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„Da lacht nicht nur der Erleuchtete“
Man kann in dieser Edeka-Filiale das tun, was man in jeder Edeka-Filiale tun kann: den Einkaufskorb mit Dosenravioli, Tiefkühlpizza oder Gummibärchen füllen und kurz vor der Kasse noch schnell beim Tchibo-Stand vorbeischauen. Man kann sich aber auch in der Pasta-Manufaktur handgemachte Strozzapreti einpacken lassen, beim eigens aus Spanien eingeflogenen Schinkenschneider von den kostbarsten Jabugos naschen oder sich in der Champagner-Bar durch die größte Kollektion französischer Spitzenschaumweine zwischen Rhein und Oder trinken. Und als Gipfel des Genusses setzt man sich dann im Souterrain in Anton Pahls Gourmet-Restaurant „Setzkasten“, das die Edeka-Filiale Zurheide in der Düsseldorfer Innenstadt endgültig zum außergewöhnlichsten Supermarkt Deutschlands macht.

Heinz Zurheide betreibt ein halbes Dutzend Edeka-Läden in Nordrhein-Westfalen, legt als fanatischer Feinschmecker größten Wert auf Feinkost in seinem Sortiment, unterhält in allen Filialen auch Gastronomien und stellte 2008 den jungen Anton Pahl ein, obwohl er nicht den klassischen Lebenslauf ambitionierter Jungköche vorweisen konnte. Pahl hatte sich im Schwäbischen die Grundlagen der klassischen Grande Cuisine angeeignet, in allen möglichen Küchen vom Altersheim bis zum Sternehaus gearbeitet und nirgendwo einen prägenden Lehrmeister gefunden – was sich als Glück erweisen sollte, als Zurheide ihm vor zwei Jahren die Küchenleitung in der neueröffneten Düsseldorfer Filiale anbot.

Anton Pahl: Der Sterne-Koch hat seinen feinen Gaumen schon oft unter Beweis gestellt.
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Bild: dpa
Dort sollte er nach dem Willen seines Chefs kräftig auf die Pauke hauen, und Pahl tat es mit der Verve eines Oskar Matzerath, ertrommelte sich 2019 sechzehn Gault-Millau-Punkte, 2020 seinen ersten Michelin-Stern und hat im Rekordtempo aus dem „Setzkasten“ das einzige Feinschmeckerlokal in einem deutschen Supermarkt gemacht. Es bietet aber nicht nur Degustationsmenüs an, sondern auch dreigängige Mittagessen für zwanzig Euro – serviert in namensgebenden Setzkästen – als Brücke für Jung-Gourmets mit schmalem Portemonnaie in die Welt der Feinschmeckerei.
Er bedient sich einfach in der Edeka-Filiale
Anton Pahl kocht im Schlaraffenland. Er hat kein Lager und kaum eigene Lieferanten, sondern tritt einfach vor die Tür und bedient sich in den Regalen der Edeka-Filiale – und wäre schön dumm, wenn er sich im Angesicht dieser Fülle doktrinäre Fesseln anlegte. Er kennt keinen Null-Kilometer-Radikalregionalismus, hat stattdessen eine Truppe aus neun Nationen um sich geschart, ist allein schon deswegen für alles offen, schreckt vor keiner Verrücktheit zurück und will vor allem, dass seine Gäste genauso viel Spaß haben wie er. Eine verlässliche Grundlage dafür schaffen auch die tausend Positionen in der Weinabteilung des Supermarkts vom Sangre de Toro für 7,30 Euro bis zu Álvaro Palacios Spitzengewächsen aus dem Priorat für vierstellige Summen. Gegen ein kleines Korkgeld kann man sich das alles im Restaurant servieren lassen.
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