Angriff auf Juden in Venedig: Zwei Täter abgeschoben

Angriff auf Juden in Venedig: Zwei Täter abgeschoben

Nach dem antisemitischen Angriff auf ein amerikanisch­-israelisches Touristenpaar in Venedig haben die italienischen Behörden zwei der Täter ausgewiesen und gegen einen weiteren ein Verfahren eröffnet. Zu dem Übergriff war es in der Nacht zum 8. September nahe der ­Rialto-Brücke gekommen. Der Amerikaner und die Israelin seien wegen ihrer Kleidung von den rund zehn Angreifern als (orthodoxe) Juden zu erkennen gewesen, berichteten italienische Medien. Zunächst hätten die Angreifer, junge Männer aus Maghreb-Staaten, „Free Palestine“ gerufen und dann den Mann ins Gesicht geschlagen und die Frau mit einer Glas­flasche am Knöchel verletzt. Einer der Angreifer habe zudem seinen Rottweiler-Hund auf die beiden gehetzt.

Drei der Angreifer konnten von herbeigerufenen Beamten der Stadtpolizei festgesetzt und zur Feststellung der Personalien in die Quästur verbracht werden. Weil sich zwei von ihnen illegal im Land aufhielten, wurde einer von ihnen zur Grenze nach Frankreich eskortiert, weil er von dort nach Italien eingereist war, der andere wurde ins Abschiebelager nach Bari gebracht, von wo aus er in sein ­Heimatland zurückgeführt werden soll.

Der dritte, der über einen Aufenthaltstitel verfügte, wurde auf freien Fuß gesetzt. Gegen ihn wurden Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Körperverletzung eingeleitet, zudem wurde ein Platzverweis für die Dauer von zwei Jahren für ganz Venedig verfügt. Die Ermittlungen zur Identifizierung der übrigen Angreifer dauern an.

„Nein zu jedem Wiederaufleben von Antisemitismus“

Die beiden Touristen seien spätabends „von einer Gruppe von zehn Angreifern eingekreist und geschlagen worden“, hatte der stellvertretende Bürgermeister von Venedig, Simone Venturini, kurz nach dem Übergriff über die Sozialen Medien mitgeteilt. Er sprach von einem „beschämenden antisemitischen Angriff“. Tourismusministerin Daniela Santanchè schrieb auf X, der Angriff sei von „einem Dutzend Nordafrikanern“ verübt worden.

Der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, nannte den Angriff „inakzeptabel“. Venedig sei eine „offene, gastfreundliche und sichere Stadt“ und müsse das auch bleiben, sagte Brugnaro und fügte hinzu: „Unsere Stadt blickt auf eine tausendjährige Geschichte der Begegnung und des Zusammenlebens zwischen verschiedenen Religionen und Kulturen zurück. Dieses Erbe des Dialogs und der Toleranz darf nicht durch Gewalttaten untergraben werden. Wir sagen entschieden Nein zu jedem Wiederaufleben von Antisemitismus und Islamophobie.“

Die Jüdische Gemeinde von Venedig reagierte in einer Erklärung „mit Bestürzung und Besorgnis“ auf den „neuerlichen antisemitischen Angriff“ und verurteilte die „abscheuliche und verabscheuungswürdige Tat“. Vorfälle wie diese schädigten den Ruf Venedigs als gastfreundliche Stadt und trügen zum Entstehen eines „Klimas der Intoleranz bei, welches heute die gesamte Gemeinde Venedig betrifft“.

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