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#„Bild“-Chefin will, dass sich Döpfner entschuldigt – „eigentlich“

„Eigentlich“, schreibt die neue Chefredakteurin der „Bild“, Marion Horn, „ist eine Entschuldigung fällig, Chef!“ Ihr Chef, das weiß jeder, ist der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner. Und wofür er sich nach Ansicht Marion Horns entschuldigen sollte, dürfte auch bekannt sein: für die SMS-oder Whatsapp-Nachrichten, die er dem früheren „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt geschickt hat.

Zwischen Döpfner und Reichelt herrscht Krieg

Michael Hanfeld

verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

Eine Auswahl aus diesen hat die „Zeit“ am Donnerstag verbreitet. Von wem die Zeitung diese erhalten haben könnte, lässt sich unschwer erraten. Zwischen Döpfner und seinem früheren Günstling Reichelt herrscht Krieg. Springer denkt über juristische Schritte gegen Reichelt nach, an dem Döpfner trotz Vorwürfen des Machtmissbrauchs lange festgehalten hatte.

Von möglichem Schadensersatz in Millionenhöhe ist die Rede. Reichelt wiederum wappnet sich juristisch gegen Springer mit einer potentiellen Gegenoffensive. Sein Anwalt Ben Irle will die Umstände von Reichelts Entlassung, wie ihn der „Tagesspiegel“ zitiert, „aufbohren“: „Wir können unserer Auffassung nach strafrechtliches Relevantes nachweisen“, sagt der Anwalt.

Wäre das so, würde sich der Verdacht bestätigen, den man bei Springer hegt: Reichelt könnte interne Dokumente eingepackt haben, um diese gegen seinen früheren Gönner Döpfner zu verwenden. Das Zitatpotpourri in der „Zeit“, bei der Reichelt auffallend gut wegkommt, könnte der Auftakt einer Schlammschlacht sein, die ans Existenzielle geht. Wenn am 19. April das Buch „Noch wach?“ von Benjamin Stuckrad-Barre erscheint, einem weiteren ehemaligen Intimus von Mathias Döpfner, dürfte bei Springer abermals Feuer unterm Dach sein.

Mit Rücktrittsforderungen konfrontiert: Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Springer-Konzerns


Mit Rücktrittsforderungen konfrontiert: Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Springer-Konzerns
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Bild: dpa

Die Herren, die einander einmal so zugetan waren, befinden sich offensichtlich im Endkampf. Stuckrad-Barre hat Reichelt bekämpft, Döpfner hat Reichelt gegen alle Kritik und Widerstände verteidigt, jetzt folgt die kalte Rache des verstoßenen Ex-„Bild“-Chefs. Sollte sein Anwalt tatsächlich „strafrechtlich Relevantes“ finden, was den Umgang Springers mit Reichelt betrifft, könnte dies bedeuten, dass für Döpfner sein langes Festhalten an Reichelt zum Bumerang wird – hingefeuert ausgerechnet vom Rechtsvertreter desjenigen, den er länger im Amt hielt als viele ihm rieten. Das publizistische Sprungbrett für diese Übung bildet die „Zeit“.

Profiteurin des Gemetzels

Marion Horn dagegen ist vorläufig die späte Profiteurin des Diadochen-Gemetzels. Nach Reichelts erzwungenem Abgang setzte Springer-Chef Döpfner den Journalisten Johannes Boie, bis dahin Chefredakteur der „Welt am Sonntag“, im Oktober 2021 als Feuerwehrmann an die Spitze der „Bild“-Redaktion. Vor vier Wochen, am 16. März, servierte Döpfner dann Boie ruckzuck ab, ebenso die altgedienten Springer-Führungsleute Alexandra Würzbach und Claus Strunz. Noch am selben Tag marschierte Marion Horn, die von 2013 bis 2019 die „Bild am Sonntag“ geleitet hatte, in die Redaktion der „Bild“, leitete die Blattkonferenz und machte die Zeitung für den nächsten Tag.

Ex-„Bild“-Chef Julian Reichelt hat mit Springer offenbar noch lange nicht fertig.


Ex-„Bild“-Chef Julian Reichelt hat mit Springer offenbar noch lange nicht fertig.
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Bild: dpa

Das dürfte auch das zaghafte „eigentlich“ erklären, mit dem Marion Horn ihren Chef zu einer Entschuldigung auffordert. „Eigentlich“ hat etwas sehr Uneigentliches. Eine Entschuldigung ist entweder fällig oder sie ist es nicht – ohne „eigentlich“. Liest man Marion Horns Aufforderung, fragt man sich am Ende sogar: Wofür und bei wem soll sich Döpfner – eigentlich – nach Horns Dafürhalten entschuldigen? Für seine Äußerungen, insbesondere das „Ossi“-Bashing, oder für die missliche Lage, in der „Bild“ und Springer nun stecken?

„Mir gefällt das auch nicht“

Mit in Richtung „Chef“ freundlicher Vorwärtsverteidigung formuliert Marion Horn auch ihre eigene Selbstbehauptung und die der „Bild“-Redaktion. „Die Veröffentlichung von privaten Nachrichten unseres Vorstandschefs verunsichern das ,Bild‘-Team, unsere Familien, Freunde und unsere Leser. Viele sind wütend, weil er sich z. B. respektlos über Ostdeutsche geäußert hat. Mir gefällt das auch nicht“, lesen wir da. „Ja, Mathias Döpfner hat Sätze gesimst, die so wie sie dastehen, absolut nicht in Ordnung sind“, schreibt Horn in ihrem Kommentar in eigener Sache. „Aber das ist nicht, was wir bei ,Bild‘ oder in diesem Verlag denken.“ Und, ganz wichtig: „Ich lasse mir von niemandem sagen, was ,Bild“ zu schreiben hat. Ich kenne in diesem Haus auch keinen Journalisten, der das tut.“

In diesem Sinne hatte sich schon Döpfner in seinem internen Memo an die Mitarbeiter geäußert: Selbstverständlich nehme er Einfluss und gehe in den Meinungsstreit mit den Chefredakteuren. Was bei „Bild“, „Welt“, „BamS“ und „WamS“ veröffentlicht werde, sei aber ganz allein in deren Verantwortung gestellt. Das bestätigt dann auch wiederum Marion Horn in ihrem Text, wenn sie schreibt: „Jeder weiß, wofür ,Bild‘ steht. Wir leben unsere Werte und Leitsätze. Unser erster Grundsatz ist das Eintreten für die Freiheit. Das bedeutet auch, dass ,Bild‘ frei darin ist, so zu berichten, wie ,Bild‘ es für richtig hält. Und diese Freiheit verteidigt Mathias Döpfner jeden Tag, auch gegen Widerstände aus Politik, Wirtschaft und Kultur.“

Einer für alle, alle für das Eine, soll das wohl heißen. Wie weit es trägt, wird sich noch erweisen. Bei Springer wandeln sie zurzeit alle auf dünnem Eis.

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