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„Auf dem Gasmarkt bleibt es turbulent“
Auf dem Gasmarkt geht es weiter turbulent zu. Der europäische Preis für die Megawattstunde zur Lieferung im April stieg von 93 Euro am Montagmorgen auf zuletzt wieder 118,50 Euro. Das liegt zwar weit unter dem Preis von 345 Euro, der am 7. März fällig war, aber immer noch auf sehr hohem Niveau.
Als einer der Auslöser des Anstiegs von knapp 10 Prozent am Mittwoch gilt das Ausrufen der Frühwarnstufe des Notfallplans Gas durch die Bundesregierung. Auch Frankreich bereitet sich im Gefolge der Ablehnung der russischen Forderung nach Bezahlung der Gaseinfuhren in Rubel durch die G7aktuell auf mögliche Lieferausfälle vor. Russland versuche die westlichen Regierungen zur Rubelzahlung zu zwingen, um die Zwangsjacke der Sanktionen abzustreifen, sagt Timothy Ash, Analyst der Fondsgesellschaft Blue Bay.
Auch Flüssiggas ist knapp
Derweil sind die Nordeuropas Einfuhren von Flüssiggas, das als Ersatz dienen soll, im März wieder fast auf ein Rekordvolumen gestiegen. Aber der Markt sei extrem eng, sagt Oystein Kalleklev, Vorstandschef der Gastanker-Reederei Flex LNG. Der hohe Preis, nicht die Politik sorge dafür, dass Gas nach Europa fließe. Unterdessen liegt vor der Küste des Lieferland Qatars angeblich eine ungewöhnlich hohe Zahl von 21 Tankern untätig vor Anker. Niedrige Exporte Qatars tragen derzeit zum Mangel an Flüssiggas bei. Im Februar lagen sie unter dem saisonüblichen Durchschnitt. Auch eine Gasverflüssigungsanlage soll bis zum 20. März für mehr als einen Monat außer Betrieb gewesen sein.
Experten rätseln, ob geringere Liefermengen aus Qatar technische Gründe hat. Indes sollen davon vor allem Kunden im pazifischen Raum betroffen sein. Gasproduzent Qatargas sah sich außer Stande, diese Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg zu kommentieren.
Kaum Abhilfe durch Flüssiggas
Obendrein treibt das für die kommenden Wochen vorhergesagte kältere Wetter die Preise, während immerhin das nahende Ende der Heizperiode trotz allem dämpfend wirkt. Da aber Europa seine Speicher füllen muss, gehen Fachleute nicht davon aus, dass der Gaspreis kurzfristig sinkt.
Die Flüssiggasexporte der USA hätten ihre maximale Kapazität auch schon erreicht, sagen Kerstin Hottner und Michel Salden von der Bank Vontobel. Zudem fehle es in Europa an Infrastruktur. Es gebe für die sehr aufwendige Umwandlung von Flüssiggas in Gas vielfach nicht die notwendigen Anlagen, insbesondere nicht in Deutschland. Selbst wenn britische und holländische LNG-Häfen zum Andocken genutzt würden, bleibe es schwierig, das Gas nach Deutschland zu transportieren. Flüssiggas werde in den kommenden drei bis fünf Jahren daher keine Abhilfe schaffen können.
Außerdem sei es sieben- bis zehnmal so teuer wie herkömmliches Gas, so dass es den Gaspreis nur bedingt senken kann. Darüber hinaus stelle sich die Frage, so die Vontobel-Experten, ob Qatar oder Saudi-Arabien überhaupt Interesse an höheren Gaslieferungen nach Europa hätten. Denn der Fokus auf erneuerbare Energien mache aus Sicht der Lieferländer die Belieferung asiatischer Länder attraktiver.
Die Börse Intercontinental Exchange erwägt Kreisen zufolge als Konsequenz aus den Preisschwankungen derzeit Änderungen im Terminhandel mit Gas zur Lieferung in Europa. So sollen die Kontraktgrößen auf ein Fünftel sinken, nachdem einige Händler aufgeben mussten, weil sie Sicherheiten nicht mehr leisten konnten. Das Handelsvolumen sei derzeit rekordniedrig, heißt es.
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