2018 die Verlängerung seines Visums gestoppt, woraufhin Abramowitsch israelischer (und später portugiesischer) Staatsbürger wurde. Dies ermöglichte ihm weiterhin Aufenthalte im Königreich. Nach den ersten Sanktionsandrohungen der britischen Regierung bot er seinen Fußballclub (mit einem geschätzten Wert von drei Milliarden Euro) zum Verkauf. Die Presse berichtete von mehreren Interessenten.
Der Club darf jetzt einstweilen keine Tickets mehr verkaufen und auch sonst keine geschäftlichen Transaktionen vornehmen. Mittels eines „Dekrets“ stellte die Regierung aber sicher, dass die Besitzer von Saisonkarten weiterhin den Spielen zuschauen dürfen.
Am Donnerstagnachmittag verkündete auch die israelische Holocaustgedenkstätte Yad Vashem, dass man die „strategische Partnerschaft“ mit Abramowitsch aussetze – „im Lichte jüngster Entwicklungen“, wie es hieß. Unmittelbar vor dem Kriegsausbruch hatte Abramowitsch Yad Vashem eine Dollar-Spende in zweistelliger Millionenhöhe zukommen lassen – die zweitgrößte Einzelspende, welche die Institution je erhalten hat. Abramowitsch gilt als die zweitreichste Person Israels.
Die Spende brachte Yad Vashem beträchtliche Kritik ein. Die Entrüstung wurde noch größer, als israelische Medien berichteten, Yad Vashems Direktor Dani Dayan habe sich Anfang Februar zusammen mit Vertretern anderer von Abramowitsch geförderter Institutionen beim amerikanischen Botschafter dafür eingesetzt, den Oligarchen von Sanktionen auszunehmen. Dabei hatte Dayan erst im Januar in einem Zeitungsinterview dafür geworben, eine solide staatliche Finanzierung der Holocaustgedenkstätte sicherzustellen – mit dem Argument, dass man ansonsten von privaten Geldgebern abhängig sei. „Leute spenden mit bestimmten Absichten, und das könnte eine Voreingenommenheit verursachen. Wir versuchen sehr, das zu verhindern“, sagte der Direktor damals in dem Interview mit der israelischen Zeitung „Haaretz“.
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