#Aus der Oberlausitz in die ganze Welt

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Aus der Oberlausitz in die ganze Welt

Ein Stern, der selbst einen Menschen überragt: zweieinhalb Metergroß ist das weiße Gestirn, das inmitten des Foyers hängt. Am Abend erhellt es mit seinem Licht nicht nur den Saal, sondern auch den Protokollhof. Immer wieder laufen Passanten vorbei, blicken nach oben, bleiben für einige Sekunden stehen, halten inne.

Die Rede ist von einem der größten, jemals hergestellten Herrnhuter Sterne, der jedes Jahr im Dezember das Bundeskanzleramt in Berlin bestrahlt. 2010 wurde der Weihnachtsschmuck, der den Stern von Bethlehem symbolisieren soll, an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben. Ein baugleiches Modell leuchtet am Berliner Dom, über den Domstufen. Beide sollen die „christliche Botschaft des Friedens“ in die Welt senden, sagt Jacqueline Schröpel, die in der Verwaltung der Herrnhuter Sternemanufaktur in der Oberlausitz arbeitet. Sie sind die Höhepunkte eines hundert Jahre alten Kunsthandwerks, das die Weihnachtszeit in Deutschland prägt wie kaum ein anderes – die Herrnhuter Sterne, die immer noch per Handarbeit in Sachsen hergestellt werden.

Die Sterne werden per Hand zusammengesetzt.


Die Sterne werden per Hand zusammengesetzt.
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Bild: Roger Hagmann

Dreihundert Kilometer von Berlin entfernt, in der Manufaktur in Herrnhut, geht es in diesen Adventstagen hektisch zu. Fast täglich treffen Bestellungen ein, von Händlern, Einzelkunden und Unternehmen. Die zackigen Sterne aus dem Oberlausitz-Städtchen sind begehrt.

Herrnhut liegt wenige Kilometer von Görlitz entfernt, ist eine der östlichsten Kleinstädte Deutschlands, im Dreiländereck von Deutschland, Polen und Tschechien gelegen. Normalerweise ist es hier ruhig, doch zur Weihnachtszeit, wenn auf den Hängen drum herum der Schnee liegt, entfaltet sich ein Weihnachtswunderland. In der Schauwerkstatt kann jeder Besucher das Falthandwerk, das „Sterneln“, wie es hier genannt wird, lernen. „Hier herrscht eigentlich das ganze Jahr Weihnachten“, scherzt Schröpel, die aus der Oberlausitz stammt und direkt nach dem Studium bei der Manufaktur anfing. In Herrnhut wurde die Herrnhuter Brüdergemeine gegründet, die heute noch im Besitz der Sternmanufaktur ist. Sie ist auch ihr Arbeitgeber.

Geschicklichkeit gefragt


Geschicklichkeit gefragt
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Bild: Herrnhuter Sterne GmbH

Ein roter, gezackter Tisch steht in der Mitte der gläsernen Halle. Sechs Frauen und Männer sitzen dort und setzen eckige Pyramiden zusammen. Rote, gelbe und weiße Sternen hängen an der Decke. Sie bestehen aus dünnem Papier, aus Kunststoff- oder Pappformen, die sie zusammenhalten. Es riecht nach Klebstoff und Papier. 150 Mitarbeiter arbeiten in der Manufaktur. Drei Dutzend von ihnen falten, rollen und kleben die „Tüten“, wie die Pyramiden genannt werden. Am Tag stellen sie um die zweitausend Sterne her. Im Jahr ergibt das 780.000 Sterne. Man wolle „langsam, aber nachhaltig wachsen“, sagt Schröpel, die auch davon berichtet, dass die Nachfrage aus aller Welt zugenommen habe. Besonders in den Vereinigten Staaten, Japan und China erfreuen sich die „Moravian Stars“ immer größerer Beliebtheit. Jeder traditionelle Herrnhuter Stern besteht aus 25 Zacken, siebzehn viereckigen und acht dreieckigen Spitzen. Nur dann sind die Sterne echt und dürfen mit dem Zertifikat, das die Originalität nachweist, verkauft werden. Auch ihr Herstellungsverfahren ist dadurch geregelt.

Doch wie werden die zackigen Gestirne hergestellt? Die Herrnhuter Sterne sind dreidimensionale, mathematische Körper, die aus geometrischen Formen bestehen. Basis der Sternfiguren ist ein sogenannter Rhombenkuboktaeder, der die Grundform bildet, an der die Pyramiden aufgesetzt und angebracht werden. Jeder Stern wird von der Manufaktur selbst zusammengesetzt. Die Einzelteile und Rohstoffe dafür bearbeiten die Mitarbeiter so weit, dass sie die geometrisch korrekten Formen haben. Montageklammern halten die Papier- und Kunststoffformen zusammen.

Die ersten Sterne in Weiß und Rot

Das historische Patent dafür liegt bei der Herrnhuter Brüderschaft, einer protestantischen Glaubensbewegung, die durch die Reformation entstand. Ihre Anhänger mussten aus Böhmen fliehen und fanden in der Oberlausitz Unterschlupf. Aus der kleinen Gemeinde entwickelte sich eine der größten christlichen Freikirchen Deutschlands. Schon damals waren die Mitglieder dafür bekannt, ihrem strengen Glauben durch Kirchenlieder Ausdruck zu verleihen. Eines der Lieder war „Morgenstern der finstern Nacht“ von Johann Scheffler. Einige Historiker sagen, dass das Lied den Anstoß gab, die Sterne zu basteln. Denn wann genau der erste Weihnachtsstern in Herrnhut zusammengesetzt wurde, können nicht einmal die Archivare der Brüderschaft sagen.

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