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Es soll ein entspannter Trip in die Sonne werden. Ein Traumurlaub mit Freunden, mit drei lange Zeit verbundenen Paaren und ihren sechs Kindern. Gebucht ist Inselfeeling, professionelle Gastfreundschaft der gehobenen Kategorie. Ziel der Gruppe ist eine weitläufige Hotelanlage auf Teneriffa mit kaum zu überschauender Poollandschaft.
Am ersten Tag wird geunkt darüber, wie leicht man sich in all den Gängen, den Abkürzungswegen, hinter den Kulissen dieser zum Strand gerichteten Ferienbühne für Hunderte Touristen verlaufen kann. Desorientierung ist Programm. Zum Strand hin ist das Resort mit einer Toranlage gesichert, die sich bloß mit Keycard öffnen lässt. Sicherheitspersonal ist zu sehen. Die Kinder kann man laufen lassen. Was soll passieren unter dieser gleißenden Sonne, in der die ockerfarbene Hotelanlagen-Trutzburg, wie aus Lehm gebrannt, nicht nur Zutrauen vermittelt, sondern Teil zeitloser Landschaftsgestaltung zu sein scheint?
Was soll schon passieren?
Zeit- und Sorglosigkeit stellen sich für die meisten der zwölf Urlauber schon im Transferbus ein. Keiner weiß, dass am folgenden Tag Chaos, Hass und Gewalt herrschen werden. Mit dramatischen, teils tödlichen Konsequenzen für alle, Familien wie Einzelne, und die Existenz als Gruppe.
Nach dem Terroranschlag am Strand bei Sousse in Tunesien 2015, bei dem 39 Menschen starben, darunter der Attentäter, wurde die Sicherheit in zum Meer offenen Ferienanlagen auch auf den Kanarischen Inseln im Atlantik verstärkt. Das Gefühl von Sicherheit ist die Conditio sine qua non der Ferien im Alles-inklusiv-Modus. Zäune und Tore nutzen freilich wenig, wenn ein Insider Attentätern Zutritt verschafft.
Im vierteiligen Genremix aus Amoklauf-Thriller und Familiendrama „Crossfire – Tod in der Sonne“, einer Produktion für die BBC, die das ZDF in der Reihe „Montagskino“ zeigt, beginnt der Horror für die zwölf Reisenden aus Leicester am Morgen nach der Ankunft. Am Abend hatte es schon bösen Streit zwischen der Ex-Polizistin Jo (Keeley Hawes) und ihrem Ehemann Jason (Lee Ingleby) gegeben. Er demütigte sie vor versammelter Gruppe, war beleidigt, stellte insgeheim ihre Treue infrage. Zu Recht. Kurz bevor morgens der Amoklauf zweier bewaffneter Gewalttäter bei der Aquagymnastik beginnt, tauscht Jo noch erotische Nachrichten mit einem Mitglied der Gruppe aus. Dann der plötzliche Ausbruch der Gewalt, von Tessa Hoffe (Regie), Lauren Barès (Kamera) und Dermot Diskin (mit trefflich chaosabbildendem Schnitt) nach dem Drehbuch von Louise Doughty in Katastrophenfilmmanier in Szene gesetzt.
Menschen fliehen in alle Richtungen
Menschen fliehen in Badekleidung in alle Richtungen, werden von Kugeln getroffen, erreichen fahl beleuchtete Treppenhäuser oder Tiefgaragen, Vorratsräume und endlos scheinende Gänge mit Türen, die ins Freie führen oder in die Falle. Manche Urlauber schaffen es, zu fliehen, manche verirren sich. Keine Polizei weit und breit. Jos Tochter Amara (Shalisha James-Davis) trifft auf den Amokläufer Flavio (Pol Sanuy); Mutter Jo schließt sich dem Sicherheitschef des Hotels, Mateo (Hugo Silva), an, der antik aussehende Gewehre auftreibt. Gemeinsam suchen sie nach ihre Angehörigen, nach Verschanzten und den Attentätern, während die Ärztin Miriam (Josette Simon) im Küchentrakt Leben rettet und ihre Freundin Abhi (Anneika Rose) beruhigt, deren Mann Chinar (Vikash Bhai) sich mit drei Kindern versteckt. Miriams Mann Ben (Daniel Ryan) verliert auf dem Weg zum Meer die ihm anvertrauten übrigen Kinder.

Trailer
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„Crossfire – Tod in der Sonne“
Video: ZDF, Bild: ZDF und Dancing Ledge Production
„Crossfire“ könnte, wenn allein diese Erzähl- und Zeitebene die Hauptrolle spielte und die Beziehungen untereinander, ein mehr als anständiger Actionthriller in „Stirb langsam“-Manier sein. Ehrliches Popcorn-Kino. Der Vierteiler aber will mehr und erreicht dadurch weniger. Schon in den ersten Minuten sinniert die Hauptfigur Jo langwierig per Voiceover über das Phänomen Zeit und ihren Stillstand. Ausgedehnte Rückblenden, Kontrastszenen im Auge des Sturms, schieben sich in Momenten größter Panik visuell ins Bewusstsein der Protagonistin. Erinnerungen an eine Silvesterparty, die den Anfang von Jos Affäre und ihrer Urlaubspläne bildete. An ihr Gefühl, als Polizistin nicht mutig genug zu sein. Erinnerungen an eine frühere Ehe. An die Feigheit, die Noch-Ehemann Jason ihr vorwirft. Bevor der nächste Schusswechsel Jos Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten und ihre Eignung als Heldin überlebensgroß wachsen lässt.
In der Summe wirkt solches immer weniger subtil und psychologisch überfrachtend. Der krasse Schauplatzwechsel, die Gewalt hier, der Alltag in Leicester dort, hilft nicht gerade, die Spannung zu halten. Die Glaubwürdigkeit verabschiedet sich, wenn Jason im Hotelzimmer Affären-Whatsapps seiner Frau checkt, dem Nebenbuhler den Tod wünscht und die Parallelmontage darauf die Ermordung desjenigen wie bestellt zeigt. Als Katastrophenfilm taugt „Crossfire“ am Ende genauso wenig wie als Wiedergänger von „Szenen einer Ehe“.
Crossfire – Tod in der Sonne zeigt das ZDF heute und am nächsten Montag um 22.15 Uhr in Doppelfolgen. Im Anschluss vier Wochen lang in der ZDF-Mediathek abrufbar.
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