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#Brüssel gibt grünes Licht für sechsten Corona-Impfstoff

„Brüssel gibt grünes Licht für sechsten Corona-Impfstoff“

In der Europäischen Union stehen jetzt sechs Corona-Impfstoffe zur Verfügung. Die EU-Kommission hat am Freitag als neue Option das Präparat des französisch-österreichischen Herstellers Valneva für die eingeschränkte Verwendung in der EU genehmigt. Weil es auf inaktivierten Viren beruht, wird es auch als „Totimpfstoff“ bezeichnet.

Verabreicht werden darf das Vakzin an eine Altersgruppe zwischen 18 und 50 Jahren. Es handelt sich um die erste Genehmigung eines neuen Impfstoffs seit einem halben Jahr. Zugleich erweiterte die EU-Arzneimittelagentur EMA ihre Empfehlung für den Impfstoff Nuvaxovid des amerikanischen Herstellers Novavax , der bisher nur für Erwachsene freigegeben war, auf die Altersstufe von 12 bis 17 Jahren. Neben diesem sind in der EU bislang die Corona-Vakzine von Biontech/Pfizer, Moderna, Astra-Zeneca sowie Johnson & Johnson zugelassen.

Am Donnerstagabend hatte die EMA die Genehmigung des Valneva-Vakzins empfohlen. Die Daten aus den Impfstudien mit diesem seien robust und erfüllten die EU-Kriterien für Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität, teilte die EMA mit. An der Studie, die auf einem Vergleich mit dem Astra-Zeneca -Vakzin beruhte, waren knapp 3000 Testpersonen im Alter von über 30 Jahren beteiligt. Nach EMA-Angaben der Agentur löst das Valneva-Präparat eine höhere Produktion von Antikörpern gegen den ursprünglichen Stamm des SARS-CoV-2-Virus aus als das Astra-Zeneca-Präparat.

Offen ist indes, wie viel Valneva mit der Genehmigung anfangen kann. Die EU-Kommission hatte im Mai über ihre Absicht informiert, den Bestellvertrag mit Valneva möglicherweise zu kündigen. Der Vertrag erlaubt eine Kündigung, da bis Ende April keine Zulassung erfolgt war. Einzelne Mitgliedstaaten hatten aber signalisiert, an dem Impfstoff weiter interessiert zu sein.

Valneva-Gründer hofft, Impfskeptiker zu überzeugen

Darauf setzt der Valneva-Gründer und -Geschäftsführer Thomas Lingelbach. „Inaktivierte Impfstoffe sind die verträglichsten, die es gibt. Deshalb denken wir, dass sie einen Teil der 15 Prozent der erwachsenen Europäer überzeugen könnten, die noch nicht geimpft sind“, sagte er im Gespräch mit der F.A.Z. Da es ähnlich strukturiert ist wie traditionelle Grippe-Impfstoffe, hofft der Valneva-Chef mit seinem Vakzin nicht zuletzt Menschen anzusprechen, die den auf der neueren mRNA-Technologie basierenden Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna sowie den Vektorimpfstoffen von Astra-Zeneca und Johnson & Johnson skeptisch gegenüberstehen. „Gewisse Leute haben Sorgen über die Nebenwirkungen von Impfstoffen auf mRNA-Technologie“, sagt Valneva-Chef Lingelbach. „Deshalb glauben wir, dass sie eine konventionellere Technologie wählen könnten.“ Ähnliche Hoffnungen haben sich in Deutschland mit dem Impfstoff Novavax allerdings nicht erfüllt, die Nachfrage von vorherigen Impfskeptikern blieb niedrig. Gegenüber Novavax hebe sich man sich jedoch ab, sagt Lingelbach: So simuliere das Valneva-Präparat als Ganzvirus-Impfstoff eine natürliche Infektion noch besser, weil es sich um einen Ganzvirus-Impfstoff handelt, der komplette Coronaviren enthält – während das Novavax-Präparat „nur“ proteinbasiert ist.

Produziert werden soll das Vakzin von Valneva in erster Linie im eigenen Werk in Schottland. Abgefüllt werden soll es in Schweden. Schon zugelassen ist es in Großbritannien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Für Valneva, das in Saint-Herblain bei Nantes sitzt, sein Forschungs- und Entwicklungszen­trum in Wien hat und vor neun Jahren durch den Zusammenschluss des österreichischen Impfstoffherstellers Intercell mit Vivalis aus Frankreich entstand, ist die Zulassung in der EU ein Befreiungsschlag.

Die Aktie des Unternehmens hat turbulente Monate hinter sich und hatte zwischen Mitte Dezember und Mitte Juni rund 70 Prozent an Wert verloren. Nach den positiven Nachrichten von dieser Woche legte sie deutlich zu. Dazu trug bei, dass der amerikanische Pharmakonzern Pfizer bei Valneva für 90,5 Millionen Euro 8,1 Prozent der Anteile erworben hat.

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