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Wissensbuch des Jahres 2025 in der Kategorie ZÜNDSTOFF
Bis Mitte des letzten Jahrhunderts hatten ein paar wenige Länder den Planeten unter sich aufgeteilt. Sie nutzten den globalen Süden aus, indem sie dessen Rohstoffe ausbeuteten und unterbezahlte Menschen für sich arbeiten ließen. Mit der Entlassung afrikanischer und südamerikanischer Staaten aus der Unterdrückung schien sich die Welt auf das Ende einer langen Epoche des Kolonialismus zuzubewegen.
Doch diese Zeiten sind längst wieder da – ihre Machtmechanismen in Tat und Wahrheit nie verschwunden. Aktuell mag es weniger um Gold oder Diamanten gehen. Stattdessen wird Lithium in Bolivien oder Kobalt im Kongo geschürft, um unsere Handys am Laufen zu halten. Tagelöhner des Computerzeitalters rackern sich in „digitalen Sweatshops“ am Rohstoff Daten ab, sie helfen bei der Optimierung von Suchmaschinen und Künstlicher Intelligenz. Die Macht in diesem Gefüge üben nicht Staaten aus, sondern Tech-Konzerne, die von der Spitze einer global vernetzten Welt aus die sozialen Medien kontrollieren, Demokratien unterlaufen, ihnen wohlgesinnte Potentaten päppeln, bewaffnete Konflikte fördern.
Der Journalist Dachwitz und der Globalisierungsexperte Hilbig zeigen in ihrem Buch auf, wie die Digitalisierung längst zu einem ebenso mächtigen Instrument geworden ist wie die Praktiken der alten Kolonialstaaten mit ihren Formen der Ausbeutung. Was man vor dem Lesen noch für ein dystopisches Gesamtbild gehalten hätte, machen die jüngsten Entwicklungen in den USA und die Ambitionen Chinas Tag für Tag realer.
Urs Willmann
Ingo Dachwitz, Sven Hilbig
Digitaler Kolonialismus
Wie Tech-Konzerne und Großmächte die Welt unter sich aufteilen
C.H.Beck, 351 S., € 28,–
ISBN 978-3-406-82302-2
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