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„Deutsche Unternehmen lieben die Türkei“
Die Türkei bietet politisch wie wirtschaftlich ein zwiespältiges Bild. Auf der einen Seite eine erratische Politik mit 20 Prozent Inflation und schwindelerregender Abwertung der Lira, auf der anderen Seite eine hohe Wachstumsrate und steigende Exporterlöse.
Der Zwiespalt zeigt sich auch in den Ergebnissen der jüngsten Befragung der dort tätigen deutschen Unternehmen durch die deutsch-türkische Außenhandelskammer. Deutschland ist der größte Handelspartner der Türkei und ihr wichtigstes Zielland für Exporte. Vielleicht lässt sich das Ergebnis so zusammenfassen: Kurzfristig bedenklich, langfristig optimistisch.
Negativ sind vor allem die Konjunktureinschätzungen. Trotz einer Wachstumsquote beim Bruttoinlandsprodukt von 21,7 Prozent im zweiten Quartal sind die Betriebe skeptisch. Jeder Dritte erwartet eine Verschlechterung, 40 Prozent hoffen, dass es bleibt, wie es ist. Coronabedingte Einschränkungen der Reisetätigkeit, Lücken in Logistik und Lieferketten sowie aufgeschobene Investitionen wegen der Corona-Pandemie seien Wachstumsbremsen.
„Wirtschaftliche und politische Fragezeichen“ sieht der Kammerpräsident Markus Slevogt denn auch für die nächsten zwölf bis 18 Monate. Spätestens 2023 wird in der Türkei gewählt. Der unter Druck stehende Präsident Recep Tayyip Erdogan will im Amt bestätigt werden.
Chancen zu einem günstigen Markteinstieg
Zwar beklagen die in der Kammer organisierten Betriebe, stellvertretend für 7500 in der Türkei tätige deutsche Unternehmen, die Risiken der Wechselkursentwicklung, schwankende wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und die Explosion der Rohstoff- und Energiekosten als größte Geschäftsrisiken.
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Die gute Laune über eine gute Geschäftslage und hoffnungsvolle Aussichten lassen sie sich davon aber nicht verderben. Der Grund liegt darin, dass die meisten deutschen Unternehmen, die in der Türkei tätig sind, für den Export arbeiten. Die die Bevölkerung beunruhigende Geldentwertung im Inland kommt den Exporteuren eher zugute, sinken doch die in Lira abgerechneten Kosten gemessen in Euro und Dollar.
Die positive Einschätzung ermuntere die Unternehmen zu mehr Investitionen, wie Thilo Pahl, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der AHK Türkei, sagte. Jüngstes Beispiel ist das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, das mit Abdi Ibrahim Pharmaceuticals, dem größten Hersteller von Pharmazeutika in der Türkei, eine gemeinsame Produktion für 150 Millionen Euro aufziehen will. Volkswagen hatte im vergangenen Jahr ein Milliarden-Investment abgesagt.
Der Ausbau der Produktion geht einher mit der Suche nach fachlich qualifizierten Arbeitern, was laut Slevogt auch in der Türkei ein Problem ist. Da die Abwertung der Lira, allein zum Euro verlor sie in den vergangenen zwölf Monaten 28 Prozent, türkische Immobilien, Fabriken, Aktien verbilligt, ergeben sich für Investoren darüber hinaus Chancen, günstig in den Markt einzusteigen. Slevogt verwies auf das Beispiel der spanischen Bank BBVA, die die türkische Bank Garanti für 2,25 Milliarden Euro vollständig übernehmen will.
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