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#Das tote Mädchen gab es vielleicht nicht

„Das tote Mädchen gab es vielleicht nicht“

Maria hatte einen starken Charakter, war voller Träume, sagen ihre Eltern. Sie liebte Comics und wollte ein Fernsehstar werden. Nun ist Maria tot. Sie ist Anfang August an Europas Außengrenze gestorben, weil ihr griechische Behörden jede Hilfe versagten. Sie wurde gerade einmal fünf Jahre alt.“

Michael Hanfeld

verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

Mit diesem traurigen Befund und einer deutlichen Anklage beginnt der Bericht des „Spiegel“-Korrespondenten Giorgos Christides über das Schicksal der sogenannten „Evros 38“ Ende August. Unter dem Rubrum „Evros 38“ gelangte eine Gruppe syrischer Flüchtlinge in die Schlagzeilen internationaler Medien. 38 Flüchtlinge saßen zwischen Mitte Juli und Mitte August auf einer kleinen Insel mitten im griechisch-türkischen Grenzfluss Evros fest. Ein Mädchen namens Maria, fünf Jahre alt, sei dort an einem Skorpionbiss gestorben, weil die griechischen Behörden keine Hilfe leisteten. So hieß es bei NGOs, im „Spiegel“ und im britischen Sender Channel 4.

Zurzeit ist davon beim „Spiegel“ jedoch nicht mehr die Rede. Wer die fraglichen Artikel des Korrespondenten aufrufen will, bekommt seit dem 8. November einen Hinweis angezeigt. „An dieser Stelle“, heißt es nun, „befand sich ein Beitrag über das Schicksal einer Flüchtlingsgruppe am griechisch-türkischen Grenzfluss Evros im Sommer 2022. Mittlerweile gibt es Zweifel an der bisherigen Schilderung der damaligen Geschehnisse. Wir haben daher mehrere Beiträge zu diesem Thema vorläufig von unserer Website entfernt.“ Betroffen davon sind Berichte des Korrespondenten aus Griechenland; aus einem Kommentar zur Lage syrischer Flüchtlinge wurde ein Passus, der auf den Vorwurf Bezug nimmt, vorläufig gestrichen. Auf den Vorgang wurde zuerst die Fachpublikation „Medieninsider“ aufmerksam.

Gab es Maria überhaupt?

Ist auf der Insel im Grenzfluss Evros ein Mädchen gestorben? Gab es Maria überhaupt? Folgt man den Beiträgen des „Spiegel“ und dem Film von Channel 4, besteht daran kein Zweifel. Die Eltern des Kindes und andere aus der Gruppe der Geflüchteten sagen dies aus. Im Film von Channel 4 sind Aufnahmen aus einem Handyvideo zu sehen, das eine Frau aus der Gruppe aufgenommen und als Hilferuf verschickt hatte. Sie schildert, die Insel, auf der sie und die anderen festsäßen, sei von Schlangen, Skorpionen und Insekten bevölkert. Zwei Standaufnahmen zeigen geschwollene Gliedmaßen von Kindern, die angeblich einen Skorpionbiss erlitten. Ein neunjähriges Mädchen sei in kritischem Zustand, die fünfjährige Maria sei am 9. August gestorben. Allerdings ist sie ebenfalls auf einem Standbild zu sehen – lebend. Ihr von der Frau im Video behaupteter Tod wurde von Journalisten – als Tatsache – weitertransportiert.

Das verfehlte seine Wirkung nicht. NGOs liefen Sturm, der UNHCR, das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen, rügte die griechische Regierung und verwies dabei auf den Tod des Mädchens. Am 16. August fanden griechische Grenzschützer die Flüchtlingsgruppe, von der es zuvor hieß, man habe sie nicht orten können. Das bezweifelte der „Spiegel“-Korrespondent Christides, in den gesperrten Artikeln ist davon die Rede, er habe den Hilferuf der Flüchtlinge sofort an die griechischen Behörden gegeben. Diese wiederum sagen, die kleine Insel gehöre gar nicht zu Griechenland, sondern zur Türkei. Von türkischen Grenzern seien die Flüchtlinge über den Evros gedrängt worden. Die türkische Regierung wies die Darstellung zurück.

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