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Der frühere Mitarbeiter der russischen Söldnertruppe „Wagner“, der in Norwegen Asyl beantragte, will nach Russland zurückkehren. Das teilte Andrej Medwedjew in einem Video mit, das der im Exil lebende russische Menschenrechtsaktivist Wladimir Oscheschkin auf Youtube veröffentlichte. Oscheschkin hatte Medwedjew bei seiner Flucht aus Russland geholfen. In dem Video sagt Medwedjew, dass er die russische Botschaft wegen seines Rückkehrwunsches kontaktiert habe.
Er habe gehofft, dass er in Norwegen Frieden und Ruhe finden könne, dies sei ihm aber nicht gelungen. Er fühle sich wie ein Junge in einem großen Spiel und das wolle er nicht länger sein, so Medwedjew. Er wolle zurückkehren, auch wenn es für ihn in Russland gefährlich werden könnte. Medwedjew zitierte als Begründung für seinen Rückkehrwunsch auch ein russisches Sprichwort: „Wo man geboren wurde, da ist man auch nützlich.“
Laut der norwegischen Nachrichtenagentur NTB bestätigte die russische Botschaft in Oslo, dass Medwedjew Kontakt aufgenommen und erklärt habe, nach Hause zu wollen. Ein Botschaftsmitarbeiter sagt demnach, Medwedew sei im Rahmen der normalen konsularischen Funktionen in der Botschaft empfangen worden. Der Wunsch, nach Russland zurückzukehren, sei seine eigene Initiative. Medwedews norwegischer Verteidiger Brynjulf Risnes sagte hingegen der Zeitung „Aftenposten“, er glaube nicht, dass Medwedjew wirklich zurückkehre, doch sei er „verzweifelt“ – ihm falle das Leben als Asylbewerber in Norwegen schwer.
Zweifel an der Vorgeschichte Medwedjews
In Norwegen war Medwedjew wiederholt negativ aufgefallen. Kurz nach seiner Ankunft war er festgenommen worden. Die genauen Umstände blieben unklar, doch hatte er sich offenbar nicht an polizeiliche Vorgaben gehalten. Auch nach einer Schlägerei vor einer Bar in Oslo wurde er festgenommen, hernach aber freigesprochen. Später bewegte er sich frei im Land. Der Zeitung „Aftenposten“ hatet Medwedjew gesagt, er schätze Norwegen sehr, dort sei alles so menschlich, wenn die Polizei etwas von einem wolle, werde man zu einer Tasse Tee eingeladen.
Später beschwerte er sich jedoch über seine Unterbringung, über das Essen und über die Polizei. Zuletzt war er im schwedischen Göteborg festgenommen worden, wohin er illegal eingereist war – eigenen Angaben nach, um dort billiger Zigaretten kaufen zu können als in Norwegen.
Medwedjew hatte im Januar Asyl in Norwegen beantragt, nachdem er im äußersten Norden des Landes von Russland kommend die Grenze überquert hatte. An seiner Fluchtgeschichte hatte es bis zuletzt Zweifel gegeben. Demnach hatte er – mit Hilfe eines fremden Passes – mehrere Grenzkontrollen passiert, dann mehrere Zäune überwunden und war über einen zugefrorenen Grenzfluss gerannt. „Ich hörte zwei Schüsse, Kugeln zischten vorbei“, hatte Medwedjew angegeben. Allerdings hatte auf norwegischer Seite niemand Schüsse gehört, zudem gilt die Grenze auf russischer Seite dort als nur äußerst schwer überwindbar.
Zweifel gibt es weiterhin auch an der Vorgeschichte Medwedjews, da etwa Darstellungen zur Dauer seines Dienstes variieren und es für die meisten seiner Behauptungen keine Belege gibt. Seinen Angaben nach leitete er als Kommandeur der russischen Söldnertruppe einen Sturmtrupp. Seine Dienstmarke will er eigenhändig in der „Wagner“-Zentrale in St. Petersburg abgegeben haben. Auch gab er an, in seiner Einheit habe Jewgenij Nuschin gedient, der später als „Verräter“ vor laufender Kamera mit einem Vorschlaghammer ermordet worden war.
Bestreitet Exekutionen eigener Kämpfer
„Wagner“ wird in der Ukraine schwerster Kriegsverbrechen auch an Zivilisten beschuldigt. Medwedjew hatte gegenüber dem amerikanischen Fernsehsender bestätigt, dass es bei „Wagner“ Exekutionen eigener Männer gibt, jedoch hatte er Kriegsverbrechen an Zivilisten abgestritten. „Ich kenne solche Fälle nicht“, sagte er dazu. Bei „Wagner“ gebe es „strenge Regeln“.
Medwedjew sollte in Norwegen auch als Zeuge zu russischen Kriegsverbrechen aussagen. Norwegens nationaler Kriminalpolizeidienst Kripos, der sich an der internationalen Untersuchung der Kriegsverbrechen in der Ukraine beim Internationalen Strafgerichtshof beteiligt, hatte deswegen Kontakt mit ihm aufgenommen.
Norwegen hat sich den Sanktionen gegen Russland angeschlossen und zuletzt das Vorgehen gegen das Regime verschärft. Im April hatte Oslo 15 russische Diplomaten ausgewiesen, denen Spionage vorgeworfen wird. Regelmäßig warnen norwegische Sicherheitsdienste vor Spionage und Sabotage durch Russland.
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