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#Abschied im Auge des Sturms

Abschied im Auge des Sturms

Polizist oder Unterweltgröße – welche Seite Sascha Bukow (Charly Hübner) im Rostocker „Polizeiruf 110“ wählen würde, war vor elf Jahren offen, danach manchmal fraglich. „Einer von uns“ hieß die erste Folge, die den rauen, oft brutalen und hintergründig moralkritischen Ton der Reihe setzte. Eoin Moore (Buch und Regie), der zusammen mit Anika Wangard (Buch) die Figuren des Polizeifilms entscheidend erfand und über die Jahre entwickelte, gab Sascha Bukow eine Straßenkötervergangenheit, die nicht nur äußerlich war, sondern die DNA des Kommissars ausmachte, er gab ihm seine Intuition für Gut und Böse und sein Gespür für Verbrecher. Mit Katrin König (Anneke Kim Sarnau) wurde ihm ein ebenbürtig schwieriger Charakter als Partnerin an die Seite gestellt: Wo man ihm nicht trauen konnte, war sie überkorrekt aus Angst vor Kontrollverlust, wo er zupackte, hielt sie ihm soziologische Vorträge. Rostock spielte mit als meist unwirtlicher Ort, die angemessene Bühne.

Moore und Wangard verschoben die Konfliktlinien Fall für Fall, erzählten beider Entwicklung über die Jahre stimmig als mit- und gegenläufige Bewegung. Gewissen und Gesetz im Konflikt, das war das Thema. Manchmal hatte das die erzählerische Wucht antiker Tragödie. Fragen der Gerechtigkeit wurden ins Extreme gewendet. Im dritten Fall, „Feindbild“, vernichtete Bukow erstmals Beweise, gegen den sadistischen Schwerverbrecher Subocek (Aleksandar Jovanovic), der Bukows Familie terrorisierte und den Sohn in seiner Gewalt hatte. Für König kam der Moment des Schwurs mit dem manipulativen Frauenmörder Guido Wachs (Peter Trabner). Vor Jahren war er fälschlicherweise freigesprochen worden, jetzt konnte sie ihm die Tat nachweisen. Zu spät für das Justizsystem. In „Für Janina“ fälschte sie die Beweise, unerhört und eigentlich undenkbar für eine öffentlich-rechtliche Fernsehbeamtin. Wachs kam ins Gefängnis für einen Mord, den er nicht begangen hatte. Ihr Sündenfall verfolgte sie, Wachs schrieb ihr Briefe aus dem Gefängnis, terrorisierte sie (in „Und erlöse uns von dem Bösen“). Mehr als einmal wurden Bukow und König „Partner in Crime“, standen zusammen sogar vor Gericht.

Bukow und König, spröde Seelenverwandte

Das Gut-und-Böse-Grenzüberschreitungsthema tauchte nicht in jeder der nun 24 Folgen ähnlich vordergründig auf. Mal war es bestimmender, mal mehr Hintergrund, die Geschichte mit Wachs wurde erst einmal fallengelassen, dann wieder zugespitzt. Bukows Vater Veit (Klaus Manchen), der Pate von Rostock, kam bei einem Hinterhalt ums Leben, und man wusste in jedem der meist herausragenden Rostocker „Polizeirufe“ der letzten Jahre schon, dass es zu viele lose Fäden gibt, dass zu viele dienstrechtliche Verfehlungen, zu viel Einsichten in die manchmal tragische Bedingtheit des Justiziablen, selbst in die Sühne von Mord, geschehen sind und bestehen, um Bukow und König, spröde Seelenverwandte, die sich zuletzt als Liebespaar finden durften, ein glückliches Ende zu ermöglichen.

Dass Charly Hübner mit der aktuellen Folge aussteigt, hat sich herumgesprochen. „Einer von uns“ hieß die erste Folge, die letzte mit ihm, die in vieler Hinsicht den Bogen zum Anfang schlägt, heißt „Keiner von uns“. Eoin Moore und Anika Wangard machen daraus einen fulminanten Fall, der das Mafiamilieuthema nach allen Regeln der Genrekunst bespielt. Der Bandenkrieg, der sich im Untergrundmachtvakuum nach Veit Bukows Ermordung entwickelt, ist allerdings nicht einfach ein weiterer Fall, der Bukows und Königs Hadern mit den dunklen und hellen Seiten ihrer Charaktere in den Mittelpunkt stellt, sondern er treibt sie unnachgiebig aus ihren ohnehin konfliktreichen Komfortzonen heraus, stellt die Vertrauensfrage mit bitterer Konsequenz.

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