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#Das perfekte Spiel bleibt unerreichbar

„Das perfekte Spiel bleibt unerreichbar“

Vom perfekten Spiel war vorher die Rede gewesen. An dieses unerreichbare Ideal, so hatte es unter anderem Kapitän Johannes Golla gesehen, hätte sich das deutsche Team sehr dicht annähern müssen in diesem Weltmeisterschafts-Viertelfinale. Zwischenzeitlich, vor allem in der ersten Hälfte, tat es das sogar gegen Rekordweltmeister und Olympiasieger Frankreich. aber schon bald nach der Pause konnten die Deutschen am Mittwochabend in Danzig Konzentration und Niveau nicht mehr hoch genug halten, so dass am Ende doch eine recht deutliche 28:35-Niederlage stand.

„In der zweiten Halbzeit haben wir zu viele Fehler gemacht. Wir müssen dieses Spiel erst mal verdauen“, sagte Bundestrainer Alfred Gislason am ZDF-Mikrofon, setzte aber hinzu: „Ich bin sehr stolz auf die Jungs, sie haben alles gegeben.“ Statt um Medaillen geht es nun am Freitag und Sonntag in Stockholm um die Plätze fünf bis acht. Zuletzt hatten die Deutschen bei der mit Dänemark geteilten Heim-WM 2019 ein Halbfinale erreicht. Das verloren sie jedoch in Hamburg gegen Norwegen, und dann auch das Spiel um Platz drei in Herning gegen Frankreich.

Diesmal blieb Gislason und seinem Team der schwache Trost, vielleicht wieder etwas näher an die Weltspitze herangerückt zu sein – allerdings auch nur mit einer Leistung wie in den ersten 30 Minuten. Nach einer ausgeglichenen und damit aus deutscher Sicht sehr starken ersten Hälfte, in der Gislasons Team zeitweilig sogar mit vier Toren in Führung lag, stand es 16:16. Es war eine ausgezeichnete Teamleistung, die sich auf viele, fast alle Schultern verteilte, und zu der Andreas Wolff im Tor wieder mit Händen und Füßen kräftig beitrug.

Dem deutschen Spiel ging die Luft aus

Nach der Pause sah es ein paar Minuten so aus, als könnten die Deutschen noch einmal davonziehen. Doch dann lief im Angriff praktisch gar nichts mehr zusammen, dem deutschen Spiel ging im wahrsten Sinne des Wortes die Luft aus. „Wir haben es 40 Minuten gut gemacht, dann brechen wir ein“, meinte Golla, mit sechs Toren bester Schütze der deutschen Mannschaft: „Das Ergebnis fällt etwas zu hoch aus.“ Sein Fazit: „Zur absoluten Weltspitze ist es noch ein weiter Weg.“

Nach dem Retro-Charme des „Spodek“ von Kattowitz war es in die eher kühle Funktionalität der Mehrzweck-Arena von Danzig gegangen. Den Faktor Atmosphäre mussten die deutschen Handballspieler gleich einmal weitgehend herausrechnen. Zwar waren sie schon noch im Stimmungsvorteil, aber das Trommeln und Tröten verlor sich ein bisschen in der deutlich größeren Halle. Ein Grund für die geringere atmosphärische Dichte: Diese WM erforderte an der Nahtstelle von Viertel- und Halbfinale eine beträchtliche Flexibilität in der Reiseplanung.

Wie es nach einem gewonnen Viertelfinale weitergegangen wäre, in Stockholm oder an Ort und Stelle in Danzig, hätten das deutsche Team und seine Fans erst am späten Abend erfahren, das dürfte auch Einfluss auf die Reiselust nach Danzig gehabt haben. Dahinter steckt die Zusicherung an den Mitgastgeber Schweden, sein Halbfinale in jedem Fall in Stockholm austragen zu können. Das tun sie nun – gegen Frankreich, in Danzig spielt Spanien gegen Dänemark.

Bevor es am Mittwoch überhaupt losging, mussten sich die Teams noch in ein wenig Extra-Geduld üben, das Spiel begann eine knappe halbe Stunde später, weil das Vorspiel in die zweite Verlängerung ging, am Ende hieß Spanien mit einem 35:34 über Norwegen der Sieger. Aber dann war das deutsche Team voll da. Gleich die ersten Aktionen brachten Selbstvertrauen, eine Parade von Wolff gegen Mem, ein, zwei gute Anspiele an den Kreis, etwa von Weber, ein schönes Tor von Mertens, hinten ein entschlossener Block von Golla – das hatte Hand und Fuß. Über 5:3 (5.) und 7:4 (8.) bauten die Deutschen ihren Vorsprung bis auf vier Tore aus: 11:7 stand es nach einer Viertelstunde.

Paul Drux war wieder mit von der Partie, er hatte gegen Norwegen erkältet passen müssen und seinem Team auch substantiell gefehlt, als robuste Alternative in der Deckung. Überhaupt war die Frage, wie es um die Kräfte stehen würde, insbesondere bei Knorr, der bislang Herausragendes geleistet hatte, dabei aber manchmal ein bisschen viel der Last auf den Schultern trug. Gislason spielte die Breite seines Kaders aus, wechselte viel und vielseitig: fast alle Deutschen waren im Spiel.

Schmerzhafte letzte Minuten

Aber plötzlich riss der Faden, ein bisschen zu viel Risiko, ein paar Fehler zu viel, und keine vier Minuten später hatten die Franzosen wieder ausgeglichen. Bis zur Pause wurde verbissen um die Führung gerungen, beim Stand von 15:14 kam Joel Birlehm erstmals für einen Siebenmeter aufs Feld und parierte gleich, aber die Franzosen holten jeden deutschen Ein-Tor-Vorsprung wieder ein.

Nach der Pause legten die Deutschen in Person von Golla zwei vor, und Groetzki vergab bei einem Gegenstoß das fast sichere 20:17. Womöglich war das der Knackpunkt. Kurz darauf, nach dem 20:18, musste Gislasons Team einen 0:5-Lauf hinnehmen: 20:23 (54.).

Mann des Abends: Frankreichs Desbonnet entnervt in der zweiten Halbzeit die deutschen Angreifer.


Mann des Abends: Frankreichs Desbonnet entnervt in der zweiten Halbzeit die deutschen Angreifer.
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Bild: Reuters

Bei den Franzosen wurde Torwart Remi Desbonnet, eigentlich Ersatzkeeper hinter dem zukünftigen Kieler Vincent Gerard, immer mehr zum Sieg bringenden Faktor. Acht Minuten ließ er gar keinen Treffer zu und brachte das deutsche Team damit um seine Siegchance. Desbonnet kam auf eine sensationelle Quote von 47 Prozent gehaltener Bälle und wurde folgerichtig als Mann des Spiels ausgezeichnet.

Immerhin: Auch nach dem 21:25 arbeiteten sich die Deutschen nochmal ein bisschen näher heran, doch es war zu sehen, wie schwer vieles nun fiel, die Wurfquote stimmte längst nicht mehr, die Fehler häuften sich. Das (fast) perfekte Spiel war nicht einmal mehr schemenhaft zu erkennen, es wurden stattdessen schmerzhafte letzte Minuten.

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