#Ein hessischer Kreis mit Inzidenz von mehr als 300

Ein hessischer Kreis mit Inzidenz von mehr als 300

Erst auf das Coronavirus testen lassen und dann einkaufen gehen: Was in Tübingen und Rostock schon seit Wochen gang und gäbe ist, soll es bald auch an mehreren Orten in Hessen geben. Über das „soll“ ist Laubach in Oberhessen schon hinaus. Die Kleinstadt ahmt das Tübinger Modell bereits nach.

Thorsten Winter

Thorsten Winter

Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

Derweil meldet das Sozialministerium die Bildung einer Impfallianz. Auf Initiative von Minister Kai Klose (Die Grünen) haben sich demnach die Kassenärztliche Vereinigung Hessen, die Landesärztekammer Hessen, der Hausärzteverband Hessen, die Landesapothekerkammer Hessen und der Hessische Apothekerverband zu diesem Verbund zusammen geschlossen. Sie solle eine „regelhafte Einbeziehung der Ärzteschaft in das Impfen“ vom 5. April gewährleisten. 30 niedergelassene Mediziner in der Wetterau hatten schon viele Patienten geimpft, bevor der zwischenzeitliche Stopp für das Produkt von Astra-Zeneca kam. Bald können sie dieses Angebot wieder aufnehmen.

Hotspots Hersfeld-Rotenburg und Offenbach

Aus dem Robert-Koch-Institut in Berlin kommen unterdessen unerfreuliche Daten zum Infektionsgeschehen in Hessen. 1685 neue positive Tests sind dem RKI über Nacht bekannt geworden. Zum vergangenen Freitag hatte es 1399 verzeichnet und die Woche zuvor 993. Seit Beginn der Pandemie vor gut einem Jahr haben ihm die hessischen Gesundheitsämter 211.722 Infektionen gemeldet. Rund 16.200 gelten als nicht ausgestanden, das sind 700 mehr als am Vortag. Wobei das RKI diese Zahl nur schätzt: Wer 14 Tage nach einem positiven Test nicht ärztlich behandelt wird, gilt als genesen.

Die Inzidenz als zentrale Kennziffer ist über Nacht von 125 auf 130 gestiegen. Vor zwei Wochen lag sie bei 76 und vergangenen Freitag betrug sie 106. Aktuell weisen nur Sachsen, Sachsen-Anhalt und vor allem Spitzenreiter Thüringen (221) höhere Werte auf als Hessen. Dabei scheint das Infektionsgeschehen in Thüringen auch nach Westen auszustrahlen und dabei besonders jenes im Wartburgkreis. Denn der benachbarte Kreis Hersfeld-Rotenburg steht in der hessischen Rangliste oben mit einer Inzidenz von 302, während der Wartburgkreis auf auf 388 kommt und der südlich von Hesfeld-Rotenburg gelegene Landkreis Fulda auf 180.

Höher liegt die Kennziffer in Offenbach mit 214, während das RKI auf Frankfurt 128 ausweist. Am besten in Hessen steht der Rheingau-Taunus mit 75 da. Die meisten Landkreise kommen auf eine Inzidenz zwischen 100 und 200, weshalb die hessische Corona-Landkarte des RKI tiefrot gefärbt ist.

19 weitere Tote im Zusammenhang mit der Pandemie meldet das RKI. Vor einer Woche waren es elf und am Freitag davor zwölf gewesen. Alles in allem sind seit Beginn der Pandemie offiziell 6248 Personen in Hessen an oder mit Covid-19 gestorben.

Nach Daten des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin liegen derzeit 317 Corona-Kranke auf Intensivstationen in Hessen, 151 davon müssen beatmet werden.

Tübinger Test-Modell schon in Laubach

Die Vorarbeiten laufen: Hessen will ein Tübinger Vorbild nachahmen. Wer einen negativen Test vorweisen kann, bekommt einen Tag lang die Möglichkeit, etwa ins Theater zu gehen. So soll geklärt werden, wie sich eine teilweise Öffnung des öffentlichen Lebens in Gebieten mit niedrigen Inzidenzen in Verbindung mit einem Testregime auf die Infektionszahlen auswirkt. Als eine der dafür in Frage kommenden Kommunen nannte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) Bad Homburg. Die Taunus-Stadt hat dem Land ein erstes Grob-Konzept geschickt. In Laubach dürfen Kunden seit der Wochenmitte die Läden abseits der Grundversorgung, also etwa ein örtliches Kaufhaus, nur nach einem negativen Schnelltests betreten. Die Regel gilt vorerst bis einschließlich Wochenende, wie die „Gießener Allgemeine“ berichtet.

Jede zehnte Person in Hessen geimpft

In Hessen sind mittlerweile 915.6.000 Impfdosen verabreicht worden. Darunter sind fast 632.000 Erstimpfungen. Bei der Erstimpfquote kommt Hessen auf den Wert 10,1. Das bezieht sich prozentual auf die Landesbevölkerung. In ganz Deutschland haben ebenfalls 10,1 Prozent der Menschen die erste vorbeugende Spritze gegen das Coronavirus bekommen. Am besten steht das Saarland mit einer Quote von 12 da vor Bremen mit 11,5. Rheinland-Pfalz kommt auf 11,2 und Thüringen auf 11,3.

Bei den Zweitimpfungen liegt Hessen mit einer Quote von 4,5 ein Zehntel über Bundesniveau. Der Impfstoff von Astra-Zeneca spielt bei den Zweitimpfungen bisher fast keine Rolle. Das liegt auch und gerade an den zwölf Wochen zwischen der ersten und der zweiten Spritze. Laut RKI sind hier bisher nur 67 Dosen verabreicht worden. Die höchste Quote weist Thüringen mit 5,2 auf.

Gurgeln statt Abstrich

Wer keinen unangenehmen Nasenabstrich machen möchte, hat nun in Rhein-Main eine Alternative: In Frankfurt werden seit Mittwoch Gurgeltests auf Covid-19 angeboten. Das Testzentrum in der Nähe des Stadions ist nach Angaben des Betreibers das erste dieser Art in Hessen. Es ist als Drive-in konzipiert, Testpersonen können also direkt im eigenen Auto untersucht werden. Das Verfahren kommt ohne das oft unangenehme Einführen eines Teststäbchens in den Nasen- oder Rachenraum aus. Mittels Gurgeln sind dabei neben dem PCR- auch der herkömmliche Schnell- oder Antigentest möglich.

Unsere Kollegin Monika Ganster hat sich den regionalen Markt für Schnelltests angeschaut. Ihre Erkenntnis: Diese Produkte sind ein sehr gefragtes Gut. Nicht immer sind sie leicht zu bekommen, Termine in Testzentren sind schnell ausgebucht und Tests für den Hausgebrauch oft ausverkauft. Wichtig ist, die korrekte Anwendung zu kennen.

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