#Alle nennen ihn jetzt Burschi

„Alle nennen ihn jetzt Burschi“

Dass die Klatschblätter sich die Gegenwart verdrehen, wie es ihnen beliebt, das haben wir gewusst. Neu ist, dass sie auch die Vergangenheit umschreiben, wie es „Das neue Blatt“ in der Serie „Geheimakte Royal“ tut. Diesmal geht es um Fürstin Gracia, deren Bruder Jack Kelly angeblich gegen die Mafia gekämpft und dafür einen hohen Preis gezahlt hat: „Am Morgen des 2. März 1985 lag er leblos auf der Callowhill Street von Philadelphia. Erschossen.“

Jörg Thomann

Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Was daran stimmt: Todesdatum und Straße. Angesichts dieser fürs „Neue Blatt“ ungewohnten Faktentreue mag man dann drüber hinwegsehen, dass ein anderes Detail falsch ist und Jack Kelly sämtlichen Internetquellen zufolge beim Joggen an einem Herzinfarkt starb. Egal, eine Gegendarstellung wird er dem Blatt dafür nicht mehr reindrücken.

Bei den britischen Royals dürfte es keine Geheimakte mehr geben, seitdem Harry sämtliches Private öffentlich gemacht hat. So dürfte es auch stimmen, dass Meghan und er, die nach dem Willen des Königs ihren Zweitwohnsitz Frogmore Cottage räumen müssen, laut „Frau im Spiegel“ darob „extrem wütend“ sind. „Angeblich überlegt das Paar bereits, wie es seine Besitztümer – darunter eine reich verzierte osmanische Bank – in seine Villa nach Montecito liefern lassen kann.“ Ginge das nicht, hihi, ganz einfach per Banküberweisung?

Wie Bonnie und Clyde

Viel besser drauf ist Andrea Berg: „Das Geheimnis meiner ewigen Liebe“ verspricht sie auf der „Bild“-Titelseite zu enthüllen. „Ich fühle mich wunderbar“, sagt sie. „Mein Schlüssel zum Glück steckt von innen.“ Schlüssel, die von innen stecken, sind ja eher misslich, wenn man selber draußen steht, doch anscheinend sitzt Berg jetzt gemeinsam mit dem Glück irgendwo in einem kuschelig warmen Kämmerchen, von außen kommt da keiner mehr rein. Wobei ihr Ehemann offenbar auch drin hockt, denn Berg sagt: „Aus anfänglicher Verliebtheit wurde ein Team. Gefährten wie Bonnie und Clyde.“ Bonnie und Clyde indes war vergleichsweise wenig gemeinsame Zeit vergönnt; in einer zwanzigjährigen Ehe wie bei Berg und ihrem Mann, was hätten die zwei da noch rauben und morden können!

Lässt den Schlüssel stecken: Andrea Berg


Lässt den Schlüssel stecken: Andrea Berg
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Bild: Huebner

Ebenfalls zwei Jahrzehnte verheiratet ist Schauspielerin Emma Thomp­son, die „Bunte“ zufolge allerdings gesagt hat: „Die romantische Liebe ist ein Mythos. Lange Beziehungen sind schwierig und viel Arbeit. Wer auf ein ,Happy Ending‘ hofft, sollte das vergessen.“ Eine Einschätzung, die nicht nur Thompsons Ehemann ernüchtern wird, sondern auch alle langjährig Verheirateten: All die harte und schwierige Arbeit, und am Ende geht die Sache nicht mal gut aus.

Massenentzug bei Lauterbach

Aufreibend gerade zu Beginn verlief die Ehe von Heiner Lauterbach und seiner Viktoria, welche ihm „kurz nach ihrem Kennenlernen (2000) in seinem Haus am Starnberger See einen kalten Entzug“ verordnete, wie „Frau im Spiegel“ schreibt: „Kein Alkohol, keine Zigaretten, keine Drogen mehr.“ Was andere nach und nach abgearbeitet hätten, erledigt Lauterbach mit einem Schlag. Warum nicht gleich noch kein Fleisch, keinen Zucker und kein Fernsehen mehr? Die BR-Doku anlässlich von Lauterbachs Siebzigstem übrigens heißt „Süchtig nach Abenteuer“. Einen Entzug hat er dann wohl vergessen.


Bild: F.A.Z.

Während Lauterbachs Spitzname für seine Frau, wie „Frau im Spiegel“ weiß, „Schnuffi“ lautet, nennt Moderatorin Caroline Beil ihren 16 Jahre jüngeren Ehemann „Burschi“ und erklärt der „Bild“-Zeitung: „Das ist die Koseform von Bursche, weil er jünger ist als ich. Ich bin Fan von Spitznamen. So nennen Philipp jetzt alle.“ Ein ziemlich hoher Preis für eine hoffentlich nicht zu harte und anstrengende Ehe. Ob er wohl auch einen bestimmten Spitznamen für sie hat, weil sie älter ist als er?

„Frau im Spiegel“ berichtet zudem, dass Brooklyn Beckham und Nicola Peltz ein zweites Mal heiraten wollen. „Der Grund: Bei der ersten Hochzeit im April 2022 (Kosten: ca. 3,4 Millionen Euro) sei zu viel schiefgelaufen – u.a. gab es Stress mit dem Wedding-Planer).“ Dann sollten sie, um Stress zu vermeiden, diesmal sicherheitshalber etwas mehr Geld investieren. Die Eltern von Braut und Bräutigam werden ob der Pläne gerührt sein.

„Extremen Liebeskummer“ hat, wie sie „Bunte“ offenbart, Werbe-Zwilling Nina Meise. „Er ist nicht zu meinem Geburtstag gekommen. Ich hatte ein romantisches Chalet für uns gemietet – aber er ist nicht in den Flieger gestiegen“, klagt sie und kündigt an: „Das letzte Tiramisu ist noch nicht gegessen. Ich werde um unsere Liebe kämpfen.“ Da wünschen wir viel Erfolg; das letzte Tiramisu jedoch sollte man, da ihr Geburtstag am 4. Februar war, jetzt wohl besser nicht mehr essen.

„Bild“-Kolumnist Franz Josef Wagner schließlich gerät ob des Meeresschutz-Abkommens ins Philosophieren: „Unsere Erde dürfte eigentlich gar nicht Erde genannt werden. Sie besteht zu zwei Dritteln aus Wasser. Sie müsste eigentlich Wasser heißen.“ Schlüssig argumentiert, allerdings besteht der menschliche Körper ebenfalls zum Großteil aus Wasser – weshalb Sie, Wagner, eigentlich Franz Josef Wasser heißen müssten.

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