#Die umstrittene Staatsrätin

Die umstrittene Staatsrätin



Die Stimme bereits abgegeben: Staatsrätin Aung San Suu Kyi am 29. Oktober in der burmesischen Hauptstadt Naypyidaw

Bild: Reuters

Aung San Suu Kyi steht in Burma vor der Wiederwahl. Vom Ausland wird sie wegen ihres Schweigens zu den Verbrechen an den Rohingya stark kritisiert – und auch an der Fairness der Abstimmung gibt es Zweifel.

Früher hatte sie sich noch selbst beschwert, dass die Wahlen in Burma nicht „frei und fair“ waren. Nun richtet sich diese Kritik an ihre Adresse. Die „Staatsrätin“ Aung San Suu Kyi, die unter diesem Titel faktisch die Regierung Burmas anführt, ist heute nicht mehr die Kämpferin gegen das System, die sie einmal war. Fünfzehn Jahre lang hatte sie dafür einst unter Hausarrest verbracht. Heute repräsentiert sie eine Regierung, der unter anderem ein hartes Vorgehen gegen Kritiker und eine Einschränkung der Presse- und Redefreiheit in dem südostasiatischen Land vorgeworfen werden. Über die brutalen Verbrechen, die das Militär an den muslimischen Rohingya begangen hat, schweigt sie. Von der Lichtgestalt und umgarnten Gesprächspartnerin ist sie zumindest im Ausland zum Paria geworden.

Till Fähnders

Mit Entsetzen hatte die internationale Gemeinschaft vor einem Jahr etwa dabei zugeschaut, wie sie das Militär vor dem Weltgericht in Den Haag gegen die Vorwürfe des Völkermords und der Vertreibung von 700.000 Rohingya über die Grenze nach Bangladesch verteidigte. Viele Burmesen liebten ihre „Mutter Suu“ dafür allerdings nur noch mehr. „Je stärker die Kritik im Ausland, desto stärker ist die Unterstützung im Land selbst“, sagt Moe Thuzar vom Südostasieninstitut ISEAS in Singapur. Und so steht Aung San Suu Kyi fünf Jahre nach ihrem historischen Erfolg bei der Wahl am Sonntag wieder vor einem Sieg. In Umfragen sprachen sogar 79 Prozent der Befragten der „Lady“ ihr Vertrauen aus.

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