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„Ein Spiel mit Jackpot“
0:3, 0:3, 1:4, 1:6, 0:4, 1:4 – die Ergebnisliste der letzten sechs Auswärtsspiele spricht dafür, die Punkte per Post nach Leverkusen zu schicken und sich in aller Ruhe auf die letzten drei Bundesligaspiele dieser Saison vorzubereiten, um dann die Teilnahme an der nächsten Champions-League-Kampagne zu sichern. Aber da am kommenden Wochenende wegen der Halbfinalpartien des DFB-Pokals die Liga ohnehin pausiert und die Frankfurter Eintracht zudem in dieser Spielzeit schon einige Negativserien beendet hat, ergibt es durchaus Sinn, dass der Frankfurter Fußballklub zur Werkself an den Rhein reist, die Fahrtkosten auf sich nimmt und dafür das Porto spart.

Für die Eintracht ist es ein Spiel (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga sowie bei Sky) mit einem hohen Jackpot. Sollte sie die schwarze Auswärtsserie in Leverkusen mit dem Gewinn von drei Punkten beenden, dann wäre sie diesem Konkurrenten uneinholbar enteilt und hätte Platz fünf in der Bundesliga-Endabrechnung schon sicher. Und wenn dazu Borussia Dortmund das zweite direkte Duell des 31. Spieltages um die Europapokal-Plätze gegen den VfL Wolfsburg verlieren sollte, dann betrüge der Vorsprung auf den BVB sieben Punkte – bei drei ausstehenden Partien. Das Tor zur Königsklasse wäre einladend weit offen.
Doch auch bei ungünstigeren Resultaten gilt: Der Spielplan ist der Freund der Frankfurter. Während sie in den drei letzten Auseinandersetzungen auf Mainz, Schalke und Freiburg treffen, bekommt es der BVB noch mit Leipzig, Mainz und Leverkusen zu tun und hat zudem die Belastung des Pokalhalbfinales gegen Holstein Kiel zu verkraften. Und selbst wenn der Vorsprung von vier Punkten gegenüber Dortmund an diesem 30. Spieltag der Wahrheit schmelzen sollte, wird die Eintracht ihr Schicksal in der eigenen Hand behalten. Dann muss sie eben die Pflichtsiege gegen nominell schwächere Teams realisieren.
Spielanlage geändert
Bei Bayer Leverkusen hat sich die Spielanlage durch den Trainerwechsel Ende März von Peter Bosz zu Hannes Wolf ein wenig geändert: mehr umschaltorientiert, weniger ballbesitzorientiert. Die Mannschaft presst deutlich höher und aggressiver. In den Leistungen schlägt sich das nur bedingt nieder. Die Siege gegen die Teams auf den Abstiegsplätzen Schalke (2:1) und 1. FC Köln (3:0) fielen nicht gerade rauschend aus, dazu kam ein 0:0 gegen Hoffenheim und ein 0:2 gegen Bayern München.
Gegen den Rekordmeister offenbarte die Werkself wieder eine oft gezeigte Schwäche: Als „zu weich, willenlos, ängstlich“ beschrieben Verteidiger Sven Bender und Torwart Lukas Hradecky die Vorstellung ihrer Mannschaft – vornehmlich in der ersten Halbzeit. Deshalb fordert Trainer Wolf gegen die Eintracht: „Sie sind ein bisschen wild in der Herangehensweise, sie haben Spieler, die eine gewisse Physis und Härte haben. Das wird mit Sicherheit ein intensives Spiel, wo wir voll dagegenhalten und uns auch wehren müssen in den Duellen.“

Ein Zeichen: Martin Hinteregger segelt Marco Richter entgegen – der Aufprall wird hart.
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Bild: Reuters
Mit der Gegnerbeschreibung trifft Wolf bei Martin Hinteregger genau ins Schwarze. Der österreichische Nationalverteidiger der Eintracht erzielte nach vierwöchiger Verletzungspause nicht nur das erste Frankfurter Tor zum 2:0-Erfolg über Augsburg dank seines großen Durchsetzungswillens. Der 28-jährige Abwehrspieler beging auf die gleiche kompromisslose Art und Weise ein aufsehenerregendes Foul. Er warf sich dem sprintenden Augsburger Marco Richter entgegen, ohne große Chance, an den Ball zu kommen. Er nahm das große Risiko in Kauf, mit seinem hochgestreckten Fuß Richters Oberschenkel zu treffen, was er dann auch mit großer Wucht tat.
Dass der Schiedsrichter das Foul nur mit Gelb ahndete, werteten einige Beobachter als großen Fehler. In einem Interview mit den Eintracht-Medien erklärte sich Hinteregger in seiner unprätentiösen Art: „Ich habe Richter nicht bewusst so foulen wollen, aber ich wollte mit dem Zweikampf bewusst ein Zeichen setzen.“ Denn die Eintracht sei nach einem guten Beginn etwas eingeschlafen, das Spiel so dahingeplätschert. „Dadurch ist wieder etwas Stimmung und Leben reingekommen.“
So viel Leben, dass er sechs Minuten später mit einem Kopfball das Führungstor schaffte. Was die Augsburger besonders störte. Deren Trainer Herrlich beschwerte sich bei Schiedsrichter Schröder, dass er Hinteregger nicht des Feldes verwiesen hatte. Der Österreicher meinte dagegen, der Referee habe das rechte Strafmaß bei ihm gefunden: „Da muss man nicht Rot geben. Gelb war völlig okay, weil ich teilweise zurückziehe und keine Verletzungsgefahr bestand.“
Dass ihn Trainer Hütter dann sicherheitshalber zur Pause aus der Mannschaft nahm, verstand Hinteregger: „Nachdem er dann 20 Sekunden auf mich eingeredet hatte, habe ich das auch direkt eingesehen. Ich bin in dieser Hinsicht zwar clever, aber es wäre dann zu gefährlich gewesen, weil das Foul doch dunkelgelb war. Und ganz ehrlich: Wenn Makoto Hasebe dann für mich reinkommen kann, geht man gerne raus, weil man weiß, dass er sein Ding wie immer runterspielen wird.“
Gegen Leverkusen setzt Hütter natürlich wieder auf Hintereggers Wildheit. Der Innenverteidiger verlangt von den Kollegen: „Leverkusen wird sich an die letzten Chancen klammern. Wir spielen wieder besser und ordentlicher, müssen aber im Vergleich zu den letzten zwei Spielen noch eine Schippe drauflegen, um unser Ziel zu erreichen.“
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