Die Erde lebt

Die Erde lebt

Die Erde lebt

Lebewesen haben ihre Umwelt seit Jahrmilliarden geformt. Ferris Jabr beleuchtet das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure unseres Planeten, vom Gestein bis zu den Wirbeltieren, von der Luft bis zu den Wäldern.

Anfang der 1970er-Jahre formulierten der Biophysiker James Lovelock und die Mikrobiologin Lynn Margulis die sogenannte Gaia-Hypothese. Danach verhält sich die gesamte Erde wie ein Lebewesen. Genauso wie ein Tümpel als Ökosystem gilt, in dem die verschiedenen Arten voneinander abhängen und immer wieder zu einem Gleichgewicht finden, kann man auch die gesamte Erde als ein solches System betrachten. Es gibt zahlreiche Rückkopplungen, die dafür sorgen, dass möglichst gleichmäßige Umweltbedingungen herrschen. So bleibt etwa der Salzgehalt im Ozean seit Jahrmillionen konstant, obwohl die Flüsse ständig neue Mineralien zuführen. Doch in Lagunen, an denen riffbildende Organismen beteiligt sind, kommt es zu mächtigen Salzablagerungen, die für einen Ausgleich sorgen.

Die Gaia-Hypothese hat bis heute nicht an Attraktivität verloren, im Gegenteil. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel gewinnt sie immer mehr an Bedeutung. Denn der Mensch hebelt die fein austarierten natürlichen Mechanismen mehr und mehr aus. Der US-amerikanische Wissenschaftsjournalist Ferris Jabr hat die wichtigsten Gaia-Erkenntnisse in einem Buch zusammengetragen. Es geht ihm vor allem darum, wie die lebenden Organismen ihre Umwelt seit Jahrmilliarden so geformt haben, dass sie optimal darin zurechtkommen. So sorgen zum Beispiel winzige organische Substanzen, die Bäume im Amazonas-Regenwald ausdünsten, dafür, dass es regnet. Die Teilchen dienen als Kondensationskeime, ohne die keine Tropfen entstehen können.

Jabr hat sein Buch in drei Abschnitte gegliedert: Gestein, Wasser und Luft. Jeder davon ist wiederum dreigeteilt. Zunächst geht es darum, wie Mikroben den Planeten verändert haben und verändern, dann geht es um die größeren Lebensformen, und im dritten Teil um den Einfluss des Menschen. Reportagen lockern den Text immer wieder auf. Bei der Übersetzung aus dem Englischen gibt es allerdings Luft nach oben. Wenn es etwa Kohlenstoffabfluss anstatt Kohlestoffsenke heißt, oder Jonen statt Ionen, ist das ärgerlich.  Klaus Jacob

Ferris Jabr
Das Erwachen der Erde
Kunstmann Verlag, 344 S., € 28,–
ISBN 978-3-95614-627-5




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