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„Das ist wahrer Reise-Luxus!“
Am Anfang vieler Reisen steht ein Missverständnis: Sie sollen einen hohen Erholungswert bieten und nicht alltäglich sein; sie sind das aber angeblich nur, wenn sie in die Ferne führen, am besten in andere, wärmere Klimazonen, mit anderen Tieren und Pflanzen und in eine andere Kultur. Um aber in der Fremde nicht zu fremdeln, sollen die Unterkünfte zumindest über die Annehmlichkeiten des eigenen Herkunftsortes verfügen oder am besten ein noch höheres Komfortlevel bieten.
Zeitgemäß ist diese Vorstellung nicht mehr wirklich: Fernreisen, zumal mit dem Flugzeug, haben eine denkbar miserable Umweltbilanz, was das Gewissen belasten kann, die Covid-19-Pandemie verkompliziert den Weg von A nach B derzeit auf absehbare Zeit noch zusätzlich. Muss der von Fernweh geplagte, bewusste Mensch deswegen nun zu Hause bleiben? In der Lekkerwater Beach Lodge im südafrikanischen Naturschutzgebiet De Hoop sieht man das nicht so, sondern entwickelt stattdessen neue Urlaubskonzepte für neue Bedürfnisse einer internationalen Klientel.
Endloser, feinsandiger Strand
Zunächst fällt die Anlage am Indischen Ozean durch ihre seltsame Lage auf: Zwar erstreckt sich zu den Füßen der sieben Hütten ein endloser, feinsandiger Strand. Aber baden kann man hier nicht, denn im Wasser tummeln sich Haie. Auch zum Surfen ist der Ort ungeeignet, den gleichmäßig heranrollenden Wellen zum Trotz. Aber die Idylle täuscht, unterhalb der Wasseroberfläche türmt sich eine messerscharfe Karstlandschaft. Und selbst für Strandliegen ist dies nicht der richtige Platz. Dafür ist es zu windig, und bei Flut bleibt nur noch ein schmaler Streifen.
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Aber das ist nicht alles. Die Lodge, die zum Portfolio von Natural Selection gehört, einem Anbieter für Luxuslodges in ganz Afrika, liegt knapp vier Stunden von Kapstadt entfernt. Auf den letzten 65 Kilometern, die durch das Naturschutzgebiet De Hoop führen, gibt es nichts. Kein Restaurant, keine Strandbar, erst recht keinen Shop, keine Nachbarn, gar nichts, außer endloser grünhügeliger, heide- und proteabewachsener Weite. Ab dem Naturschutzgebiet sind die Straßen für herkömmliche Pkw nicht befahrbar, ans Ziel gelangt man nur mit Vierradantrieb und einem beherzten Fahrer. Wer wissen will, warum der Südafrikaner Colin Bell ausgerechnet hier im vergangenen Frühsommer seine Hütten eröffnet hat, muss sich auf sein Verständnis von Luxus einlassen.
Exklusivität wird hier nicht durch eine möglichst breite Palette an Serviceangeboten bewiesen, auch nicht durch vielfältige Konsummöglichkeiten, sondern durch den kundig begleiteten Zugang zu einem von Menschen weitestgehend ungestörten Naturschutzgebiet. Angesichts von Covid-19 ist das schon mal eine modernere Form des Urlaubs. Schließlich sehnt sich aktuell kaum jemand in die typischen Fünf-Sterne-Hotels an touristischen Hotspots, in denen sich zu viele Leute zu eng auf die Pelle rücken – im Restaurant, wo der Starkoch das Essen zubereitet, am handgefliesten Pool oder im preisgekrönten Spa. Trotzdem ist das Angebot in Lekkerwater, das gerade mal sieben Zimmer für maximal 16 Gäste hat, zunächst einmal ungewöhnlich. Da wäre erst einmal der unkonventionelle Hotelier selbst, der Trekkingschuhe trägt, eine beigefarbene Cargohose und einen dunkelroten Fleecehoodie mit Reißverschluss von Patagonia. Seine Gäste begrüßt der 64-Jährige mit einem knappen, aber herzlichen „Willkommen zu Hause“.
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