#Die römischen Sommer

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Die römischen Sommer

Der Mann kämpfte gegen den Fluss. Er fuhr mit seinem Traktor bis vor zum Meer, senkte den Pflug und schleppte einen Haufen Sand an die Stelle, wo sich der Fluss viel zu weit in den Strand hineinfraß, drängte ihn mit dem Sand weiter nach Norden, versank fast mit seinen großen Reifen im Wasser und fuhr – im Stehen, als sei er der Lenker eines römischen Streitwagens – wieder zu den Strandbuden hinauf. Es war noch nicht viel los an diesem Morgen; die Stürme hatten einen großen Baumstamm angespült, aber vielleicht war er auch den Fluss hinuntergetrieben, so genau konnte man das nicht sagen, jedenfalls saß eine Familie dort, die Kinder balancierten auf dem Treibgut herum, eine Frau lag im Sand davor und schlief, ein Mann mit einem Ferrari-T-Shirt setzte sich nicht weit von ihr auf das äußere Ende des Stamms und schaute aufs Meer, vielleicht weil er aufs Meer schauen wollte, vielleicht weil ihm nicht einfiel, was er zu der vor ihm herumliegenden Frau hätte sagen sollen. Mehr war an diesem Strand nicht los; man muss sich die alten Fotos anschauen, um den Glanz des kleinen Badeorts Fregene zu verstehen, der manchmal noch hinter den Pinien aufblitzt und in dem etwas heruntergekommen modernen Haus, das wie ein gestrandetes Schiff zur Hälfte im Fluss steht und einmal dem Schriftsteller Alberto Moravia gehörte.

Villen im Sumpfgebiet

Fregene liegt gut dreißig Kilometer westlich von Rom am Meer. Man fährt über die Autobahn, die zum Flughafen Fiumicino führt, und dann über Felder und durch kleine, flache Dörfer; dann beginnt der Pinienwald, den Papst Clemens IX. im 17. Jahrhundert anlegen ließ, um die Felder vor dem Seewind zu schützen. Es gab hier seit der Antike einen kleinen Hafen und einen großen Sumpf, den Maccarese, den Mussolini in den Zwanzigerjahren trockenlegen ließ, ein paar römische Adlige hatten hier ihre Villen zwischen den Spalier stehenden Pinien, die Massen fuhren eher nach Ostia zum Baden. Diese Leere machte Fregene für alle interessant, die ihre Ruhe haben wollten. Als in den Fünfziger- und Sechzigerjahren in Cinecittà Filme wie „Ben Hur“ oder „Spartacus“ gedreht wurden, saßen plötzlich Filmstars zwischen den Fischerhütten, Frank Sinatra badete hier, die Schauspieler kamen nachts zum Tanzen und zum Schwimmen, die Schauspielerin Monica Vitti saß hier im Sand und aß mit dem Schriftsteller Gabriel García Márquez „kiloweise Eis“, wie sie einmal in einem Interview erzählte: „Wir wurden Freunde, indem wir am Strand von Fregene Schokoladeneis aßen. In der Widmung von ‚Hundert Jahre Einsamkeit‘ schrieb er mir: ‚Ich hoffe, es gefällt Dir wie drei Kilo Eis.‘“

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