Die Wasserschnecke Elysia chlorotica würde kaum eine Fußnote bekommen, hätte sie nicht etwas Besonderes an sich: Sie ist grün. Und als wäre das nicht schon genug, betreibt sie Photosynthese, wie ein Baum oder ein Gras oder eine Blume. Denn sie hat es geschafft, sich Chloroplasten einzuverleiben, die Organellen, die in Pflanzen Licht in Energie umwandeln. Das kommt nicht von ungefähr, denn ein Virus hat ihr beim Einbau geholfen. Eine Kooperation par Excellence. Und nicht die Einzige. Dirk Brockmann zeigt in seinem Buch, welche großartige Funktion in der Evolution nicht der Kampf jeder gegen jeden, sondern die Zusammenarbeit hat. Kooperation ist demnach genauso wichtig wie Konkurrenz. Brockmann hat zahlreiche Belege zusammengetragen und nicht alle sind so friedfertig wie die grüne Wasserschnecke; da wäre der Pilz Ophiocordyceps, der in Ameisen lebt und das Insekt so manipuliert, dass es selbst den höchsten und besten Platz zur Weiterverbreitung der Pilzsporen sucht. Was sich grausam anhört, dient aber tatsächlich allen Organismen im Lebensraum von Pilz und Ameise. Das Buch ist ebenso kurzweilig wie informativ. Ein Plädoyer für das Miteinander auf dem Planeten. Und ein Füllhorn für Party-Smalltalk. Peter Laufmann
Dirk Brockmann:
Survival of the Nettest
dtv. 288 S., 24 €
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