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#Die längste Bohne und der beste Kandidat

„Die längste Bohne und der beste Kandidat“

Die „Swallowfield Show“ gehört zu den Höhepunkten des ländlichen Lebens in Berkshire. Es gibt ein Hindernisrennen für die am besten dressierten Hunde, Musikkapellen und Kinderkarusselle, aber im Mittelpunkt steht das Zelt der „Royal Horticultural Society“, die hier jedes Jahr mit Akribie die besten Äpfel, Rüben und Blumen prämiert. Die Menschen in Swallowfield, Wokingham und Umgebung schätzen das Berechenbare und wollen, dass sich hier möglichst wenig verändert, weshalb sie traditionell die Konservative Partei gewählt haben. Aber Stuart Munro, der die Tories seit langer Zeit auf lokaler Ebene repräsentiert, ist in diesem Jahr nicht zur Show erschienen. „Es ist nicht mehr wie früher“, sagt er niedergeschlagen.

Die Veränderung lässt sich an einem kleinen gelben Stand gegenüber der Hüpfburg festmachen, vor dem die örtlichen Liberaldemokraten Flugblätter verteilen. Die Region ist nun in ihrer Hand. Zur Überraschung vieler gewannen die Libdems im Mai die Kommunalwahl zum Wokingham Council, kooperierten daraufhin mit der Labour Party und schickten die Tories nach 18 Jahren in die Opposition. Die lokale Abstrafung der Konservativen, die auch andernorts stattfand, gehörte zu den vielen Nägeln, mit denen Boris Johnsons politischer Sarg am Ende verschlossen wurde. Zwei Monate nach den verheerenden Kommunalwahlen, denen eine beispiellose Rücktrittswelle im Kabinett folgte, erklärte der Premierminister seinen Rückzug. Seither müssen sich die Tories in Wokingham mit der Frage beschäftigen, wen sie als Nachfolger haben wollen.

Fragwürdige Steuererklärung

Die Auswahl des besten Kandidaten verläuft dabei weniger transparent als die Prämierung des schwersten Kürbisses oder der längsten Bohne. Die „Royal Horticultural Society„ urteilt nach unbestechlichen Kriterien. In manchen Disziplinen erkannte sie dem Sieger nur den zweiten Platz zu, obwohl es keinen Mitbewerber gab. Die Begründung lautete, dass schlicht die Kriterien eines ersten Platzes nicht erfüllt seien. Von derart objektiven Maßstäben ist die Wahl des nächsten Regierungschefs weit entfernt. Munro hat einige Mühe zu erklären, welche Messlatten seine Parteifreunde anlegen, um zur Entscheidung für den einen oder die andere zu gelangen. Er selbst stimmte für Liz Truss, die Außenministerin, „weil sie intelligenter ist, als viele denken“ – aber auch weil er bei Rishi Sunak, dem früheren Schatzkanzler, Unheil wittert. Erst habe der sich für die fragwürdige Steuererklärung seiner Frau rechtfertigen müssen, dann für deren Penthouse mit Fitnessstudio in Kalifornien. „Das ist wie bei Johnson: Eine Sache nach der anderen kommt ans Tageslicht, und das wollen wir nicht noch mal.“




Auf der nationalen Bühne des Wahlkampfs versuchen Truss und Sunak sich politisch voneinander abzuheben, aber in den Grafschaften, da, wo gewählt wird, kommt dies nicht immer an. Keinmal erwähnt Munro die Steuerpolitik, die von den Leitmedien des Landes zum entscheidenden Distinktionsmerkmal erklärt wurde. Truss verspricht rasche Steuererleichterungen, während Sunak davor warnt, in der Inflationsphase die Nachfrage anzukurbeln; er will die Steuern frühestens im kommenden Jahr senken.

Truss gilt als Favoritin

Der Zuschnitt der Wahl und auch der Wählerschaft provozierte im Land einige Diskussionen darüber, wie demokratisch es eigentlich ist, wenn eine kleine Gruppe von vielleicht 170.000 Parteimitgliedern – genaue Zahlen enthalten die Tories vor – einen Regierungschef für mehr als 66 Millionen Briten bestimmen darf. An der Parteibasis wird eingeräumt, dass die Mitglieder, viele männlich und im Rentenalter, nicht repräsentativ sind für die britische Gesellschaft. Die Parteizentrale hält dagegen, dass die Nation im Dezember 2019 keinen Premierminister gewählt, sondern der Konservativen Partei ein Regierungsmandat verliehen habe. Also müsse auch die Partei über die Nachfolge entscheiden, wenn ein Premierminister abtritt.

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