Camp Mystic in Texas war zu nah am Ufer gebaut

Camp Mystic in Texas war zu nah am Ufer gebaut

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Die amerikanische Bundesbehörde für Katastrophenschutz (FEMA) soll in den vergangenen Jahren wiederholt Auflagen für das Ferienlager Camp Mystic in Texas gelockert haben, in dem bei der Sturzflut am 4. Juli mindestens 27 Kinder und Betreuer ums Leben kamen. Nach Recherchen der Nachrichtenagentur The Associated Press (AP) hatte die Behörde das Camp am Ufer des Flusses Guadalupe im Jahr 2011 als „Region mit besonderer Flutgefahr“ ausgewiesen. Laut der Klassifizierung liegt die Gefahr einer Überschwemmung jedes Jahr bei etwa einem Prozent. Auf Antrag der Betreiber des Lagers hatte FEMA die Flutkarte 2013 aber so umgeschrieben, dass etwa 15 Gebäude nicht mehr in der Gefahrenzone lagen. Die Häuser gehörten zu den Gebäuden, die im Bezirk Kerr durch den Guadalupe zerstört wurden. Nach Anträgen der Campbetreiber strich FEMA in den Jahren 2019 und 2020 etwa ein Dutzend weitere Gebäude aus dem Flutplan. Die Häuser gehören zu einer zweiten, neueren Anlage, genannt ­Cypress Lake, die höher liegt und am 4. Juli zum größten Teil verschont blieb.

Von Sturzflut überrascht

Der ältere Teil des christlichen Ferien­lagers für Mädchen, das 1926 gegründet wurde, war am frühen Morgen des amerikanischen Unabhängigkeitstags nach heftigen Regenfällen von einer Sturzflut überrascht worden. Dabei kam auch der Betreiber des Ferienlagers, Dick Eastland, ums Leben. Der Vierundsiebzigjährige soll bei dem Versuch, eine Gruppe von Kindern auf eine Anhöhe zu führen, von den Fluten mitgerissen worden sein. Insgesamt kamen bei der verheerenden Sturzflut mindestens 129 Personen ums Leben. Etwa 160 Bewohner und Urlauber galten am Dienstag weiterhin als vermisst. Nach einer weiteren Sturzflut­warnung hatten die Einsatzkräfte die ­Suche am Sonntag vorerst ausgesetzt.

Fachleute wie Sarah Pralle von der ­Syracuse-Universität in New York verwiesen derweil auf die verbreitete Praxis der Katastrophenschutzbehörde, Karten zu Überschwemmungsgebieten auf Antrag von Eigen­tümern und Gemeinden zu entschärfen. Auf diese Weise würden Versicherungsbeiträge niedrig gehalten. Auch müssten für Gebäude, die außerhalb der „Floodplain“ liegen, weniger baurechtliche Auflagen befolgt werden.

Laut Pralle stimmt die FEMA etwa neun von zehn Anträgen zu. „Es ist mir ein Rätsel, warum die Gebäude von Camp Mystic nicht von vornherein weiter von der Gefahr entfernt errichtet wurden. Warum dann auch noch ein Antrag auf Änderung der Karte des Flutgebiets gestellt wurde, erschließt sich mir nicht“, sagte die Wissenschaftlerin, die zu den Voraussetzungen für Flutkarten forscht, dem Sender CBS. Gerade bei einem Ferienlager für Kinder sei dieses Vorgehen kaum nachvollziehbar.

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