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#Barcelona hat genug

„Barcelona hat genug“

Einfach loslaufen geht nicht mehr. Fremdenführer müssen in Barcelona künftig erst einmal den neuen Stadtplan konsultieren. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Herz der Altstadt kommen Gruppen nur noch über ein Dutzend Einbahnstraßen. Sie dürfen auch nicht überall stehen bleiben. Im Go­tischen Viertel mit dem Sant-Jaume-Platz, dem Rathaus und dem Regierungspalast sind es maximal acht Gruppen, vor der moder­nistischen Fassade des Palau de la Música ist es nur noch eine Gruppe. Höchstens 15 Besucher auf einmal sind er­laubt, Lautsprecher sind verboten. Mit dem neuen Dekret will die Stadtverwaltung versuchen, den Kollaps in den engen Gassen zu verhindern.

Barcelona versucht, den Strom der Touristen zu bändigen, der nach zwei Jahren Pandemiepause über die Stadt hereingebrochen ist. „Das hat uns alle überwältigt. In der Semana Santa ging es los und hört seitdem nicht mehr auf“, sagt die Stadtführerin Macarena Bergada. Seit Ostern herrscht Hochsaison, als hätte es Corona nie gegeben. Alles ging schneller als er­wartet. Fachleute hatten erst 2023 mit der Erholung von den Corona-Folgen gerechnet. Dabei will zu Zuständen wie im Re­kordjahr 2019 niemand ernsthaft zurück. Fast 14 Millionen Menschen besuchten da­mals die Stadt mit 1,6 Millionen Einwohnern – in Madrid und Berlin leben doppelt so viele.

Ein Grundkurs für zivilisierte Benehmen

Im heißen August ist die Stadt nicht so voll wie in den Monaten zuvor. Die Einheimischen sind im Urlaub, Spanier und an­dere Touristen zieht es an den Strand und nicht ins Picasso-Museum. Dennoch wälzen sich unter den Bäumen des Rambla-Boulevards die Menschenmassen vom Meer an den Catalunya-Platz. Gemüt­­li­ches Bummeln ist nicht möglich, bezahlbare Hotels sind kaum zu bekommen. Das schreckt offenbar nicht ab. Die Zimmerpreise stiegen in diesem Jahr um 75 Prozent auf durchschnittlich 150 Euro je Nacht – nur Marbella, wo die Reichen und Schönen baden, ist in Spanien noch teurer. Die Hoteliers atmen auf, aber für die Einwohner in den Lieblingsvierteln der Touristen kehrt der alte Horror zurück.

Die Stadtverwaltung probiert es mit ei­nem Grundkurs für zivilisiertes Benehmen. „Die Straßen sind keine Klos“, heißt es auf den Plakaten, die gleich per QR-Code den Standort der nächsten öffent­lichen Toilette nennen. Im Barceloneta-Viertel zwischen Strand und Altstadt greifen die verzweifelten Bewohner, die im Sommer kaum noch schlafen können, zu drastischeren Methoden: Sie schütten von ihren Balkonen aus Eimer mit Wasser auf die lärmenden Besucher, die sich vor ihrer Haustür übergeben oder ihre Notdurft verrichten. „Stoppt die Touristen-Schweine“, steht auf einer selbst gebastelten Collage in einem Fenster und dazu in holprigem Englisch: „You tourists kills my neigh­borhood“.

Wider den Sauftourismus

Sie hätte nicht gedacht, dass es noch un­erträglicher werden könne, sagt eine alte Frau, die ihr ganzes Leben in dem früheren Fischerviertel verbracht hat. Mit ihrem vollgepackten Einkaufwagen rettet sie sich vor einer Horde Touristen auf Segway-Rollern. Gruppen mit mehr als zwan­zig Fahrrädern und mehr als tausend Fahrradtaxis verstopfen die Straßen, an­dere stürmen die öffentlichen Busse. Oft bekomme sie keinen Sitzplatz, klagt die Frau aus Barceloneta.

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