#Belege für Opfer-Ritual der Moche in Peru gefunden

#Belege für Opfer-Ritual der Moche in Peru gefunden

In einem alten Tempel in Peru haben Archäologen die Überreste von sechs Angehörigen der Moche-Gesellschaft gefunden, die vor rund 1500 Jahren in Südamerika lebten. DNA-Analysen belegen nun, dass diese Personen alle eng miteinander verwandt waren – ein weiterer Beleg für die familiäre Machtstruktur in den Eliten der Moche-Zivilisation. Zu den Toten gehört eine Frau, die als Señora de Cao bekannt ist. Den reichen Grabbeigaben zufolge hatte sie einen weitaus höheren sozialen Status als ihre männlichen Verwandten. Unter den Toten waren auch zwei Jugendliche, die offenbar stranguliert und rituell geopfert wurden. Das legt erstmals nahe, dass die Moche auch Opferrituale praktizierten, an denen junge Verwandte beteiligt waren.

Die Gesellschaft der Moche bewohnte von etwa 300 bis 950 nach Christus neun Flusstäler an der Nordküste des heutigen Perus. Es handelte sich um eine hierarchische und hochentwickelte Zivilisation, wie die Überreste von städtischen Komplexen mit monumentalen Tempeln und einem Bewässerungsnetz sowie Kunsthandwerk aus Metall und Keramik bezeugen. Wie das Leben und die religiösen und politischen Machtstrukturen dort damals aussahen, ist bisher nur ansatzweise bekannt. Archäologische Funde belegen allerdings, dass die Autoritäten in der Moche-Gesellschaft oft Frauen waren, Kriege führten, Gottheiten verkörperten und an Ritualen teilnahmen. Es gibt auch Hinweise auf Pilgerfahrten und Allianzen zwischen den einzelnen Moche-Tälern.

Einige Funde legen zudem nahe, dass die Eliten dieser Gesellschaft in der Regel miteinander verwandt waren und ihren sozialen Status durch Vererbung weitergaben. Eindeutige Beweise dafür gab es jedoch bislang nicht, zumal schriftliche Dokumente der Moche nicht existieren.

Außenansicht des Tempels „Huaca Cao Viejo“ im archäologischen Komplex El Brujo in Peru
Der Tempel „Huaca Cao Viejo“ im archäologischen Komplex El Brujo in Peru. © Jeffrey Quilter

Waren die Moche-Eliten miteinander verwandt?

Ob die Moche-Eliten miteinander verwandt waren, hat nun ein Team um Jeffrey Quilter von der Harvard University überprüft. Dafür untersuchten die Forschenden die Überreste von sechs Toten, die um 500 nach Christus in einem Tempel im Chicama-Tal in Peru bestattet wurden. Der 30 Meter hohe pyramidenartige und bemalte Lehmtempel Huaca Cao Viejo war für die Moche ein heiliger Ort, die Toten demnach hohen Rangs. Unter den Bestatteten waren vier Erwachsene und zwei Jugendliche, die jeweils zusammen mit einem Erwachsenen in einem Grab lagen. Eine der Frauen ist als Señora de Cao bekannt. Die Forschenden untersuchten per DNA- und Isotopenanalysen der Knochen und Zähne die familiären Beziehungen und die Herkunft der Toten.

Die Auswertungen ergaben, dass alle sechs Individuen biologisch miteinander verwandt waren. Sie gehörten zu einer Familie, deren Stammbaum sich über mindestens vier Generationen erstreckte. Drei der vier Erwachsenen waren Männer zwischen 20 und 30 Jahren, eingewickelt in Kleidung und Tücher. Darunter waren zwei Brüder der Señora de Cao sowie ein Großvater, der rund 40 Jahre vor den anderen Toten starb, wie die DNA-Analysen belegen. Die Señora war ebenfalls um die 30 Jahre alt. Sie lag in einem Grab etwas abseits, in noch mehr Tücher gehüllt und mit weitaus mehr und höherwertigeren Grabbeigaben als die Männer, darunter zeremonielle Speerschleudern und Keulen, goldene Kronen und Nasenschmuck. „Die männlichen Waffen und Nasenschmuck und die weiblichen Gegenstände lassen darauf schließen, dass die Señora de Cao einen sehr hohen Status hatte“, so Quilter und seine Kollegen. Von den Männern wurde nur ein Bruder der Señora zusammen mit reichlich Federn, Metall- und Keramikschmuck begraben, die anderen hatten kaum Grabbeigaben. Das lässt „darauf schließen, dass die Vorstellungen von Reichtum und Status in der Moche-Kultur kompliziert waren“, so das Team.

Neffe und Nichte als Grabbeigabe geopfert

Bei den etwa zwölf bis 15 Jahre alten Jugendlichen in den Gräbern handelte es sich um einen Neffen und eine Nichte der Señora – die Kinder ihrer beiden Brüder. Während der Junge bei seinem Vater lag, lag das Mädchen jedoch nicht bei seinem Vater, sondern seiner Tante. Der Zustand und die Lage der Gebeine der beiden Jugendlichen legen zudem nahe, dass diese als Opfergabe den Erwachsenen beigelegt wurden: Sie lagen nicht wie die anderen Toten flach auf dem Rücken, sondern zusammengekrümmt in den Gräbern. „Eine Kordel um den Hals weist auf den Tod durch Strangulation hin, eine bekannte Form der Menschenopferung in der Moche-Kultur“, wie Quilter und seine Kollegen berichten. Für einen Opfertod der Jugendlichen spricht auch, dass bis auf den Großvater alle Toten in etwa zur selben Zeit starben und begraben wurden.

Die meisten der Toten sind wahrscheinlich in der Nähe des Tempels im Chicama-Tal aufgewachsen, wie die Isotopenanalysen ergaben. Sie ernährten sich auch auf ähnliche Weise und aßen viel Mais und Proteine von Meerestieren. Die Nichte der Señora ernährte sich hingegen anders und lebte vor ihrem Tod an einem Ort außerhalb des Chicama-Tals, fern ihres Elternhauses, wahrscheinlich im Hochland der Anden. „Dass eine nahe Verwandte weit weg aufwuchs und dann zusammen mit ihrer Verwandten geopfert wurde, bietet viele Denkanstöße. Es untermauert andere Hinweise, wonach sowohl die lokale als auch die interregionale Politik der Moche stark auf Verwandtschaft basierte“, so Quilter und seine Kollegen.

Wichtige Rolle von Frauen und Verwandten bei den Moche

Die Archäologen schließen aus den Funden, dass die Moche-Eliten nicht nur wie vermutet eng miteinander verwandt waren, sondern auch rituelle Opferungen durchführten, an denen nahe Verwandte beteiligt waren. Die Funde in Peru sind der erste direkte Beweis für ein solches Opferritual. Es könnte der „Stärkung der familiären Bindungen und Verbindung des Verstorbenen mit den Vorfahren und dem Göttlichen“ gedient haben, vermutet das Team. Zudem bestätigen die Befunde, dass Frauen bei den Moche einen hohen Status innehatten: „Die Entdeckung der Señora de Cao hat gezeigt, dass Frauen zur Zeit der Moche tatsächlich einen hohen Rang innehatten – und zwar mindestens zwei Jahrhunderte vor der Zeit von San José de Moro (wo die Moche Priesterinnen bestatteten) und tausend Jahre vor den spanischen Berichten über politisch bedeutende Frauen“, schreibt das Team.

Quelle: Jeffrey Quilter (Harvard University); Proceedings of the National Academy of Sciences, doi: 10.1073/pnas.2416321121

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