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„Eine Welt auf rauen Pfaden“
Die Weltpolitik und die Weltwirtschaft befinden sich in einer Unordnung, die jenseits der Erkenntnis, dass sich die Weltgeschichte an einem Wendepunkt befinden könnte, keine belastbaren Schlüsse über die Zukunft gestattet. Dieses Fazit lässt sich am Ende des diesjährigen Weltwirtschaftsforums ziehen – ein Fazit, das so ganz im Widerspruch zum düsteren Geraune von Verschwörungstheoretikern steht, die hinter dem Treffen in Davos finstere Mächte sehen, die am Umbau der Welt nach einem festen Plan arbeiten. Die Wahrheit lautet: So viel Unsicherheit war selten.
Im eher visionären Teil seiner Davoser Rede hatte Bundeskanzler Olaf Scholz das Bild einer dem Nationalismus entsagenden, von Recht und Regeln geleiteten multipolaren Welt skizziert. In dieser Welt gehen wirtschaftlicher und technischer Fortschritt Hand in Hand mit Gleichberechtigung, Respekt und Gemeinsinn sowie der Bereitschaft, Nachhaltigkeit und Resilienz zu fördern, um den Planeten künftigen Generationen in einem möglichst guten Zustand zu übergeben. Das sind die Visionen, die man in Davos gerne hört, und so zeigte sich Klaus Schwab, der Gründer und Macher des Forums, von der „Grundsatzrede“ des Kanzlers sichtlich angetan.
Keine Flucht vor der Realität
Die Realität steht jedoch in erheblichem Widerspruch zu den Visionen. Niemand anderes als Schwab sorgte dafür, dass die Diskussionen in Davos dieser Realität nicht entfliehen konnten. Das langjährige „Russian House“ auf der Promenade in Davos, in dem früher russische Besucher des Forums Hof hielten, wurde dieses Jahr in ein „Russian War Crimes House“ verwandelt, in dem sich der Schrecken des fürchterlichen Kriegs in Europas Osten besichtigen ließ. Und während die Russen Davos fernblieben, warb eine ansehnliche ukrainische Delegation für die Anliegen ihres geschundenen Landes.
Vor der Realität des Krieges zerbrach Scholz’ Vorstellung eines nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch geeinten Europas, das einen respektablen Platz in einer multipolaren Welt einnehmen sollte. Denn dazu bedürfte es einer gemeinsam definierten Außenpolitik, die in Davos am nachdrücklichsten der niederländische Premierminister Mark Rutte einforderte, indem er Deutschland, Frankreich und Italien dazu aufrief, ihre nationalen außenpolitischen Interessen in ein gemeinsames europäisches außenpolitisches Interesse einzubringen. Das ist derzeit jedoch mehr Wunsch als Wirklichkeit.
Denn mit Blick auf die Ukraine sind die innereuropäischen Brüche jenseits allgemeiner Verurteilungen des russischen Angriffskriegs unverkennbar. Weite Teile Osteuropas äußern schon aus Eigeninteresse, unterstützt durch Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Kanada und Australien, die klare Vorstellung: „Die Ukraine muss den Krieg gewinnen.“ Gemeint ist damit die auch von Kiew verlangte Wiederherstellung der territorialen Unversehrtheit der Ukraine sowie die Überzeugung, dass die Ukraine in diesem Krieg nicht nur sich selbst verteidigt, sondern ganz Europa.
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