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#Bis zum Schluss ein großer Kämpfer

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Bis zum Schluss ein großer Kämpfer

Die Parallelen sind unverkennbar. Dies war Elfriede Roth sofort klar, als sie Ende 2013 von Michael Schumachers Skiunfall hörte und peu á peu die dramatischen Konsequenzen bekannt wurden. Da kamen sofort Erinnerungen an den Unfall ihres Mannes Reinhold Roth auf. Der Oberschwabe aus Amtzell war am 17. Juni 1990 bei einem Motorrad-Rennen in Rijeka verunglückt. Der zweimalige WM-Zweite in der Klasse bis 250 Kubikzentimeter war einem langsam fahrenden Konkurrenten beim Überholen auf dessen Motorrad geprallt.

Roth erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Weil die medizinische Versorgung am Ort schlecht war, blieb er fünfeinhalb Minuten ohne Sauerstoff. Zehn Prozent Überlebenschance hatten die Ärzte dem damals 37-Jährigen gegeben. Roth überlebte und zahlte doch einen hohen Preis. Und so musste Elfriede Roth Jahre später an Corinna Schumacher denken: „Sie durchlebt wirklich die gleichen Gefühle, die ich auch durchlebt habe“, erzählte Roth in einer Talkshow.

Elfriede Roth musste ihr Leben nach dem Schicksalsschlag völlig neu organisieren. Neben der Pflege sorgte sie auch dafür, dass ihr Sohn, Matthias Roth, der damals sechs Jahre alt war, nicht zu kurz kam. Zufrieden sagte sie später: „Ich habe unser Leben ganz gut gemeistert.“ Während Michael Schumacher seit dem Unfall jedoch von der Öffentlichkeit abschirmt wird, ging Elfriede Roth mit dem Schicksalsschlag ihres Mannes sehr offen um. Im Gegensatz zum Rekord-Formel-1-Weltmeister war ihr Mann allerdings längst nicht so berühmt als zweimaliger Zweiter einer WM-Wertung und das Interesse der Öffentlichkeit entsprechend geringer.

Herausforderung angenommen

Auch mit Journalisten sprach sie ausführlich über die gesundheitlichen Fortschritte ihres Mannes. Etwa, dass er nach sieben Jahren wieder ein Wort gesprochen habe. Und als er sitzen konnte, wurde er jeden Tag im Rollstuhl spazierengeschoben. Aber sie hat auch gestanden: „Die ersten drei Jahre waren hart, zuerst funktionierst du nur.“ Große Unterstützung fand Elfriede Roth in ihrer Familie und im Glauben, wie sie regelmäßig sagte.

Niemals hat Elfriede Roth mit ihrem Schicksal gehadert. Oder den Beruf ihres Mannes verdammt. „Wir haben 16 wunderschöne Jahre miteinander verbracht“, sagt sie noch heute, „und er hat mir so viel geboten, da müssen andere 80 Jahre alt werden und haben dann nicht so intensiv gelebt wie wir.“

Reinhold und Elfriede Roth im Jahr 1997


Reinhold und Elfriede Roth im Jahr 1997
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Bild: Picture-Alliance

Noch vor dem Unfall hatte die Familie Roth ein Grundstück in Amtzell gekauft. Der Baubeginn des Hauses im mediterranen Stil erfolgte anschließend. Für Reinhold Roth wurde ein eigener Bereich angelegt. An der Wand hing seine gelb-weiße Lederkombi, auf einem Regal standen einige seiner Pokale. Und es gab auch ein Zimmer eigens für die Physio- und Ergotherapie. „Ich wollte, dass Reinhold jeden Tag gefordert wird“, sagte sie. Und der ehemalige Sportler hat die Herausforderung angenommen.

Herausfordernd war schon der Beginn seiner Laufbahn. Mit wenig Geld musste er klarkommen und immer wieder Rückschläge erleiden, weil er kein konkurrenzfähiges Material bekommen hatte. Erst als Roth 1987 dank der Unterstützung eines Sponsors, sinnigerweise ein Zigarettenhersteller für den Kettenraucher Roth, der deshalb von allen nur „Jointie“ genannt wurde, zum Werksfahrer aufstieg, avancierte er zum Siegfahrer. Seinen mühevollen Aufstieg hat er nie vergessen, für die Fans nahm er sich immer Zeit, machte auch gerne Späße mit ihnen.

Gerne erzählte Elfriede Roth auch von einem ganz besonderen Traum: „Da war ein großes Maisfeld, er steht an der Türe, Gott vor ihm. Matthias und ich stehen weit weg, wie so kleine Pünktchen – und dann schickt Gott ihn zurück zu uns und Reinhold kommt mühsam, mit ganz kleinen Schritten auf uns zu. Das war unser Leben: viele kleine Schritte und mühsam – vor allem für Reinhold.“ Am Freitag hat Reinhold Roth seinen langen Kampf verloren. Im Kreis seiner Familie ist er mit 68 Jahren friedlich eingeschlafen.

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