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Fabian Hinrichs beendet die Sommerpause mit einem perfiden Thriller, der die Messlatte für die neue „Tatort“-Saison denkbar hoch ansetzt. Und das, obwohl der Anfang von „Ich sehe dich“ einigermaßen in die Hose geht. Warum Krimifans darüber hinwegsehen sollten, erfahrt ihr hier in Mareks Kritik.
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Welche Kommissare ermitteln heute im „Tatort: Ich sehe dich“?
Vor einigen Wochen wiederholte die ARD den „Tatort: Hochamt für Toni“ und damit den schwächsten Fall des ansonsten so zuverlässigen fränkischen Duos Voss und Ringelhahn. Deren gemeinsame Dienstzeit ist mittlerweile beendet und mit Rosalie Thomass steht bereits eine Nachfolgerin für die ausgestiegene Dagmar Manzel in den Startlöchern. Ermitteln darf sie in dieser Folge aber noch nicht. Stattdessen wird Kommissar Voss an seinem freien Tag mit so viel Alarm in den Dienst zurückbeordert, dass er sich im Eifer des Gefechts die Schulter verletzt und eigentlich ins Krankenhaus müsste.
Warum der Fund einer bereits seit zwei Jahren skelettierten Leiche eine solche Hektik auslöst, vermag die Ouvertüre des Krimis nicht zu beantworten. Wieso der verletzte Kommissar nicht einfach mit Assistentin Wanda Goldwasser ermitteln darf, sondern einen verschrobenen Demnächst-Pensionisten als Fahrer aufgehalst bekommt, erschließt sich ebenfalls nicht, vom seltsamen Umgangston auf dem Revier ganz zu schweigen. Startet das neue Krimi-Jahr also mit einem neuerlichen Rohrkrepierer? Zum Glück nicht.
Nach einer Viertelstunde sucht Felix Voss die Mutter des Mordopfers auf und der gesamte „Tatort“ durchläuft eine fast schon wundersame Verwandlung. Fortan bekommen wir es mit einem clever konstruierten, hochspannenden und brillant verkörperten Psychothriller zu tun, der mit seiner abgründigen Geschichte niemanden kalt lassen dürfte.
Macht Fabian Hinrichs so weiter wie in diesem Krimi, müssen wir unser Video der besten „Tatort“-Teams um einen Eintrag erweitern.
Worum geht es im „Tatort: Ich sehe dich“?
Andreas Schönfeld war wahlweise ein guter Kumpel, ein zurückhaltender Verehrer oder ein liebender Sohn. Außer einer Geschwindigkeitsübertretung findet sich auch bei der Polizei keinerlei Anhaltspunkt dafür, warum der Fahrradhändler vor zwei Jahren erschlagen und zwei Meter tief in einem abgelegenen Wald begraben wurde, sodass nur zufällige Bauarbeiten den Leichnam freilegen konnten.
Felix Voss ist sich sicher, dass Andreas Schönfeld eine Fassade um sich herum errichtet hat und trifft damit ins Schwarze. Bei der Durchsuchung seines Elternhauses stößt die Spurensicherung auf hunderte aus der Distanz aufgenommene Fotos unterschiedlicher Frauen, darunter auch die blinde und schwer traumatisierte Laura Blum. Wer war Andreas Schönfeld wirklich und was hat es mit den Fotos auf sich?

Mareks „Tatort“-Kritik: Herausragend gespielter Alptraum eröffnet das neue Krimi-Jahr
Vor 10 Jahren fand Autor und Regisseur Max Färberböck mit Fabian Hinrichs die ideale Besetzung für seinen empathischen Kommissar und bereicherte den „Tatort“ um eine starke Figur, die bis heute ohne unnötigen Ballast auskommen darf. Und auch diesmal geht die Rechnung am Ende auf.
Allein wie der von Schmerzen geplagte Kommissar durch die dunklen Hallen der Villa von Erika Schönfeld (Marion Reuter) schreitet und ihr dann die traurige Nachricht vom Ableben ihres von ihr vermisst gemeldeten Sohnes mitteilt, ist ein Meisterstück gehobener Schauspielkunst. Gepaart mit der soghaften Kameraarbeit von Daniela Knapp und den fein geschliffenen Dialogen verspürt die Szenerie bei all ihrer Trauer eine Bedrohlichkeit, die nicht zufällig an Alfred Hitchcocks „Psycho“ erinnert.
Und dann ist da noch die tragische Liebesgeschichte von Laura Blum und ihrem Nachbarn, ebenfalls herausragend verkörpert von Mavie Hörbinger und Alexander Simon, die die zweite Hälfte des „Tatorts“ nahezu komplett vereinnahmt. Dass der ermordete Andreas Schönfeld zu Lebzeiten ein Monster war, ist zu diesem Zeitpunkt kein Geheimnis mehr, auch die Auflösung des Falls liegt auf der Hand, dennoch steigt die Spannung dank zahlreicher Wendungen und Perspektivwechsel kontinuierlich an, bis sie sich in einer unausweichlichen Tragödie entlädt, die über den gesamten Film hin stets angedeutet wurde.
Wenn der Abspann einsetzt, ergibt sogar die anfangs so ungelenk eingeführte Figur des grantelnden Hilfssheriffs Sinn, immerhin verkörpert vom legendären Passauer Kabarettisten Siggi Zimmerschied. Sie sorgt für die nötigen Verschnaufpausen innerhalb all der Schwermut und rundet einen anfangs schwachen, dann aber herausragenden Krimi ab, der die hohen Erwartungen unterm Strich vollumfänglich erfüllt.
Der „Tatort: Ich sehe Dich“ wird heute am Sonntag, dem 14. September 2025 um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt und ist danach für sechs Monate in der Mediathek als Wiederholung im Stream verfügbar.
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