Bienen: Mehr Parasiten durch blühende Monokulturen

Große blühende Felder ziehen Bienen an und bieten ihnen für eine kurze Zeit im Jahr reichlich Nahrung. Doch wie wirken sich landwirtschaftlich angebaute Blühpflanzen auf die Gesundheit der Bienen aus? Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass blühende Monokulturen zwar tatsächlich die Anzahl der Wildbienen erhöhen, allerdings auch zur Ausbreitung von Parasiten beitragen. Abhilfe können den Forschern zufolge vielfältige, nicht-landwirtschaftlich genutzte Blühpflanzen in der Umgebung schaffen.

Weltweit nehmen Monokulturen in der Landwirtschaft zu. Neben nicht-blühenden Pflanzen wie Getreide werden dabei auch zahlreiche Blühpflanzen angebaut, darunter Sonnenblumen, Raps und Obstbäume. Für eine kurze Zeit im Jahr blühen alle Pflanzen einer Monokultur gleichzeitig und bieten damit eine reiche Nahrungsquelle für Insekten – oft in ansonsten kargen Lebensräumen. Professionelle Imker bringen ihre Honigbienen zur passenden Zeit zu den blühenden Felden. Doch auch Wildbienen werden von dem großen Blütenangebot angezogen. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass blühende Monokulturen einen positiven Einfluss auf die Populationsgröße der Wildbienen haben können. Gesundheitliche Aspekte der Insekten wurden allerdings bislang wenig berücksichtigt.

Wie Monokulturen Bienen beeinflussen

Ein Team um Hamutahl Cohen von der University of Oregon hat nun analysiert, wie sich Sonnenblumen-Monokulturen in Nordkalifornien auf das Vorkommen und die Parasitenlast von Wildbienen auswirken. Dabei bezogen die Forscher auch ein, welche Pflanzen in der Nahumgebung des Feldes blühten. Dazu sammelten sie einen Sommer lang in etwa wöchentlichem Abstand Wildbienen auf sechs Feldern mit Sonnenblumen und sechs Feldern mit nicht-blühenden Pflanzen, davon jeweils die Hälfte mit eigens angelegten blühenden Randstreifen oder Hecken am Feldrand, die andere Hälfte mit unbewirtschaftetem Unkraut am Feldrand.

Insgesamt fingen Cohen und ihre Kollegen 3376 Wildbienen von 35 verschiedenen Arten. In Übereinstimmung mit früheren Studien stellten sie fest, dass die Massenblüte der Monokulturen einen positiven Einfluss auf die Anzahl der Wildbienen hatte: Zur Hauptblütezeit der Sonnenblumen im Juli fanden sie auf den Feldern die meisten Tiere. Der Effekt zeigte sich auch jahresübergreifend: In Gebieten, in denen im Vorjahr Sonnenblumen angebaut worden waren, fanden sich bereits zu Beginn der Saison mehr Wildbienen – wahrscheinlich, weil die hohe Nahrungsverfügbarkeit im Vorjahr für mehr Nachwuchs bei den Wildbienen gesorgt hat.

Mehr Bienen, mehr Parasiten

Die weiteren Analysen ergaben jedoch, dass die blühenden Monokulturen auch Nachteile für die Wildbienen haben. 1509 der gefangenen Bienen untersuchten Cohen und ihre Kollegen auf Parasiten. Mehr als vier von fünf Bienen hatten mindestens eine Art von Parasiten. „Das Vorhandensein von Parasiten bei Wildbienen stand in einem signifikant positiven Zusammenhang mit der Anzahl der Bienen“, berichten die Forscher. Kamen also durch eine Sonnenblumen-Monokultur besonders viele Bienen miteinander in Kontakt, erhöhte sich auch das Risiko für die Ausbreitung von Parasiten.

Doch Cohen und ihre Kollegen identifizierten auch einen möglicherweise schützenden Faktor: „Erfreulicherweise milderten die nicht landwirtschaftlichen Blütenressourcen die Parasitenprävalenzraten. Mit zunehmender Blütenfülle an einem Standort nahm der positive Effekt der Bienenanzahl auf den Parasitismus ab, sodass an Standorten mit der höchsten Blütenfülle die Beziehung zwischen Bienenanzahl und Parasitenvorkommen sogar negativ war“, schreiben sie. Der Grund: „Wenn die Blütenfülle groß ist, können sich die Bienen über die Ressourcen verteilen, und die Wahrscheinlichkeit, dass eine einzelne Biene auf ein infiziertes Individuum trifft, ist geringer.“

Vielfältige Nahrungsquellen wiederherstellen

Auch die Vielfalt des Nahrungsangebots könnte den Autoren zufolge eine Rolle spielen: „Bienen in blütenreichen Umgebungen können mehr Pollenarten sammeln, und es wurde festgestellt, dass die Pollenvielfalt die Ernährung verbessert und die Anfälligkeit gegenüber Parasiten senkt.“ Sie empfehlen daher, neben blühenden Monokulturen möglichst viele alternative Nahrungsquellen für Wildbienen zu schaffen. „Wir gehen davon aus, dass Diversifizierungsmaßnahmen wie das Anlegen von blühenden Hecken gesunde Wildtierpopulationen in der Landwirtschaft fördern können, insbesondere wenn sie in der gesamten Landschaft in einem hohen Verhältnis zu intensiv bewirtschafteten Flächen eingesetzt werden“, so die Forscher.

„Einige Studien kamen zu dem Schluss, dass massenhaft blühende Pflanzen die Bienendichte erhöhen – wir haben jedoch festgestellt, dass dies offenbar die Präsenz von Parasiten bei Wildbienen verstärkt. Wir warnen daher vor der Schlussfolgerung, dass Massenblühkulturen gesunde Bienenpopulationen fördern können“, fassen Cohen und ihre Kollegen zusammen. „Auch wenn die Wiederherstellung und Diversifizierung landwirtschaftlicher Lebensräume mit Herausforderungen verbunden sind, unterstreicht diese Studie, wie wichtig diese Maßnahmen für die Eindämmung der Ausbreitung von Krankheiten sind.“

Quelle: Hamutahl Cohen (University of Oregon, USA) et al., Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, doi: 10.1098/rspb.2021.1369

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